
"Wenn ich mal nicht weiter weiß, dann gründ' ich einen Arbeitskreis". Nach dieser Maxime haben die Umwelt- und Wirtschaftsminister heute einmal mehr gehandelt. Bund und Länder wollen bis Ende März die Chancen auf eine Strompreisbremse noch vor der Bundestagswahl ausloten. Es sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, um bis zum Spitzentreffen von Länder und Bund an einem gemeinsamen Vorschlag zu arbeiten, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) heute diplomatisch.
Bild: dapdTraditionelle Erzeuger
Die Zusammensetzung des Strompreises besteht einerseits aus den sogenannten "alten Energien", also traditionellen Erzeugern, die Kohle, Erdgas oder Kernbrennstoff in Strom umsetzen. Die Einkaufspreise für den genutzten Rohstoff variieren, so kostete etwa eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt im Jahr 2011 123,90 Dollar und eine Kilowattstunde Erdgas 0,263 Euro. Neben diesen Ankäufen fallen für Erzeuger die mit fossilen Kraftwerken arbeiten ebenfalls CO2-Abgaben an, die im Jahr 2011 durchschnittlich 11,45 Euro pro Tonne betrugen.
Bild: REUTERSNeue Energien
Das andere Standbein des Strompreises sind neue Energien aus regenerativen Quellen wie Wind, Biomasse und Sonne. Sie erhalten eine Förderung aus der EEG-Umlage, die jeder Stromverbraucher entrichtet. Grüner Strom wäre ohne diese Förderung auf dem Strommarkt derzeit noch längst nicht Konkurrenzfähig und wird deshalb von den Netzbetreibern an der Börse vermarktet.
Sowohl traditionelle als auch grüner Erzeuger übermitteln ihre Angebote an die Strombörse.
Bild: dpaStrombörse
An der Strombörse wird tagesaktuell der Strompreis mittels Angebot und Nachfrage ermittelt. Er setzt sich zu 30% aus Spitzenlaststrom - der bei hoher Leistungsnachfrage zu 0,069 Euro pro Kilowattstunde von speziellen Kraftwerken erzeugt wird - und zu 70% aus Grundlaststrom - mit einem Preis von 0,056 Euro die Kilowattstunde - zusammen.
Bild: dpaVerschiedener Strom
Der günstige Grundlaststrom deckt üblicherweise den normalen Tagesbedarf an Strom rund um die Uhr ab, lediglich zu Stoßzeiten wird der teurere Spitzenlaststrom benötigt. Bei einer übliche Zusammensetzung - bei dem Verhältnis von 30% zu 70% - ergab sich im Jahr 2011 ein Börsenpreis von etwa 6 Cent pro Kilowattstunde.
Bild: dpaEndverbraucher
Die Endverbraucher zahlen unterschiedlich viel für ihren Strom. Der Preis pro Kilowattstunde richtet sich danach, auf welcher Spannungsebene die Elektrizität geliefert wird und wie viel an zusätzlichen Abgaben - beispielsweise auch Steuern - anfällt. Tendenziell zahlen Haushalte am meisten, industrielle Großverbraucher am wenigsten.
Im Jahr 2011 betrug der Strompreis pro Kilowattstunde für...
- die energieintensive Industrie 6,08 Cent (bei 0,05 Cent EEG-Abgabe),
- für die Industrie zwischen 8,15 Cent und 11,63 Cent (bei 0,05 Cent bis 3,53 Cent EEG-Abgabe),
- für Gewerbe und Dienstleistungen 19,29 Cent (inklusive 3,53 Cent EEG-Abgabe),
- für private Haushalte 25,45 Cent (bei ebenfalls 3,53 Cent EEG-Abgabe).
Bild: dpaEEG-Umlage
2011 bezahlte beispielsweise die energieintensive Industrie 37 Millionen Euro; Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen und private Haushalte jeweils 4,5 Milliarden. Die EEG-Umlage gleicht damit die Differenz zwischen dem Börsenpreis und den garantierten Vergütungen der Grünstromerzeuger aus. Die Einnahmen aus der EEG-Umlage werden verwendet, um die erneuerbaren Energien zu fördern und auszubauen.
Traditionelle Erzeuger
Die Zusammensetzung des Strompreises besteht einerseits aus den sogenannten "alten Energien", also traditionellen Erzeugern, die Kohle, Erdgas oder Kernbrennstoff in Strom umsetzen. Die Einkaufspreise für den genutzten Rohstoff variieren, so kostete etwa eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt im Jahr 2011 123,90 Dollar und eine Kilowattstunde Erdgas 0,263 Euro. Neben diesen Ankäufen fallen für Erzeuger die mit fossilen Kraftwerken arbeiten ebenfalls CO2-Abgaben an, die im Jahr 2011 durchschnittlich 11,45 Euro pro Tonne betrugen.
Aha. Sollte das Treffen heute nicht schon zu diesem Zwecke dienen? Mit der wachsweichen Formel haben alle das Gesicht gewahrt, ohne sich bisher aufeinander zuzubewegen. Schließlich will keiner schuld sein an steigenden Strompreisen. Schon gar nicht im Wahljahr. Vor einer Bundestagswahl haben aber SPD und Grüne in der Opposition keinen Grund, sich auf die Bundesregierung zuzubewegen, wenn sie gleichzeitig ihre eigene Klientel dabei vor den Kopf stoßen würden. Im Bundesrat können sie die Bundesregierung mit ihrer Ländermehrheit blockieren.
Die Fakten sind klar: Die Energiewende weg von Atomstrom und fossilen Quellen wie Gas und Kohle ist teuer. Nicht immer sorgt die Förderung dafür, dass das Geld effizient eingesetzt wird. Doch davon profitieren etliche Wähler, die eine Solaranlage auf dem Dach haben oder in Windkraft investiert haben. Etliche Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell auf die staatliche Stütze ausgerichtet. Umgekehrt tragen nicht alle, die könnten, die Lasten in gleichem Maße. In der Industrie stieg die Zahl der Ausnahmen von der EEG-Umlage zur Finanzierung der noch nicht konkurrenzfähigen Energie aus Sonne, Wind oder Biomasse. Längst nicht mehr nur energieintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb sind ausgenommen. Vor allem für Gewerbetreibende und Privatverbraucher gingen die Kosten deshalb in die Höhe.
Immerhin hatten Altmaier und Rösler vor dem Bund-Länder-Treffen wieder zueinander gefunden und zumindest in einzelnen Punkten Gemeinsamkeiten formuliert. Sie wollen die EEG-Umlage für 2014 zunächst festschreiben und in den Folgejahren den Anstieg begrenzen.
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