Strompreise: Sonne und Wind entlasten Verbraucher um Milliarden

Strompreise: Sonne und Wind entlasten Verbraucher um Milliarden

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Ohne regenerative Energien wäre Strom heute noch teurer.

von Dieter Dürand

Diese Analyse wird für Zündstoff sorgen: Dank Wind und Sonne haben die Deutschen im Jahr 2013 rund 11,2 Milliarden Euro beim Strom gespart. Ohne den Grünstrom wäre Strom deutlich teurer.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kommen zu dem Schluss, dass die deutschen Stromverbraucher im Jahr 2013 rund 11,2 Milliarden Euro sparten, weil Windräder und Solaranlagen große Menge preiswerter Elektrizität in die Stromnetze einspeisten. Im vergangenen Jahr, schätzen die Experten um Professor Jürgen Karl vom Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik, könnte die Entlastung sogar noch größer ausgefallen sein. Ihr Fazit: Ohne den Grünstrom wären die Strompreise seit 2011 noch einmal deutlich schneller gestiegen.

So setzte sich der Strompreis 2014 zusammen

  • Gesamt

    Rund 15,31 Cent pro kWh

  • Mehrwertsteuer 19 Prozent

    4,70 Cent pro kWh

  • Durchschnittliche Konzessionsabgabe

    1,79 Cent pro kWh

  • Stromsteuer

    2,05 Cent pro kWh

  • EEG-Umlage

    Noch 6,24 Cent pro kWh, ab 2015 wohl um die 6 Cent pro kWh

  • KWK-Aufschlag

    0,178 Cent pro kWh

  • StromNEV-Umlage

    0,092 Cent pro kWh

  • Offshore-Haftungsumlage

    0,250 Cent pro kWh

  • Umlage für abschaltbare Lasten

    0,09 Cent pro kWh

Der Grund: Infolge des Beschlusses der Bundesregierung, nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima aus der Kernenergie auszusteigen, verknappten sich die konventionellen Kraftwerkskapazitäten. Das niedrigere Angebot hätte die Preise an der europäischen Strombörse EEX kräftig nach oben getrieben. Ohne die wachsenden Strommengen aus Wind und Sonne wäre der Strompreis nach Berechnungen der Wissenschaftler um 5,29 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Dank der Erneuerbaren sank er jedoch real.

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Die Einsparungen in Höhe von 31,6 Milliarden Euro überkompensierten das, was die Stromverbraucher nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) 2013 als Vergütung für den Ökostrom bezahlen mussten. Rund 20,4 Milliarden Euro waren das in etwa – blieb also unter dem Strich eine Entlastung von 11,2 Milliarden Euro, so die Forscher.

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Allerdings kam sie fast ausschließlich den stromintensiven Betrieben zugute, die von der EEG-Umlage befreit sind. Bei Privathaushalten und den anderen gewerblichen Unternehmen hielten sich die Zusatzlast aus dem EEG und die Entlastung beim Strompreis in etwa die Waage. Ansonsten hätten diese noch mehr für die Kilowattstunde zahlen müssen.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

  • Allgemeines

    Insgesamt 2098 Unternehmen sind im Jahr 2014 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das entspricht einer begünstigen Strommenge von voraussichtlich 107 Terawattstunden – das sind etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2014 bleiben den Firmen damit rund 5,1 Milliarden Euro an Kosten erspart.

    Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

  • Aurubis

    Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den Jahren 2010 bis 2012 auf 102 Millionen Euro.

  • BASF

    Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde. Für 2014 stehen allerdings nur noch Betriebe in Leuna und Rudolstadt auf der Liste.

  • Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

    Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahngesellschaften – insgesamt 72 Schienenbahnunternehmen sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

  • Schwarzwaldmilch

    Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. So gehört auch die Schwarzwaldmilch Offenburg zu den von der EEG befreiten Unternehmen.

  • Storck

    Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

  • Vion

    Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Und noch eines wollen die Erlanger Experten herausgefunden haben: Ohne Wind und Sonne hätte die konventionelle Kraftwerksleistung 2013 an insgesamt 269 Stunden nicht ausgereicht, den Strombedarf in Deutschland zu decken.

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17 Kommentare zu Strompreise: Sonne und Wind entlasten Verbraucher um Milliarden

  • Deutschland hat den teuersten Strompreis weltweit, und ein "Wissenschaftler" schreibt so einen Käse. das klingt wie die Lügen Kommunikation in einem faschistischen Land.

    wen wundert es wenn die Deutschen Politk, Presse und Demokratie müde sind.

  • "Sonne und Wind entlasten Verbraucher um Milliarden" was für ein unglaublicher Mist. und sowas in WiWo.

    Aber es ist wohl so, Presse Leute und Wissenschaftler können nicht mal das Rückgeld an der Supermarkt Kasse richtig nachzählen

  • Also - Rückgeld an der Kasse können die bestimmt noch richtig nachzählen.

    Nur beim Denken, respektive Verstand sehe ich Probleme und sehe mich darin bestätigt, dass ein hoher IQ allein nicht reicht.

    Denn die Ausgangsfrage muss doch richtigerweise sein, wie wären die Strompreise heute ohne "Energiewende" sowohl für den Privatverbraucher als auch Wirtschaft.

    Das die Wirtschaftswoche solch unqualifizierte "Forschungsergebnisse" den Lesern serviert, wird dem Anspruch, den die WiWo bei ihrer Entstehung mal hatte, mit Abstand nicht mehr gerecht.

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