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exklusivStudie: Bürger stellen Energiewende trotz hoher Kosten nicht infrage

von Renate Köcher

Eine klare Mehrheit der Bundesbürger lehnt höhere Strompreise zum Ausbau der erneuerbaren Energien ab. Trotzdem taugen die Strompreise nicht als zündendes Wahlkampfthema in Deutschland. Die Energiewende an sich stellen die meisten Bürger nämlich nicht infrage.

Traditionelle Erzeuger

Die Zusammensetzung des Strompreises besteht einerseits aus den sogenannten "alten Energien", also traditionellen Erzeugern, die Kohle, Erdgas oder Kernbrennstoff in Strom umsetzen. Die Einkaufspreise für den genutzten Rohstoff variieren, so kostete etwa eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt im Jahr 2011 123,90 Dollar und eine Kilowattstunde Erdgas 0,263 Euro. Neben diesen Ankäufen fallen für Erzeuger die mit fossilen Kraftwerken arbeiten ebenfalls CO2-Abgaben an, die im Jahr 2011 durchschnittlich 11,45 Euro pro Tonne betrugen.

Bild: dapd

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Mittlerweile ist klar, dass der Obolus, den die Bürger im Rahmen des Gesetzes zur Förderung regenerativer Energien entrichten, im kommenden Jahr um fast 50 Prozent ansteigt. Statt zurzeit knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde wird die sogenannte EEG-Umlage 2013 rund 5,3 Cent betragen – und damit die jährlichen Stromkosten eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushaltes um 50 bis 60 Euro verteuern.

Wenn Politiker die Bürger mit solchen Botschaften konfrontieren, befällt sie im Allgemeinen die Furcht vor der Reaktion derjenigen, die zur Kasse gebeten werden – und dies umso mehr, wenn die zusätzlichen finanziellen Lasten in einem Wahljahr anfallen. Auf den ersten Blick scheinen die Sorgen der Politik auch berechtigt. Die große Mehrheit der Bürger verfolgt die Entwicklung der Strompreise und der Energiepreise insgesamt mit großer Aufmerksamkeit. Die überwältigende Mehrheit kennt ihre Stromrechnung und hat registriert, dass die Preise auch in diesem Jahr wieder angestiegen sind. 29 Prozent empfinden diesen Anstieg als gravierend.

Für die Zukunft erwarten die meisten Bürger noch höhere Belastungen. 90 Prozent rechnen mit steigenden Strompreisen, 59 Prozent sogar mit einem deutlichen Anstieg. Diese Erwartungshaltung hat nicht nur mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu tun, sondern auch mit der Einschätzung, dass die Energiewende generell die Stromkosten nach oben treiben wird. Zwei Drittel der Bürger sind überzeugt, dass der Ausstieg aus der Kernenergie und die Umsteuerung auf regenerative Energien mit deutlich steigenden Strompreisen erkauft werden muss.

Grafik Bereitschaft, für den Ausbau erneuerbarer Energien höhere Energiepreise zu zahlen
Klicken Sie auf die Grafik, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

Die Bereitschaft, diesen Preis zu entrichten, hält sich allerdings in engen Grenzen. Nur 26 Prozent der Bürger sind bereit, für den Ausbau der regenerativen Energien höhere Energiepreise zu akzeptieren. 56 Prozent lehnen dies ab, knapp jeder Fünfte ist unschlüssig. Nur unmittelbar nach der Katastrophe von Fukushima stieg die Bereitschaft, höhere Preise hinzunehmen, signifikant auf 38 Prozent an, ging seither jedoch wieder kontinuierlich zurück.

Gleichzeitig verstärkte sich deutlich die Haltung, dass eine vernünftige Energiepolitik besonders auf niedrige Preise ausgerichtet sein sollte. Hielten dies 2011 58 Prozent der Bürger für ein wichtiges Ziel, sind es heute 70 Prozent.

Trotzdem sieht es zurzeit weder danach aus, dass die Bürger aufgrund der steigenden Preise die Energiewende grundsätzlich infrage stellen, noch dass die Energiepreise 2013 zu einem zündenden Wahlkampfthema werden könnten. Die Diskussion über die Kosten hat bislang nicht dazu geführt, dass die Unterstützung für die Energiewende erodiert. Sieben von zehn Bürgern halten sie für richtig, nur 14 Prozent für eine falsche Entscheidung.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.10.2012, 15:29 UhrMaxito

    Diese Umfrage sollte mal nach einem zweitägigen Blackout wiederholt werden. Unterschlagung essentieller Randbedingungen - hier der Versorgungssicherheit - ist immer ein beliebtes Mittel, Umfragen wie auch "Gutachten" etc. in die gewünschte Richtung zu lenken.

  • 29.10.2012, 14:48 UhrIMMENS

    -Meine volle Zustimmung an Redus - Tochter zu diesem Kommentar.

  • 29.10.2012, 13:20 UhrRedusTocher

    Ein Artikel mehr zur Volksverdummung. Aber ja, das hat schon früher in Deutschland gut geklappt. Man mache den Lesern weis, dass alle anderen (= die Mehrheit) etwas wollen und dann machen alle wieder mit.
    Liebe Wirtschaftswoche, wann tragen Sie wieder zur Aufklärung und nicht zur Augenwischerei und Verbreitung solcher unsinnigen Umfragen bei? Da schließe ich mich den 3 vorangegangenen Kommentatoren an!

    Zum Thema was wollen die Deutschen wirklich, bietet sich die Lektüre folgenden Werkes an : Manfred Güllner: „Die Grünen – Höhenflug oder Absturz“.
    Hier wird in etwa der Tenor aller unserer medialen Themen dargelegt, und es wird beschrieben, wie ein Deutscher heute sein darf, um zu den GUTEN zu gehören: Per Quasireligion wird einem vorgeschrieben, was gut ist, und zwar wider jedem Grundlagen- oder gar Fachwissen:: „Atom böse – alternative Energien gut“, „Klimawandel unmittelbar bevorstehend“, „absehbares Ende aller natürlichen Ressourcen“, „Zivilisation böse – zurück zur Natur“, „Wer nicht so denkt wie wir Guten, ist böse, dumm, usw.“, „Staat böse – dezentralisierte Bürgerinitiativen gut“, „Datensammeln böse – keine Daten gut"
    Viel Spaß bei der Lektüre! Und zurück zum Ziel jeder Energiediskussion: das Ziel ist die VERSORGUNG der Bürger und der Wirtschaft mit Strom und Wärme und nicht die Befriedung von Philisophien!

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