Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung: Feindseligkeit zieht sich durch alle Schichten

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung: Feindseligkeit zieht sich durch alle Schichten

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Muslimische Frauen in Berlin-Kreuzberg: Mehr als ein Drittel der Befragten sind der Ansicht, es gäbe zu viele Ausländer in Deutschland.

von Caroline Biallas

Die Hälfte der Bundesbürger steht Asylsuchenden und Langzeitarbeitslosen skeptisch gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Menschenverachtende und offen rechtsextreme Einstellungen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen – dennoch ist die "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" gegenüber Personen unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft auch 2014 weit verbreitet.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (PDF), die den Titel "Fragile Mitte – Feindselige Zustände" trägt. Für die Studie wurden zwischen Juni und August 2014 rund 2000 Bürger befragt.

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So stimmt mehr als die Hälfte der Befragten Aussagen wie "Wer irgendwo neu ist, sollte sich erst mal mit weniger zufrieden geben" zu. Auch glaubt knapp die Hälfte der Befragten, langzeitarbeitslose Menschen seien nicht wirklich an einem Job interessiert. Beinahe ein Fünftel stimmt der Aussage zu, Frauen sollten sich wieder mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen.

18 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Zuwanderungsverbot von Muslimen aus. Mehr als ein Drittel ist der Ansicht, es gäbe zu viele Ausländer in Deutschland. 38 Prozent finden, Roma und Sinti neigen zu kriminellen Handlungen. Dass der Staat bei der Prüfung von Asylanträgen großzügiger sein sollte, meint hingegen nur eine Minderheit.

Mehr als 40 Prozent sind der Ansicht, die meisten Asylbewerber würden in ihrer Heimat gar nicht verfolgt. Auch sind 30 Prozent der Befragten der Meinung, bettelnde Obdachlose sollten sich nicht mehr in den Fußgängerzonen aufhalten.

Fünf Prozent der jungen Ostdeutschen wollen eine Diktatur

Klar rassistische und diskriminierende Tendenzen erkennt die Friedrich-Ebert-Stiftung bei folgenden Antworten: 12 Prozent sind der Meinung, "die Weißen" seien zurecht führend in der Welt; 10 Prozent hingegen finden, Menschen mit jüdischen Wurzeln hätten zu viel Einfluss in Deutschland. Der Aussage, "Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen", stimmen 20 Prozent der Befragten zu. Sieben Prozent meinen, Behinderte erhielten zu viele Vergünstigungen.

Rassismus Jeder Fünfte in Deutschland ist ausländerfeindlich

Die gute Nachricht: Rechtsextreme Meinungen in Deutschland werden seltener. Die schlechte: Jeder Fünfte hierzulande ist ausländerfeindlich.

Rechtsextreme Einstellungen finden sowohl im Osten als auch im Westen weniger Akzeptanz als zuletzt. Quelle: dpa

Rechtsextreme Einstellungen sind insgesamt häufiger bei Personen aus Ostdeutschland zu entdecken – besonders bei denjenigen, die älter sind als 60 Jahre. Extreme Tendenzen sind auch bei der Gruppe der 16-bis 30-Jährigen zu finden: Rund fünf Prozent von ihnen befürworten eine Diktatur, 3,5 Prozent verharmlosen den Nationalsozialismus.

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Des Weiteren hat die Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht, ob Sympathisanten der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) auch rechtsextreme Einstellungen vertreten. Die Studie kommt dabei zu folgenden Erkenntnissen: Die AfD greift vorhandenes wettbewerbspopulistisches Potential offenbar als politisches Sprachrohr auf und scheint gerade diese ökonomisch menschenfeindliche Verbindung zu kanalisieren.

Obwohl die "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" seit 2002 zurückgegangen ist, ziehen sich feindliche Einstellungen durch alle Teilgruppen der Gesellschaft. Obwohl sich solche Tendenzen auch vermehrt in der Mitte der Gesellschaft entdecken lassen, spielt der Bildungsgrad auch eine Rolle: Menschen, mit einem höherwertigen Schul- oder Universitätsabschluss gelten in der Regel als weniger menschenfeindlich als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau.

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