Studie: Flüchtlingszuwanderung kann Wirtschaftswachstum ankurbeln

Studie: Flüchtlingszuwanderung kann Wirtschaftswachstum ankurbeln

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Flüchtlinge während ihrer Ausbildung.

Für ihre Flüchtlingspolitik muss Bundeskanzlerin Merkel viel Kritik einstecken. Für die deutsche Wirtschaft kann die Zuwanderung Hunderttausender Menschen Ökonomen zufolge jedoch positiv sein.

Die Zuwanderung Hunderttausender Flüchtlinge hat einer Studie zufolge einen positiven Effekt auf das deutsche Wirtschaftswachstum. Nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kann das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dadurch bis 2020 um insgesamt rund 90 Milliarden Euro steigen. Das IW schätzt den BIP-Zuwachs in diesem Jahr auf rund 0,4 Prozent. Bis 2020 könnte sich dieser Effekt auf knapp ein Prozent jährlich erhöhen, heißt es in der Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Arbeitsmarkt Warum 90 Prozent der Firmen keine Flüchtlinge einstellen

Als die Flüchtlinge kamen, herrschte Optimismus in der Wirtschaft. Eine WirtschaftsWoche-Umfrage zeigt: Nur jedes zehnte Unternehmen stellt Flüchtlinge ein. Was es braucht, damit aus Zuwanderern Arbeitskräfte werden.

Integration auf dem Arbeitsmarkt. Quelle: dpa Picture-Alliance

Wirtschaftliche Impulse erwarten die Ökonomen vor allem vom privaten Konsum und den zusätzlichen Ausgaben des Staates für die Integration der Menschen. Da nur ein Teil der Flüchtlinge in der nächsten Zeit einen Job finden wird, dürfte allerdings die Erwerbslosenquote um rund 1,5 Prozentpunkte steigen. Die Forscher unterstellen dabei, dass 2020 etwa die Hälfte der im Jahr 2015 angekommenen erwerbsfähigen und - willigen Flüchtlinge einen Arbeitsplatz hat.

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Die steigende Erwerbslosigkeit wirkt sich statistisch gesehen auch negativ auf das jährliche Pro-Kopf-Einkommen aus, das um bis zu 800 Euro sinken könnte. „Wie stark die simulierten Effekte tatsächlich ausfallen, wird maßgeblich davon abhängen, wie gut die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt“, erläuterte IW-Experte Tobias Hentze.

Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Notwendig sind aus seiner Sicht vor allem Investitionen in die Qualifizierung der Menschen. Zwar habe fast jeder fünfte Asylbewerber studiert, mindestens ebenso viele hätten allerdings nur eine Grundschule oder überhaupt keine Schule besucht. Das Gros der Menschen habe bei der Ankunft nur geringe oder keine Deutsch-Kenntnisse.

Die Kosten für die Integration der Menschen schätzen die Autoren der Studie auf bis zu 28 Milliarden Euro pro Jahr. Dazu zählen die Sozialausgaben für nicht erwerbstätige Flüchtlinge, Kosten für Unterbringung und Verpflegung, Bildungsausgaben, sowie öffentliche Investitionen, zum Beispiel für den Wohnungsbau.

Integration Kombikurse sollen Flüchtlinge für Arbeitsmarkt fit machen

Sie kommen nach Deutschland – und wollen schnell einen Job. Die Bundesagentur für Arbeit will per Fortbildung verhindern, dass Flüchtlinge nur das Heer der Hilfskräfte verstärken. Das Zauberwort heißt „Kombikurs“.

Deutsch- und Integrationskurse für Flüchtlinge sollen künftig an Angebote zur Qualifikationsfeststellung und -steigerung gekoppelt werden. Quelle: dpa

Je mehr Flüchtlinge möglichst schnell eine qualifizierte Arbeit fänden, desto stärker werde die Staatskasse entlastet. „Wenn das Geld in effektive Förderprogramme investiert wird, kann es langfristig durch steigende Steuereinnahmen zum großen Teil wieder hereingeholt werden“, argumentiert Hentze. Allerdings müsse die Politik die Unternehmen unbürokratisch bei der Beschäftigung der Menschen unterstützen.

Auch nach Einschätzung anderer Ökonomen wird das alternde Deutschland langfristig wirtschaftlich von Zuwanderung profitieren - wenn es gelingt, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

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