Studie: Ich-AG wurde zu voreilig abgeschafft

Studie: Ich-AG wurde zu voreilig abgeschafft

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Die Ich-AG bewahrte viele vor der Arbeitslosigkeit.

Nach nur dreieinhalb Jahren wurde 2006 die „Ich-AG“ wieder abgeschafft. Heute zeigt sich, dass das Förderprogramm für Arbeitslose erfolgreicher war als vermutet. Und der neue Gründungszuschuss war vielleicht keine gute Idee.

Schon vor ihrem Startschuss wurde sie 2002 zum Unwort des Jahres gekürt – die „Ich-AG“. Seither erhielt der Existenzgründerzuschuss für Arbeitslose reichlich Kritik und wurde schließlich 2006 mit dem Überbrückungsgeld unter neuen Konditionen zum Gründungszuschuss zusammengefasst.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB)* kommt nun zu dem Schluss, dass diese Entscheidung voreilig war und die Zweifel an der Ich-AG unberechtigt: „Die Integration der ehemaligen Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt ist größtenteils geglückt“, schreiben die Autoren. Die erwartete Pleitenwelle der Ich-AGs sei ausgeblieben.

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Die auf drei Befragungswellen beruhenden Zahlen belegen vielmehr: Rund 60 Prozent der männlichen Ich-AG-Gründer in West- und Ostdeutschland sind fünf Jahre nach Start des Programms immer noch selbstständig, weitere 20 Prozent haben über den Zuschuss wieder eine angestellte Beschäftigung gefunden. Die Quote der Frauen liegt jeweils etwas niedriger. Insgesamt waren mehr als drei Viertel der rund 400.000 geförderten Gründungen erfolgreich.

Gründerzuschuss ist nicht kostengünstiger als die Ich-AG

Überraschend ist die hohe Erfolgsquote deshalb, weil mit dem Existenzgründerzuschuss der Ich-AG oft geringer qualifizierte und damit vermeintlich schwächere Arbeitslose unterstützt wurden, die wenig für die Selbstständigkeit geeignet schienen. Diese These sehen die Autoren nun eindeutig widerlegt.

Mehr noch: Sie bezweifeln, ob das Zusammenlegen von Ich-AG und Überbrückungsgeld zum neuen Gründerzuschuss eine gute Idee ist. Zum einen dürften gerade kleine Ich-AGs mit dem Auslaufen der Förderung stark an Attraktivität verloren haben, da die Sozialversicherungskosten nun nicht mehr im früheren Ausmaß übernommen werden. Gerade die Kosten von Kranken- und Rentenversicherung aber hatten Ich-AG-Gründer als eine der Hauptursachen für ihr Scheitern angegeben. Darüber hinaus wirft das neue Gründergeld zu unterschiedliche Zielgruppen in einen Topf.

„Zwei erwiesenermaßen erfolgreiche Programme (...) wurden ersetzt durch ein neues Instrument, dessen Wirkung noch unklar ist“, kritisieren die IAB-Autoren. Schon jetzt sei abzusehen, dass der Gründerzuschuss nicht kostengünstiger sei.

Das Rad zurückdrehen wird die Politik nun wohl nicht. Doch der neue Zuschuss muss sich künftig an den Erfolgen seiner Vorgänger messen lassen.

* Marco Caliendo, Steffen Künn, Frank Wießner: Erfolgsgeschichte mit zu frühem Ende. IAB 3/2009; ebds: IZA Discussion Paper No 3880, Dezember 2008

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