Studie: Zeitverträge bremsen die Gehaltsentwicklung

Studie: Zeitverträge bremsen die Gehaltsentwicklung

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Grafik: Arbeitnehmer mit Fristvertrag

von Mark Fehr

Befristete Beschäftigung erhöht gerade in Krisenzeiten die Jobchancen. Doch wer mit einem Zeitvertrag ins Berufsleben startet, verdient jahrelang weniger, zeigt eine aktuelle Studie.

Zu den größten Konflikten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern gehört seit jeher der Kündigungsschutz. Er gibt Angestellten mehr Sicherheit bei der Lebens- und Karriereplanung, reduziert aber die personalpolitische Flexibilität der Unternehmen. Besonders in Krisenzeiten, so mahnen Ökonomen, verhindert der Kündigungsschutz Neueinstellungen. Ein Ausweg aus dem Dilemma sind Zeitverträge: Viele Unternehmen sind angesichts der labilen Konjunktur eher bereit, Leute einzustellen, deren Arbeitsverträge zu einem festgelegten Zeitpunkt enden – und für die Beschäftigten ist ein befristeter Job besser als gar keiner.

Bei Berufsanfängern bedeutet Befristung allerdings auch weniger Gehalt, zeigt eine aktuelle Studie*. Der Arbeitsmarktexperte Dimitris Pavlopoulos von der Freien Universität Amsterdam hat Daten von rund 4800 deutschen Arbeitnehmern untersucht, die zwischen 1984 und 2007 auf den Arbeitsmarkt drängten. Grundlage ist das Sozioökonomische Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das Institut befragt regelmäßig knapp 11.000 Haushalte zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation.

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Frist-Jobs kaum in Schlüsselpositionen

Laut Pavlopoulos’ Analyse dauert es viele Jahre, bis befristet Beschäftigte gehaltsmäßig zu Kollegen mit unbefristeten Verträgen aufschließen.

Der Grund: Viele Unternehmen testen, wie gut sich auf Zeit eingestellte Leute schlagen und zahlen erst mal weniger. Frist-Jobs werden zudem kaum für hoch bezahlte Schlüsselpositionen vergeben. Das niedrigere Einstiegssalär zieht sich wie ein roter Faden durch spätere Gehaltsverhandlungen. So brauchen Männer mehr als zwölf Jahre, um die Verdienstlücke zu schließen. Frauen, die mit einem Zeitvertrag in den Beruf gestartet sind, schaffen das immerhin doppelt so schnell.

Zeitverträge bald ohne Einschränkung

Derzeit dürfen deutsche Unternehmen neue Mitarbeiter maximal zwei Jahre befristet beschäftigen, es sei denn, die Arbeitnehmer werden zur Vertretung von Kollegen oder für zeitlich begrenzte Projekte eingestellt. Bald sollen Zeitverträge nach einjähriger Wartezeit auch ohne diese Einschränkungen möglich sein, haben CDU/CSU und FDP in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten liegt Deutschland bei Zeitverträgen im Mittelfeld. Beim EU-Spitzenreiter Spanien arbeiten fast 30 Prozent der Beschäftigten befristet.

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