Studie zu Motiven: Wie Pegida-Teilnehmer ticken

Studie zu Motiven: Wie Pegida-Teilnehmer ticken

Bild vergrößern

Als Hauptmotivation nennen die Pegida-Teilnehmer die „Unzufriedenheit mit der Politik"

von Katharina Matheis

Pegida wirft den Medien vor, Fakten falsch darzustellen und sie in die rechte Ecke zu stellen. Aber wie denken die Teilnehmer der Bewegung wirklich? Eine Antwort fand die erste wissenschaftliche Pegida-Studie.

Nur knapp ein Viertel der Demonstrationsteilnehmer geht gegen eine vermeintliche Islamisierung auf die Straße. Das Hauptmotiv ist stattdessen eine "generelle Unzufriedenheit mit der Politik". Die Teilnehmer empfinden eine große Distanz zwischen Politik und den Problemen der Bürger. Als zweithäufigste Motivation wurde die Kritik an den Medien und der Öffentlichkeit genannt. Erst an dritter Stelle folgen die Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern und Zuwanderern, insbesondere Muslime.

Wissenschaftler der TU Dresden haben damit die erste wissenschaftliche Befragung der Pegida-Teilnehmer vorgelegt. An drei Demonstrationstagen im Dezember und Januar befragten die Wissenschaftler insgesamt 400 Teilnehmer der Dresdner Demo. 65 Prozent lehnten die Befragung allerdings ab. Die Forscher fragten neben der Motivation für die Pegida-Teilnahme auch nach soziodemographischen Merkmale wie Wohnort, Beruf, Parteizugehörigkeit.

Anzeige

Die Deutschen irren sich Falscher Blick auf die Welt

Eine weltweite Umfrage zeigt: Deutsche, Briten und Franzosen schätzen die gesellschaftliche und politische Lage in ihrem Land völlig falsch ein. In welchen Punkten wir uns besonders irren – und warum das so ist.

Zeitungsständer stehen vor einem Kiosk. Die Medien prägen unsere Sicht auf die Welt. Quelle: dpa

Die Mehrheit der Pegida-Teilnehmer ist demnach berufstätig und verdient ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Einkommen. Das widerlegt das häufige Vorurteil, dass der Protest von Rentnern und frustrierten Arbeitslosen getragen wird. Nur zwei Prozent der Teilnehmer sind arbeitslos.

Die meisten Teilnehmer (38 Prozent) hatten einen Realschulabschluss oder sind Akademiker (28 Prozent). Die große Mehrheit der Demonstranten ist männlich (75 Prozent), das Durchschnittsalter liegt bei 48 Jahren.

Die sieben größten Ängste der Deutschen

  • Schlechte Wirtschaftslage

    41 Prozent fürchten sich vor einer schlechten Wirtschaftslage.

    Quelle: R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“

  • Spannungen durch Ausländer

    43 Prozent sorgen sich vor Spannungen durch Ausländer.

  • Überforderung der Politiker

    Skeptisch bewerten die Deutschen die handelnden Politiker: 44 Prozent haben Angst, dass diese überfordert sind.

  • Schwere Erkrankung

    47 Prozent fürchten sich vor schweren Erkrankungen.

  • Pflegefall im Alter

    Rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland – Tendenz steigend. Dementsprechend hoch ist auch die Besorgnis der Deutschen, im Alter anderen als Pflegefall zur Last zu fallen. Mit 51 Prozent liegt dieses Thema gemeinsam mit der Furcht vor Naturkatastrophen auf Platz 2.

  • Naturkatastrophen

    Überschwemmungen durch Starkregen, Hagel, Stürme: Mit 51 Prozent liegt die Furcht vor zunehmenden Naturkatastrophen auf Platz 2 der Ängste-Skala – gleichauf mit der Angst vor Pflegebedürftigkeit.

  • Steigende Lebenshaltungskosten

    Die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten steht mit 58 Prozent an der Spitze.

Die meisten Demonstrationsteilnehmer fühlen sich keiner Partei verbunden. Die Politikverdossenheit zieht sich als roter Faden durch die Ergebnisse, viele sind mit dem politischen System der Bundesrepublik unzufrieden. Besonders deutlich wurde die empfundene Kluft zwischen Volk und Politikern.

Der Gegensatz von "Die da oben" und "Wir hier unten", gepaart mit fremdenfeindlichen Einstellungen, gehöre "traditionell zum rhetorischen Arsenal rechtspopulistischer Strömungen", wie die Autoren der Studie schreiben. Viele gehen auch aus Protest gegen die empfundene Diffamierung der Pegida-Bewegung auf die Straße, ganz nach dem Motto "Jetzt erst recht".

weitere Artikel

Die Bewegung existiert seit dem Herbst vergangenen Jahres und wird wöchentlich größer. Am vergangenen Montag schlossen sich 25.000 Menschen dem Protestmarsch in Dresden an. Zugleich gingen in vielen deutschen Städten zehntausende Pegida-Gegner auf die Straße.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%