
Von einer Ära der Studiengebühren zu sprechen, die nun bald zu Ende gehen könnte, wäre vermessen. Anfang 2005 kippte das Bundesverfassungsgericht das Verbot allgemeiner Studienbeiträge. Was in den Jahren danach folgte, war der vorsichtige Versuch einiger weniger Bundesländer, für das Studium Geld zu verlangen. Die Summe von 500 Euro pro Semester übertrafen die Gebühren nirgendwo. Gerechnet auf einen dreijährigen Bachelorstudiengang bedeutete dies also eine Belastung von 3.000 Euro. Auch mit einem angeschlossenen Master-Studiengang oder nur mit etwas Bummelei dürfte ein Uni-Abschluss in Deutschland nicht mit mehr als 5.000 Euro zu Buche geschlagen haben.
Bild: REUTERSEngland
Englische Universitäten sind am teuersten. Bis zu 11.500 Euro müssen Studierende pro Studienjahr zahlen. Bislang mussten Studierende in England, Wales und Nordirland für einen grundständigen Bachelor-Studiengang jährlich maximal 4200 Euro bezahlen. Ab 2012 können zwischen etwa 7.500 und 11.200 Euro verlangt werden. Ein nationales Stipendienprogramm soll vor allem Studierende mit wenig Einkommen unterstützen. Grundsätzlich erhalten Studierende in England - wie in Deutschland - ein Darlehen, das es ihnen ermöglicht die Gebühren zu zahlen. Zurückzahlen müssen sie sie erst, wenn sie eine relativ gut bezahlte Stelle gefunden haben.
Bild: gmsLiechtenstein
Vor idyllischer Kulisse ist das Studium in Liechtenstein eines der teuersten in Europa. Pro Jahr müssen alle Studierenden aus dem In- und Ausland etwa 1240 Euro pro Jahr bezahlen. Die staatliche Hilfe beträgt maximal 20.700 Euro, von denen 40 bis 60 Prozent Zuschüsse sind, der Rest Darlehen.
Bild: Creative Commons-LizenzItalien
Studierende in Italien - im Bild die älteste Universität der Welt in Bologna - bezahlen sowohl für den Bachelor als auch für den Master durchschnittlich 1434 Euro im Jahr. Die 11 Prozent Studenten, die keine Gebühren zahlen müssen, sind in diesem Durchschnitt nicht enthalten. Sie sind befreit, weil sie finanziell weniger gut gestellt sind oder besonders gute akademische Leistungen haben. Außerdem hängt die Höhe des Zuschusses davon ab, ob Studenten alleine oder mit ihren Eltern leben. Er kann zwischen 1800 und 4776 Euro im Jahr betragen. Ausländische Studierende zahlen die gleichen Gebühren wie inländische.
Bild: dpaRumänien
Der Senat jeder Universität - hier die von Bukarest - bestimmt über die Höhe der Gebühren für jedes Studienprogramm. Alle Studierenden müssen zunächst einen Verwaltungsgebühr für die Registrierung zahlen. Zwischen durchschnittlich 500 und 3873 Euro können die Studiengebühren betragen, die sich vor allem nach Studiengang berechnen. So zahlen Studierende der Sozialwissenschaften, die 36 Prozent aller Studierenden ausmachen im Schnitt 1000 Euro, während die Gebühren für künstlerische Fächer, die 0,09 Prozent ausmachen bei über 8000 Euro liegen.
Bild: PresseFrankreich
Das Bildungsministerium legt die Studiengebühren fest. So muss jeder Studierende 177 Euro für sein Erststudium zahlen und 245 für sein Zweitstudium. In einigen öffentlichen Universitäten können die Gebühren aber auch bis zu 2000 Euro im Jahr betragen. Die grandes écoles sind oft noch teurer. Studierende, die einen Zuschuss erhalten, sind von den Gebühren befreit. Das betrifft etwas 30 Prozent aller Studierenden. Zuschüsse erhalten nur Studierende unter 28 Jahren und sie sind abhängig vom "sozialen Kriterien" und es können bis zu 4600 Euro pro Jahr sein.
Bild: dapdPortugal
Die Gebühren für das Bachelor-und das Masterstudium sind weitestgehend gleich und liegen bei mindestens 631 Euro und maximal bei 999,71 Euro. Die Höhe wird jedes Jahr vom Bildungsministerium bestimmt und wird unter anderem von der Inflation beeinflusst. Stipendien können auf Basis des Nutzens und der Leistung berechnet werden. Das Begabtenstipendium beträgt 2425 Euro.
Bild: dpaBulgarien
Jede Universität - hier die von Sofia - kann ihre eigenen Gebühren festsetzen, das Maximum ist allerdings von der Regierung vorgegeben. Zwischen 57 und 665 Euro müssen für ein Grundstudium in Bulgarien bezahlt werden; bis zu 716 Euro können es im Master werden. Die niedrigsten Studiengebühren gibt es in den Fächern Pädagogik, Wirtschaft, Verwaltung und Management. Befreit von Studiengebühren werden unter anderem Waisen, Menschen mit Behinderungen, und Kriegsinvalide. Zuschüsse und Stipendien erhalten nur Vollzeitstudenten. Sie betragen zwischen 26 und 62 Euro.
Bild: dapdDeutschland
Nur in Niedersachsen und in Bayern - wie hier im Audimax an der Ludwig-Maximilians-Universität in München - müssen Studiengebühren in Deutschland gezahlt werden. Alle anderen Bundesländer erheben keine Studiengebühren mehr. Hamburg hat die Studiengebühren zum kommenden Wintersemester abgeschafft. Studenten zahlen nur Verwaltungskosten zwischen 200 und 1000 Euro - egal ob für den Bachelor oder Master. Rund ein Viertel der Studierenden nimmt finanzielle Unterstützung in Anspruch: Das sind zwischen 120 und 9000 Euro im Jahr.
Bild: dapdPolen
Nur 41 Euro kostet ein Studium in Polen. Dabei handelt es sich überwiegend um Verwaltungskosten für Studentenausweis und Diplome. Sie werden teilweise vom Bildungsministerium festgelegt, das das Maximum der Kosten bestimmt, während die Rektoren der Universität die aktuellen Gebühren festlegen. 70 Prozent der Studierenden zahlen ausschließlich die Verwaltungskosten. Teilzeit-Studierende müssen höhere Gebühren zahlen. Austauschstudierende aus anderen EU-Staaten zahlen die gleichen Gebühren wie die polnischen.
Bild: REUTERSÖsterreich, Dänemark, Malta, Finnland, Griechenland, Norwegen, Schottland, Schweden, Zypern
An der Universität Wien (Österreich) haben dieses Jahr knapp 5500 Studienbewerber an einem sieben-stündigen Test teilgenommen, um einen der begehrten Studienplätze für Medizin oder Zahnmedizin zu erhalten. Österreich ist eines von neun Ländern in denen Studierende fast keine Gebühren zahlen müssen. Mindestens das Bachelor-Studium ist kostengünstig. Dazu zählen auch Dänemark, Finnland, Griechenland, Malta, Norwegen, Schottland, Schweden und Zypern. Allerdings haben mittlerweile viele Staaten, wie Dänemark, Finnland und Schweden Gebühren für ausländische Studierende eingeführt. Besonders trifft es Studienbewerber aus dem außereuropäischen Ausland - außer in Island und in Norwegen zahlen sie mittlerweile in allen EU-Staaten Gebühren.
England
Englische Universitäten sind am teuersten. Bis zu 11.500 Euro müssen Studierende pro Studienjahr zahlen. Bislang mussten Studierende in England, Wales und Nordirland für einen grundständigen Bachelor-Studiengang jährlich maximal 4200 Euro bezahlen. Ab 2012 können zwischen etwa 7.500 und 11.200 Euro verlangt werden. Ein nationales Stipendienprogramm soll vor allem Studierende mit wenig Einkommen unterstützen. Grundsätzlich erhalten Studierende in England - wie in Deutschland - ein Darlehen, das es ihnen ermöglicht die Gebühren zu zahlen. Zurückzahlen müssen sie sie erst, wenn sie eine relativ gut bezahlte Stelle gefunden haben.
2013 droht dem hochschulpolitischen Experiment trotzdem schon wieder der Abbruch. Von einst sieben Bezahl-Ländern sind noch zwei übrig geblieben: Niedersachsen und Bayern. Die zukünftig amtierende rot-grüne Regierung in Hannover hat das Ende der Beiträge angekündigt; in Bayern wird ein Volksentscheid die unpopuläre Campus-Maut aller Voraussicht nach kippen (die CSU will sie mittlerweile auch loswerden).
Ein ideologisch aufgeladener Konflikt wird damit beendet, vorerst zumindest, denn entschieden ist er nicht wirklich. Die inhaltliche Bilanz der Studiengebühren fällt besser aus, als es der politische Rückzug vermuten ließe.
Attraktivität des Studiums
Noch nie waren die Hörsäle und Bibliotheken in Deutschland so voll wie heute. Rund 2,5 Millionen Menschen studieren derzeit an Universitäten und Fachhochschulen. Natürlich: Einige Sondereffekte tragen dazu bei. Viele Ausländer drängen nach Deutschland, nicht zuletzt dank der stabilen Wirtschaftslage und der guten Jobaussichten. Und die verkürzten Schuljahrgänge spülen zudem doppelte Abi-Jahrgänge in die Hochschulen.
Doch auch abgesehen davon ist die Nachfrage nach akademischer Bildung so hoch wie noch nie: Fast 54 Prozent eines Jahrgangs beginnen mittlerweile ein Studium, 2002 waren es noch 37 Prozent. Es gibt keinen belastbaren Beleg, dass Studiengebühren auf die Studierneigung einen dämpfenden Effekt gehabt hätten. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin hatte die Frage zuletzt 2011 untersucht. Fluchtbewegungen von Bezahl- in Gratisländer gab es ebenfalls kaum oder gar nicht, analysierte der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.
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