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Studiengebühren: Was bringt die Campus-Maut?

von Max Haerder

Noch nehmen zwei Bundesländer Geld fürs Studium. Doch schon bald dürfte es damit vorbei sein: In Niedersachsen will die neu gewählte Landesregierung die Gebühren abschaffen, in Bayern kommt ein Volksentscheid. Dabei gibt es gute Argumente für die Gebühren. Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme.

Die neugewählte Landesregierung in Niedersachsen will die Studiengebühren abschaffen und auch in Bayern könnte es durch den Volksentscheid bald damit vorbei sein. Quelle: dpa
Die neugewählte Landesregierung in Niedersachsen will die Studiengebühren abschaffen und auch in Bayern könnte es durch den Volksentscheid bald damit vorbei sein. Quelle: dpa

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Von einer Ära der Studiengebühren zu sprechen, die nun bald zu Ende gehen könnte, wäre vermessen. Anfang 2005 kippte das Bundesverfassungsgericht das Verbot allgemeiner Studienbeiträge. Was in den Jahren danach folgte, war der vorsichtige Versuch einiger weniger  Bundesländer, für das Studium Geld zu verlangen. Die Summe von 500 Euro pro Semester übertrafen die Gebühren nirgendwo. Gerechnet auf einen dreijährigen Bachelorstudiengang bedeutete dies also eine Belastung von 3.000 Euro. Auch mit einem angeschlossenen Master-Studiengang oder nur mit etwas Bummelei dürfte ein Uni-Abschluss in Deutschland nicht mit mehr als 5.000 Euro zu Buche geschlagen haben.

England

Englische Universitäten sind am teuersten. Bis zu 11.500 Euro müssen Studierende pro Studienjahr zahlen. Bislang mussten Studierende in England, Wales und Nordirland für einen grundständigen Bachelor-Studiengang jährlich maximal 4200 Euro bezahlen. Ab 2012 können zwischen etwa 7.500 und 11.200 Euro verlangt werden. Ein nationales Stipendienprogramm soll vor allem Studierende mit wenig Einkommen unterstützen. Grundsätzlich erhalten Studierende in England - wie in Deutschland - ein Darlehen, das es ihnen ermöglicht die Gebühren zu zahlen. Zurückzahlen müssen sie sie erst, wenn sie eine relativ gut bezahlte Stelle gefunden haben.

Bild: REUTERS

2013 droht dem hochschulpolitischen Experiment trotzdem schon wieder der Abbruch. Von einst sieben Bezahl-Ländern sind noch zwei übrig geblieben: Niedersachsen und Bayern. Die zukünftig amtierende rot-grüne Regierung in Hannover hat das Ende der Beiträge angekündigt; in Bayern wird ein Volksentscheid die unpopuläre Campus-Maut aller Voraussicht nach kippen (die CSU will sie mittlerweile auch loswerden).

Ein ideologisch aufgeladener Konflikt wird damit beendet, vorerst zumindest, denn entschieden ist er nicht wirklich. Die inhaltliche Bilanz der Studiengebühren fällt besser aus, als es der politische Rückzug vermuten ließe.

Attraktivität des Studiums

Noch nie waren die Hörsäle und Bibliotheken in Deutschland so voll wie heute. Rund 2,5 Millionen Menschen studieren derzeit an Universitäten und Fachhochschulen. Natürlich: Einige Sondereffekte tragen dazu bei. Viele Ausländer drängen nach Deutschland, nicht zuletzt dank der stabilen Wirtschaftslage und der guten Jobaussichten. Und die verkürzten Schuljahrgänge spülen zudem doppelte Abi-Jahrgänge in die Hochschulen.

Doch auch abgesehen davon ist die Nachfrage nach akademischer Bildung so hoch wie noch nie: Fast 54 Prozent eines Jahrgangs beginnen mittlerweile ein Studium, 2002 waren es noch 37 Prozent. Es gibt keinen belastbaren Beleg, dass Studiengebühren auf die Studierneigung einen dämpfenden Effekt gehabt hätten. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin hatte die Frage zuletzt 2011 untersucht. Fluchtbewegungen von Bezahl- in Gratisländer gab es ebenfalls kaum oder gar nicht, analysierte der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.

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