Subventionen: Deutschland päppelt die Filmbranche auf

Subventionen: Deutschland päppelt die Filmbranche auf

von Hermann J. Olbermann

Die Bundesländer verheddern sich im Förderdschungel. Mit millionenschweren Beihilfen päppeln sie die Filmbranche auf – auch die amerikanische.

Meist tauchen sie erst zum Schluss auf, im Abspann eines Kinofilms. Dabei spielen sie längst eine Hauptrolle. Ohne sie entstünde kaum ein deutscher Kinostreifen – die Filmfördergesellschaften. Fast jedes Bundesland betreibt eine, die Bundesregierung unterhält den Deutschen Filmförderfonds (DFFF), einen weiteren Subventionstopf finanzieren Kinobesitzer und Videoanbieter.

Allein aus Deutschland kann die Filmbrache jährlich rund 370 Millionen Euro an Fördermitteln abgreifen. Auch die EU bietet Beihilfen an. Mehr als zehn Institutionen verteilen das Geld und wetteifern darum, wer welchen Streifen mitfinanzieren darf. Daran haben sich die Filmschaffenden längst gewöhnt. Doch im Streit um die Subventionierung von Theatern, Opernhäusern und Museen geraten jetzt auch sie ins Visier.

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"Ohne öffentliche Förderung kämen die meisten deutschen Spielfilme nicht zustande", behauptet Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Doch subventioniert werden nicht nur Werke, die künstlerisch bedeutend sind, aber nur wenige Zuschauern anziehen und in Arthouse-Kinos laufen. Beihilfen erhalten auch kommerziell erfolgreiche Filmemacher, die ein Massenpublikum anziehen.

Selbst amerikanische Produzenten lassen sich mit deutschen Steuergeldern alimentieren – so sie den Subventionsdschungel durchdringen. Eine zentrale Anlaufstelle fehlt, jede der mehr als zehn Fördergesellschaften arbeitet nach eigenen Kriterien und entscheidet eigenständig, stets darauf bedacht, möglichst viele Filmproduktionen ins eigene Bundesland zu holen. Eine Koordination, gar Absprache fehlt.

Deutsche gehen kaum ins Kino

Immerhin trifft man sich zum Feiern. An diesem Freitag bejubeln sich Geber und Nehmer im Berliner Friedrichstadt-Palast, wo Staatsminister Neumann den Deutschen Filmpreis verleiht – und insgesamt 2,9 Millionen Euro an Preisgeldern verteilt, finanziert von deutschen Steuerzahlern. Auch eine Subvention.

Zugestanden, ohne staatliche Beihilfen blieben viele Filmemacher auf ihren Kosten sitzen. Denn im Schnitt verschlingt die Produktion eines deutschen Films 3,5 Millionen Euro. Allein um die Kosten einzuspielen, muss er in den Filmtheatern rund 1,3 Millionen Zuschauer erreichen. Im vergangenen Jahr zogen nur acht deutsche Filme mehr als eine Million Besucher an. Und 2011 war kein schlechtes Jahr.

Doch die Deutschen sind kein Kinovolk. Jeder Bundesbürger löst durchschnittlich nur 1,6 Tickets jährlich und liegt damit unter dem EU-Schnitt.

Auch auf einen Exportboom können deutsche Produzenten nicht hoffen. „Im gesamten englischsprachigen Raum, der einen Großteil der Erlöse darstellt, sehen sich die Leute nur englischsprachige Originalversionen an“, sagt Max Wiedemann, Produzent des Oscar-gekrönten Werks „Das Leben der Anderen“.

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