Symbol der Energiewende: Sonnenuntergang bei Solarworld ist auch Bilanz der Energiewende

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KommentarSymbol der Energiewende: Sonnenuntergang bei Solarworld ist auch Bilanz der Energiewende

, aktualisiert 08. August 2013, 07:06 Uhr
von Henning Krumrey

Bei der Hauptversammlung, zu der die Aktionäre der Solarworld AG am Mittwoch zusammenkamen, ging es nicht nur um die Rettung des angeschlagenen Unternehmens.

Der Niedergang der Firma von Frank Asbeck ist gleichzeitig Symbol der Energiewende. Denn die Abrechnung in Bonn ist auch der Bilanzzettel der Politik in Berlin. Der Systemfehler beim Umstieg auf erneuerbare Energien lag schon in der Ausgestaltung der Förderung. Klar, wer die Erneuerbaren auf Trab bringen wollte, musste dafür sorgen, dass Investoren überhaupt Geld in die – erst  recht in den Anfangsjahren – unrentablen Techniken steckten.

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Aktionäre nehmen Sanierungsplan an Solarworld gerettet - vorerst

Die Aktionäre haben dem Rettungskonzept von Solarworld zugestimmt. Damit entgehen die Bonner der Insolvenz - und sind trotzdem nicht gerettet. Denn der Sanierungsplan lässt viele Fragen offen.

Frank Asbeck Quelle: Laif

Subventionen mussten her, um den Kostennachteil gegenüber herkömmlicher Stromerzeugung auszugleichen. Ist nicht gerade die reine Marktwirtschaft, aber kann man machen zur Anschubfinanzierung. Aber statt nur die Nachteile auszugleichen, legten die rot-grünen Förderer mächtig was drauf, damit Häuslebauer und Geldgeber auch sicher drauf anspringen. Und die stärkste Überförderung spendierten sie für die Solarenergie. In der Spitze wurden rund 60 Cent pro Kilowattstunde gezahlt, wenn die Betreiber der Anlage den Sonnenstrom ins öffentliche Stromnetz einspeisten.

Die Folge war der Solarboom, der Unternehmern wie Modul-Mogul Frank Asbeck Millionengewinne bescherte. Der Bonner und frühe Grünen-Parteigänger entwickelte immer neue Vertriebserfolge und einen Hang zum Lebemann. Die Firma wuchs, die Produktionskapazitäten ebenfalls – alles subventionsgetrieben. So gut lief das Geschäft, dass die aufkommende Billigkonkurrenz aus China anfangs gar nicht groß störten. Subventionen machen träge.  Denn noch schneller als die Importe wuchs anfangs noch der deutsche Markt. Zwar verfielen die Preise, aber auch Asbeck konnte dank Massenproduktion Preiszugeständnisse machen. Allerdings nicht ewig.

Solarworld-Chef Asbeck Der Fall des Sonnenkönigs

Während Anleger und Beschäftigte bluten, sonnt sich Solarworld-Gründer Frank Asbeck in den Millionen, die er mit dem Solarkonzern dank der Ökostromumlage jahrelang scheffelte.

Quelle: dpa/Montage

Der nächste Fehler in der Subventionspolitik half ungemein. Denn die Politik kam gar nicht hinterher, die Fördersätze an den Preisverfall anzupassen. Die Marge für die Sonnenanbauer blieb höchst attraktiv. Im Gegenzug allerdings schossen auch die Kosten immer weiter in die Höhe. Denn die zugesagten Einspeisevergütungen gelten für 20 Jahre – ein garantierter dauerhafter Zufluss, fast wie im Schlaraffenland. Also gingen die Verkäufe ebenso flott weiter. Auf rund 120 Milliarden Euro summieren sich inzwischen die auf Dauer versprochenen Solarschulden. Und jedes Jahr kommen weitere Milliarden hinzu. Die EEG-Umlage steigt und steigt. Auch in diesem Herbst wird sie klettern, vermutlich von heute 5,28 auf über sechs Cent.

Der Niedergang von Solarworld und all den anderen deutschen Anbietern zeigt auch, dass es eine grüne Illusion war zu glauben, es ließen sich dauerhafte Öko-Arbeitsplätze mit der Energiewende schaffen. Denn die Jobs, die für ein paar Jahre in der Tat den Arbeitnehmern gutes Geld und den Wendefans hübsche statistische Erfolge brachten, sind nun im Solargeschäft massenhaft weggefallen. Sie waren eben nicht aus eigener Wertschöpfung wettbewerbs-, sondern nur durch staatlichen Geldsegen lebensfähig. Inzwischen findet der Arbeitsplatzaufbau in China statt, freilich wieder mit dem Geld deutscher Stromkunden.

Solarworlds Kapital- und Schuldenschnitt

  • Worauf sich die Gläubiger einlassen

    Die Gläubiger der beiden Anleihen erhalten nur 45 Prozent ihres Geldes in Form neuer Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit. Außerdem gibt es eine Barauszahlung. Für die restlichen 55 Prozent des ehemaligen Anleihewerts gibt es Aktien von Solarworld. Die Gläubiger werden also zu Miteigentümern und halten insgesamt 95 Prozent der Aktien. Knapp die Hälfte kann an zwei neue Investoren verkauft werden. Das arabische Emirat Katar will mit 35 Millionen Euro einsteigen, Gründer Asbeck mit zehn.

  • Schlechtes Geschäft

    Aktuell hat Solarworld 111,72 Millionen alte Aktien. Das Kapital soll im Verhältnis 1 zu 150 herabgesetzt werden: Aus 111,72 Millionen alten werden 744 800 neue Aktien. Wenn die Anleger richtig liegen, müsste eine neue Aktie, die es für 150 alte gibt, demnächst über 60 Euro kosten (0,40 Euro mal 150).
    - Nach der Herabsetzung werden 14,15 Millionen Aktien neu ausgegeben. Zusammen mit den 744 800 Aktien hat Solarworld dann 14,895 Millionen neue Aktien.
    - Gründer Frank Asbeck zahlt 9,75 Millionen Euro ein und bekommt 19,5 Prozent der neuen Aktien. Qatar Solar zahlt 36,25 Millionen Euro für 29 Prozent. 51,5 Prozent gehen an die Gläubiger, die auf 500 Millionen verzichten.

    Daraus folgt: Asbeck bekommt 2,9 Millionen Aktien für 3,36 Euro das Stück. Qatar Solar bekommt 4,3 Millionen Aktien für 8,39 Euro je Stück. Anleger zahlen an der Börse umgerechnet aber 60 Euro je Aktie.

  • Woher kommen die Unterschiede?

    An Asbecks Vorzugspreis gemessen, müsste die alte Aktie nicht 40 Cent, sondern 2,2 Cent kosten. Gemessen am Preis für Qatar, wären es 5,6 Cent. Gründer Asbeck soll offenbar unbedingt gehalten werden (warum eigentlich?). Qatar bringt angeblich weitere Leistungen ein. Damit könnte ein gewisser Rabatt gerechtfertigt werden. Gemessen am Wert des Eigenkapitals und am Buchwert je Aktie, könnte man mit viel gutem Willen auf acht Cent je alte Aktie kommen. Aber warum zahlen Anleger 40 Cent?

    Vielversprechender wäre es, auf fallende Kurse zu wetten. Doch die wenigen Put-Optionsscheine sind astronomisch teuer. Und Aktien, die man leer verkaufen könnte, um sie billiger zurückzukaufen, leiht einem auch keiner mehr.

Nach den Steuerzahlern, die Ansiedlungen von Solarfirmen – beispielsweise in den neuen Ländern – mit Fördergeldern stützten und jetzt die Abschreibungen von Solarworld ausgleichen müssen, und den Stromkunden, die über die EEG-Umlage das Geschäft der Modulhersteller wie des montierenden Handwerks befeuerten, muss nun bei Solarworld die dritte Gruppe blechen: die Anleihegläubiger und Aktienkäufer. Die Geldgeber haben bereits auf 55 Prozent ihrer Forderungen verzichtet. In der Hauptversammlung mussten dann auch die Miteigentümer ran. Sie haben schon durch den Kurssturz der Solarworld-Aktie massiv verloren: Die Notierung sank von 36 Euro vor fünf Jahren auf nun gut 50 Cent.

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Für die Sanierung müssen sie nun einen drastischen Kapitalschnitt von unterm Strich 95 Prozent schlucken. Statt 150 Aktien werden sie zunächst nur noch eine Aktie im Depot haben. Bei der zugleich geplanten Kapitalheraufsetzung mit neuen Aktien sind sie außen vor. Nach Ansicht von Aktionärsschützern war die Entscheidung der Aktionäre alternativlos, da den Anteilseignern im Falle einer Insolvenz ein Totalverlust gedroht hätte. Asbeck zeigte sich nach der Zustimmung erleichtert. „Damit kann der Rettungsplan jetzt fortgeführt werden.“ Asbeck bleibt für fünf weitere Jahre an der Spitze des Unternehmens. Der Vertrag des 53-Jährigen wurde nach Firmenangaben bis zum 9. Januar 2019 verlängert.

Mit Material von dpa

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