Syrische Flüchtlinge: Erfolgreiches „Behördenjogging“ mit Asylsuchenden

Syrische Flüchtlinge: Erfolgreiches „Behördenjogging“ mit Asylsuchenden

, aktualisiert 15. August 2016, 21:48 Uhr
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Deutsche Helfer unterstützen Flüchtlinge bei ihren Behördengängen und dem Ausfüllen der vielen Formulare.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine syrische Flüchtlingsfamilie lebt seit vier Jahren in einem Dorf in Bayern. Die Migranten sind zufrieden, die Integration gelang bisher gut – dank der vielen Helfer. Deren Engagement hat freilich auch Nachteile.

MangoldingWalid Al Ali ist glücklich mit dem Dorfleben in der Oberpfalz. Nach einer dramatischen und lebensgefährlichen Flucht aus Damaskus mit seiner Frau und vier Kindern fühlt er sich „richtig angekommen“ in Deutschland. „Wir lernen alle Deutsch und die Kinder gehen in die Schule oder in den Kindergarten. Sie werden eine gute Ausbildung bekommen“, freut sich der 38-Jährige. Seit Dezember wohnt die Familie in Mangolding in der Nähe von Regensburg in Bayern. In die Dorfgemeinschaft mit gut 340 Menschen ist er integriert, vor allem dank der Helfer, die die Familie unterstützen.

In dem Dorf hatte sich nach der Ankunft der Al Alis schnell ein Helferkreis mit formiert. Der Pfarrer besorgte einen Internetanschluss und drei Frauen helfen der Familie bei Behördengängen, der Suche nach einem Kindergarten oder holen sie mit dem Auto ab, um sie zum Arzt oder zum Sport zu fahren.

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„Ich bin seit 17 Jahren bei Amnesty International aktiv. Mir sind Menschenrechte extrem wichtig und hier kann ich den Menschen direkt helfen“, sagt Brigitte Karczmarek. Stundenlang brütet sie mit Walid über Schreiben der Ämter, Krankenkassen und Jobcenter. Anfangs waren die Helfer täglich unterwegs. „Behördenjogging“ nennen sie es scherzhaft.

„Ohne uns würden Flüchtlinge und auch die Behörden untergehen“, sagt Matthias Großkopf. In seinem Ort werden drei weitere syrische Familien betreut. Die Helfer sind überzeugt, dass durch ihren Einsatz auch die Papiere der Flüchtlinge weniger Lücken aufweisen. Walid und seine Familie haben es dank der Helfer schnell geschafft alle Papiere zusammenzubekommen. Stolz zeigt Walid seinen Ausweis: Er ist anerkannter Asylbewerber mit einem Aufenthaltstitel für drei Jahre.


„Unwissenheit, Angst und Unsicherheit“

Die Bürgermeisterin, Angelika Ritt-Frank (SPD), hält die dezentrale Unterbringung von Migranten für sinnvoll. „Mit einer überschaubaren Anzahl von Flüchtlingen kommt die Bevölkerung besser zurecht und kann konkreter helfen“, sagt sie.

Die Unterstützung hat aber auch eine Kehrseite. Manche Helfer fühlen sich im Bekanntenkreis und auf der Arbeit wegen ihres Einsatzes für die Flüchtlinge gemieden. „Es herrscht viel Unwissenheit, Angst und Unsicherheit. Manche sind nicht bereit ihre Position zu hinterfragen“, erläutert Pia Pollicini, die den Flüchtlingen in ihrer Gemeinde hilft. „Wie würden wir uns fühlen, wenn wir in Todesangst geflüchtet sind und in ein Land kommen, dessen Sprache und Kultur wir nicht kennen?“, fragt sie die Kritiker.

Die mutmaßlichen islamistischen Terroranschläge in Würzburg und Ansbach, begangen von Flüchtlingen, hat die Lage der Migranten noch verschärft. „Viele von uns haben Angst, weil manche Deutsche glauben, dass wir Terroristen sein könnten. Dabei sind wir vor dem Terror geflohen und haben genug Blut gesehen“, sagt Walid. Der Familienvater wünscht sich Frieden, Arbeit und eine gute Ausbildung für die Kinder.

Drei Kinder der Al Alis gehen bereits zur Schule. Und auch der 38-jährige Walid drückt die Schulbank – bis zum kommenden Februar geht er noch fünf Mal die Woche zum verpflichtenden Integrationskurs. „Papa spricht am besten Deutsch, weil er auch alle Leute einfach anspricht. Dann komme ich“, sagt der 15-Jährige Mazen. Er spielt im Verein Fußball und fährt mit dem Rad zum Training. Auf dem Platz ist die Kommunikation überhaupt kein Problem, sagt er.

Walid möchte im Raum Regensburg bleiben und sucht eine Wohnung. Der 38-Jährige ist ungeduldig, er will so schnell wie möglich arbeiten und seinen Führerschein machen – seine syrische Fahrerlaubnis wird aber nicht anerkannt. In Damaskus hatte Walid ein Textilgeschäft. Er will sich selbstständig machen, am besten in Regensburg. „Dort ist eine große Geschäftskraft, viele Touristen“, sagt er. Da er aber kein Startkapital hat, muss er sich zunächst einmal einen Geschäftspartner suchen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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