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Taj Hotels: Verzauberte Gäste

von matthias.kamp@wiwo.de

Der Gründer der Industriellendynastie Tata legte vor rund 100 Jahren auch den Grundstein für eine der feinsten Hotelketten der Welt – die Taj Hotels.

Der Platz vor dem Taj Mahal Hotel in Mumbai atmet Geschichte. Dort, direkt an der Hafenmauer, steht das Gateway of India, ein majestätischer Torbogen aus braunem Basaltstein. Hier landeten die Briten mit ihren Schiffen Mitte des 17. Jahrhunderts, als sie in der Stadt, die damals noch Bombay hieß, einen Handelsposten aufbauten. Und durch das 1924, anlässlich eines Besuchs von König George V. errichtete Wahrzeichen britischer Kolonialherrschaft verließen die letzten Vertreter des niedergehenden Empire 1947 das Land. Lord Mountbatten, der letzte britische Gouverneur, beschwor zum Abschied die Verbundenheit beider Länder. Ausgerechnet an diesem historischen Ort realisierte der indische Industrielle Jamsetji Tata im Jahr 1900 seine Idee, ein Hotel zu bauen, das es bis dahin „zwischen Suez und Japan noch nicht gegeben“ hatte. Das Haus sollte der Stolz Indiens werden, Ausdruck eines souveränen und modernen Indien, weltoffener und luxuriöser als alle anderen Hotels des Landes. Auslöser für das Vorhaben war eine unerfreuliche Begegnung mit der britischen Kolonialmacht. Als Tata, der 1887 das Unternehmen Tata & Sons gegründet hatte, mit einem europäischen Freund zum Dinner in eines der wenigen gehobenen Hotels Bombays gehen wollte, wurde er schroff abgewiesen. „Zutritt nur für Europäer“, verweigerte ihm der Türsteher den Zutritt. Tata, der es zu diesem Zeitpunkt mit der Baumwollproduktion schon zu einem gewissen Reichtum gebracht hatte, war überaus verletzt und griff tief in die Firmenschatulle. Eine Viertelmillion Pfund stellte er für den neuen Prachtbau in der Bucht von Bombay bereit. Jedes Detail plante Tata selbst. Auf der Suche nach der besten Einrichtung und modernsten Technik reiste er quer durch Europa und die USA. So finden sich in der Fassade florentinische und orientalische Baustile wieder. Fasziniert vom Eiffelturm in Paris ließ er die Decke des großen Ballsaals von Eisenträgern abstützen. Die Aufzüge besorgte sich Tata bei Thyssen in Düsseldorf, die riesigen Deckenventilatoren aus den USA. In Europa bestellte er eine komplette Wäscherei, einen Stromgenerator und Eismaschinen. Während seiner Reisen im Ausland instruierte er seinen Sohn Dorab schriftlich bis in die kleinsten Details, dass das Hotel ein türkisches Bad, ein Postamt, eine Apotheke und eine kleine Arztpraxis bekommt – im Indien der Jahrhundertwende absolute Neuheiten. Zur Eröffnung des Taj Mahal Hotels 1903 kamen zahlreiche gekrönte Häupter und Prominente. Draußen in den Gassen und Sträßchen des Stadtviertels drängte sich das einfache Volk, um einen Blick auf das erste öffentliche Gebäude in Bombay mit elektrischem Licht zu erhaschen. Technologisch setzte Tata Maßstäbe: Die außergewöhnlich weiten Flure aus Marmor waren so angelegt, dass sie die Luft ständig zirkulieren ließen, damit die Gäste bei dem feucht-heißen Klima nicht zu sehr ins Schwitzen gerieten. Bis heute ist das Taj Mahal Treffpunkt der Reichen und Schönen Indiens geblieben. An den Wochenenden feiern Mumbais Stars und Sternchen der Filmindustrie und die vermögenden Jungunternehmer der IT-Branche bis in die frühen Morgenstunden im Nachtclub der Luxusherberge. Prinz Charles, Steven Spielberg und Mick Jagger zählten zu den Gästen. Gregory Peck nannte das Hotel, das inzwischen auch eine ansehnliche Kunstsammlung zusammengetragen hat, eine „juwelenbesetzte Krone“.

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