Talkshows: Fernseh-Scheue Unternehmer

Talkshows: Fernseh-Scheue Unternehmer

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ARCHIV - Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Rene Obermann (r), aufgenommen beim ZDF-Polit-Talk "Maybrit Illner" in Berlin zusammen mit der Moderatorin der Sendung, Maybrit Illner (

Wirtschaftsthemen sind in Talkshows gefragt, doch Manager und Unternehmer halten sich bei TV-Auftritten zurück.

Mit Fernsehauftritten von Unternehmensführern ist es wie mit der Angst des Torwarts vorm Elfmeter. Da sitzen sie bei Maybrit Illner, Anne Will oder Sandra Maischberger Populisten wie Oskar Lafontaine oder einem Hartz-IV-Empfänger gegenüber und fürchten rhetorisch wehrlos zu sein. Daher gibt es nur eine Handvoll großer Mittelständler und Dax-Vorstände, die auch dann ins Fernsehen gehen, wenn es unbequem wird, um für ihre Position zu werben.

Sabine Christiansen warf man einst vor, sie präge ihre Sendung mit neoliberalen Diskussionsrunden. Die Organisation LobbyControl sorgte noch vor anderthalb Jahren für Aufsehen, als sie die Studie „Schaubühne für die Einflussreichen und Meinungsmacher – der neoliberal geprägte Reformdiskurs bei Sabine Christiansen“ vorstellte. Ergebnis: Soziale Fragen würden „tendenziell einseitig behandelt“, Arbeitgeberpositionen bevorzugt. Von Januar 2005 bis Juni 2006 seien Unternehmen und Wirtschaftsverbände in der Sendereihe auf 50 Auftritte gekommen, Gewerkschaftsvertreter dagegen nur auf 16.

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Von dieser Verbands- und Managerdichte sind heutige Talksendungen weit entfernt. Im Christiansen-Nachfolge-Format „Anne Will“ zählte der Zuschauer seit Sendestart im vergangenen September gerade drei Top-Manager: Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn), René Obermann (Telekom) und Wulf Bernotat (E.On).

Viele Fernseh-Redaktionen klagen darüber, wie schwer es derzeit sei, Wirtschaftsvertreter zur Teilnahme an einer Talkrunde zu bewegen. Die meisten Vorstände hätten Sorge, ihr Unternehmen oder auch sich selbst mit einem missglückten Auftritt zu beschädigen.

Für den ehemaligen „Bild“-Chefredakteur und heutigen Medienberater der Agentur WMP-Eurocom, Hans-Hermann Tiedje, ist zwar die Kritik am Format der Talkshows „teilweise begründet“. Manchmal sei es aber „auch die Scheu, Rede und Antwort zu stehen“. Es gebe aber, so Tiedje, „eine Verpflichtung – gerade wenn ein Unternehmen allein durch seine Größe ein gesellschaftspolitischer Faktor ist –, dass ein Vertreter aus der Unternehmensspitze bei kritischen Fragen in die Öffentlichkeit muss“. Heute wachse die „Notwendigkeit, Botschaften nicht nur per Pressemitteilung, sondern auch persönlich zu vermitteln“.

Ähnlich argumentiert Wolfgang Klein, Redaktionsleiter der ZDF-Talkshow Maybrit Illner: „Ich muss von einem Vorstandsvorsitzenden, der ansonsten Zehntausende Mitarbeiter führt, erwarten können, dass er für seine Positionen wirbt und auch wirtschafts- und gesellschaftspolitisch Farbe bekennt.“ Eine der Ursachen für die öffentliche Zurückhaltung vermutet Klein darin, „dass sich viele Manager mehr oder weniger doch immer unter ihresgleichen bewegen“ und „eher seltener“ auf Menschen träfen, „die gänzlich anders ticken“. Allerdings beobachtet Klein seit einiger Zeit doch eine wachsende Bereitschaft einzelner Manager und Unternehmer, für ihre Position öffentlich zu werben. Dies hänge „auch damit zusammen, dass sich die Verbände bei aktuellen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Fragestellungen zurückgehalten haben, um Streit mit der großen Koalition zu vermeiden“.

Kommunikations-Stratege Tiedje jedenfalls hält die Angst vor Talkshows auch professionell für unbegründet. Gerade bei CEOs großer Dax-Unternehmen könne man durchaus auch die Rahmenbedingungen einer Sendung absprechen – „bis hin zum Einzelauftritt“.

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