Tarifabschlüsse: Thüringens Wirtschaftsminister fordert kräftige Lohnerhöhungen

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Thüringens Wirtschaftsminister fordert kräftige Lohnerhöhungen für Ostdeutschland

von Henning Krumrey und Cornelia Schmergal

Mit höheren Löhnen will Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) die Abwanderung von Fachkräften stoppen und neue qualifizierte Arbeiter in den Osten holen.

Allein in Thüringen „fehlen 100.000 Facharbeiter, die wir zusätzlich gewinnen müssen. Mit Niedriglöhnen klappt das nicht“, sagte Machnig in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. „Thüringen ist über Jahre als Niedriglohnstandort positioniert, ja verramscht worden. 34 Prozent der Beschäftigten verdienen derzeit weniger als 8,50 Euro.“ Im Bundesschnitt seien es nur 16 Prozent. „Wir können den Lohn nicht auf einen Schlag auf Münchner Niveau heben, aber es muss erkennbar werden: Es gibt bei den Löhnen eine Trendwende“, so Machnig.

Auch für Deutschland insgesamt spricht sich der Wirtschaftsminister für höhere Tarifabschlüsse aus. „Die Zeit für Lohnerhöhungen ist da. Wir hatten 15 Jahre Lohnzurückhaltung, in allen anderen Ländern sind die Löhne gestiegen. Viele Menschen haben beim Blick in die Lohntüte nicht den Eindruck, dass hier gerade ein XXL-Aufschwung läuft.“ Spielraum sei ausreichend vorhanden: „Die Unternehmen haben in den letzten Jahren gut verdient. Also muss man auch die Arbeitnehmer an diesem Erfolg und an den Gewinnen beteiligen.“ Vor zehn Jahren sei Lohnzurückhaltung notwendig gewesen, heute nicht mehr.

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Gerade der Fachkräftemangel sei nur mit höheren Löhnen zu bekämpfen. Rund 200.000 Fachkräfte braucht allein Thüringen laut Machnig bis zum Jahr 2020. Rund 150.000 müssten wegen des demografischen Wandels ersetzt werden, 50.000 bis 60.000 brauche das Land für das weitere Wirtschaftswachstum. Jedes Jahr kämen aber nur 11.000 Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt.

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Im Mai will Machnig zusammen mit Handelskammern, Handwerkskammern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften die Kampagne „Thüringen braucht dich“ starten: Wir machen zwei Angebote: Wir wollen Menschen unter 35 die Chance geben, noch mal eine richtige Ausbildung zu machen. Wer das nicht will, bekommt zumindest qualifizierte Weiterbildung angeboten. In den Arbeitsagenturen gibt es spezielle Hilfe, wir führen sie an Unternehmen heran.“ Insgesamt gehe es hier um 15.000 bis 20.000 Menschen. Zudem soll die Thüringer Agentur für Fachkräftesicherung abgewanderte Landsleute zurückholen.

Machnig: „Die haben einen engen Bezug zu ihrer Heimat. 120.000 Menschen pendeln täglich oder wöchentlich aus Thüringen raus, vor allem nach Bayern und Hessen. Es gibt das Interesse, zurückzukommen, aber nicht um jeden Preis. Auch deshalb muss sich das Lohnniveau ändern.“

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