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Tarifverhandlungen: Gefährliche Forderung der IG Metall

von Anne Kunz

Die IG Metall möchte 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Doch die Forderung ist nicht nur überzogen, sondern für den Standort Deutschland auch eine Gefahr. Zu kräftige Lohnerhöhungen könnten Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit kosten.

Ein Schmelzer arbeitet in Salzgitter in einem Stahlwerk beim Roheisenabstich am Hochofen Quelle: dapd
Die Arbeitnehmer in der Metallindustrie sind enttäuscht über die Zurückweisung ihrer Lohnforderung - aber Deutschlands Stärke darf jetzt nicht aufs Spiel gesetzt werden, findet Anne Kunz Quelle: dapd

Diese Geizhälse, möchte man denken: Die Arbeitgeber haben die Forderung der IG-Metall-Bezirke nach bis zu 6,5 Prozent mehr Geld für die Metall- und Elektroindustrie abgelehnt. Dabei ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr, und die Erwerbstätigkeit liegt mit mehr als 41 Millionen Beschäftigten auf Rekordniveau.

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In den vergangenen zwei Jahren haben deutsche Unternehmen mehr als eine Million neue sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen. Zwar haben sich seit dem Sommer 2011 die Aussichten für die Weltwirtschaft verschlechtert, die deutsche Wirtschaft wird wohl um höchstens ein Prozent wachsen, doch der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Auch in diesem Jahr wird die Arbeitslosenzahl unter drei Millionen bleiben.

Deutschland ist so robust, so scheint es, dass kräftige Reallohnzuwächse für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchaus gerechtfertigt sind. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, kontert indes: „Wir sehen in einer derartigen Größenordnung ein Stück Leichtfertigkeit“, und schulmeistert: „Übermut tut selten gut.“ Kannegiesser hat recht.

Bildergalerie: Tarifkalender 2012

In Folge der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 stürzte die exportabhängige Industrie in ein tiefes Loch, aus der sie sich aber 2010 auch wieder bemerkenswert schnell herausgearbeitet hat. Die dazugehörigen Tarifabschlüsse sahen so aus...

Quelle: dpa

Denn der Verteilungsspielraum aus Produktivitätswachstum und erwarteter Inflation liegt nur knapp unter drei Prozent. Eine Forderung von bis zu 6,5 Prozent ist zu hoch.

Denn wie konnte es überhaupt zum deutschen Jobwunder kommen? Ursache waren vor allem die Arbeitsmarktreformen der Jahre 2003 bis 2005 und die Tatsache, dass es während der letzten Krise kaum Entlassungen gab, sondern die Unternehmen auf Kurzarbeit und flexible Arbeitszeiten setzten. Zuletzt hat aber auch die Lohnzurückhaltung dabei geholfen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.02.2012, 13:24 UhrAnonymer Benutzer: engel

    Ich bin seit langer Zeit mal wieder auf der Seite der Wiwo und dies ist der erte Artikel, den ich gelesen habe. Es wird fuer lange Zeit mein letzer sein. Die Autorin hat nichts verstanden. Deutschlands niedrige Loehne sind ein ganz grosses Problem der aktuellen Krise. Mit Austeritaetsprogrammen in den Suedeuropaeischen Laendern allein ist die Krise nicht zu bewaeltigen. Vielleicht sollte die Autorin mal einen Einfuehrungskurs in Makrooekonomie besuchen, um zu verstehen, wie Wirtschaft funktioniert.

  • 07.02.2012, 15:35 UhrAnonymer Benutzer: mathias

    Frau Kunz, das die Industrie in den verg.2J mehr als 1Mio sozial-
    pflichtige Arbeitsplätze geschaffen haben, ist glatt eine LÜGE

    MINIJOBS kosten den Kommunen Mrd-en= die Industrie verdient g.Nase.

    Arbeitslosenzahlen sind durch Ausgliederung u.a. vorgetäuscht!

    Um es ganz grass zu sagen: Sklavenarbeit beschert der Industrie
    Handelsbilanzüberschüsse.
    BMW-Erben verdienen am Tag € 2Mio

  • 07.02.2012, 12:47 UhrAnonymer Benutzer: pigeon

    Die Argumentation zur Lohnzurückhaltung prägt unser Land seit vielen Jahren. Sie hat dazu geführt, dass Deutschland in 10 Jahren über 1,2 Billionen Euro Leistungsbilanzüberschüsse aufgebaut hat, d.h. Kapital exportiert hat. Diese Überschüsse sind jetzt Schulden u.a. der südeurop. Länder und wir wundern uns, warum sie ihre Schulden nicht bedienen können. Deutschland fordert jetzt von den "Schuldnerstaaten" Reformen und bessere Wettbewerbsfähigkeit. Die Politik und auch dieser Artikel ignoriert völlig das Problem der gewaltigen Überkapazitäten, die ohnehin schon bestehen. Gerade Deutschland muss die Nachfrageseite über Lohnerhöhungen stärken, will es dazu beitragen, dass die Ungleichgewichte der Leistungsbilanzen reduziert werden. Die jahrelange Lohnzurückhaltung war volkswirtschaftlich ein Fehler und keine Tugend. Ob 6,5% richtig ist sei dahingestellt, aber nur Inflationsausgleich ändert an der Fehlkonstruktion des deutschen Wirtschaftsmodells gar nichts.

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