Tarifverhandlungen: Verdi-Tarifkommission lehnt Schlichterspruch ab

Tarifverhandlungen: Verdi-Tarifkommission lehnt Schlichterspruch ab

, aktualisiert 11. August 2015, 16:28 Uhr

Keine Einigung im Kita-Tarifstreit: Die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi hat den Schlichterspruch abgelehnt. Wenn kein verbessertes Angebot erfolgt, wird es wohl neue Streiks geben.

Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft Verdi hat im Kita-Tarifstreit den Schlichterspruch abgelehnt und die Arbeitgeber zugleich zu einem verbesserten Angebot aufgefordert. „Andernfalls stehen die Zeichen auf Streik“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Dienstag in Frankfurt am Main. In der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag im hessischen Offenbach müsse es eine Verbesserung der Schlichtungsempfehlung geben. Nach Bsirskes Worten sollte es möglich sein, mit „etwas gutem Willen aufeinander zuzugehen“. Gelinge das nicht, werde es eine neue Urabstimmung über Streiks geben.

In einer Mitgliederbefragung hatten fast 70 Prozent der betroffenen Verdi-Mitglieder die Schlichtungsempfehlung von Ende Juni abgelehnt, die zwischen 2 und 4,5 Prozent mehr Geld für Erzieher und Sozialarbeiter vorsieht. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hat die Forderung nach Zugeständnissen zurückgewiesen.

Anzeige

Fragen und Antworten zum Kita-Streik

  • Worum geht es bei der Tarifauseinandersetzung?

    Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber verhandeln nicht über eine prozentuale Tariferhöhung. Es geht darum, wie die Arbeit von Erzieherinnen und Sozialarbeitern bewertet und bezahlt wird. Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Nach ihren Angaben hätte dies im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent zur Folge.

  • Für wen wird verhandelt?

    Die Verhandlungen laufen nur für die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher. Das ist laut Verdi etwa ein Drittel - zwei Drittel arbeiten für freie Träger wie Kirchen oder die Arbeiterwohlfahrt. Bei den freien Trägern orientieren sich die Arbeitgeber der Gewerkschaft zufolge am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, allerdings häufig mit Eingruppierungen unterhalb des Niveaus bei den Kommunen.

  • Wie begründen die Gewerkschaften ihre Forderung?

    Mit dem Ausbau der frühkindlichen Bildung seien die Anforderungen an die Erzieherinnen stark gestiegen, betont Verdi. Eine entsprechende Bezahlung sei aber ausgeblieben. Auch die Bertelsmann Stiftung streicht die gewachsenen Ansprüche an Erzieherinnen heraus. „Das Anforderungsprofil entspricht dem von Grundschullehrern“, sagt Anette Stein, die bei der Stiftung Direktorin des Programms Bildungsinvestitionen ist. Die Bezahlung bleibe aber „deutlich“ hinter der von Grundschullehrern zurück.

  • Wie werden Erzieherinnen bezahlt?

    Die Einstufung im Tarifsystem erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Eine Kinderpflegerin erhält als Anfangsgehalt 2043 Euro brutto im Monat, die Leiterin einer Kita kann, bei besonders großen Einrichtungen, bis zu 4749 Euro im Monat verdienen. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit bekommt nach Angaben von Verdi derzeit 2946 Euro im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3387 Euro erhalten.

  • Was sagen die Arbeitgeber?

    Die meisten Erzieherinnen seien bereits jetzt in die höchste Erfahrungsstufe eingruppiert und hätten damit ein Monatsgehalt von 3289 Euro. Die kommunalen Arbeitgeber vergleichen die Bezahlung der Erzieherinnen mit der von Handwerkern im öffentlichen Dienst oder Brandmeistern bei der Feuerwehr. Das Einkommen des Ausbildungsberufs Erzieherin liege oberhalb dieser Gruppen.

  • Und die Erzieherinnen?

    Viele Kita-Beschäftigte haben in einer aktuellen Befragung eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung beklagt. Das Vorurteil „wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur“ sei noch weit verbreitet. In einer beim Kitaleiter-Kongress am Mittwoch in Dortmund vorgestellten repräsentativen Umfrage gaben fast 88 Prozent der Befragten an, ihre Bezahlung entspreche nicht den gestiegenen Anforderungen an ihre Arbeit.

Am Montag hatte Bsirske gesagt, dass eine neue Streikwelle an den kommunalen Kitas wohl frühestens Anfang Oktober einsetzen würde. Der Arbeitskampf solle nicht nach Bundesländern gestückelt werden. Daher werde die Gewerkschaft abwarten, bis die Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg Mitte September zu Ende gingen. "Ich gehe davon aus, dass in der ersten Oktoberhälfte dann die Streiks erneut beginnen werden", wenn bis dahin keine Einigung mit den Arbeitgebern erreicht sei, sagte Bsirske.

weitere Artikel

Der Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Landkreistag, Hans-Günter Henneke, warnte am Dienstag vor neuen Kita-Streiks: „Ein erneuter Streik würde das Fass zum Überlaufen bringen, aus gewerkschaftspolitischen Motiven gesellschaftliche Realitäten verkennen und die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen überschätzen“, sagte Henneke der „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Hier wird eine Tarifauseinandersetzung auf dem Rücken von Kindern und Eltern ausgetragen, die bereits während des ersten Streiks über Gebühr strapaziert worden sind“, fügte Henneke hinzu. Niemand bestreite, dass die Erzieherinnen eine verantwortungsvolle Aufgabe „für uns alle erfüllen“, die auch angemessen honoriert werden müsse. „Dem wird aber durch den Vorschlag der Schlichter Rechnung getragen“, sagte Henneke.

Im Sozial- und Erziehungswesen der Kommunen sind rund 240.000 Menschen beschäftigt. Die Tarifpartner hatten sich nach einem mehrwöchigen Arbeitskampf Anfang Juni auf eine Schlichtung verständigt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%