Tauchsieder: ARD und ZDF hofieren die Linken

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Tauchsieder: Dieter Schnaas hält seinen Kopf in den Nachrichtenstrom – und blubbert mit

Kolumne

Wirtschaftswoche-Chefreporter Dieter Schnaas taucht den Kopf in den Nachrichtenstrom und blubbert mit. Heute: Die Polit-Talks hofieren die Linkspartei und nähren Ressentiments. Eine Anklage.

Hatte so ein Gefühl. Also hab’ ich eben mal nachgezählt. Ohne Gewähr, versteht sich, aber egal: Der Trend stimmt. Wenn es in unseren prominenten Talk-Runden um den Kapitalismus geht, die Finanzkrise, die Marktwirtschaft oder das „schwarze Jahr des Kapitals", dann holen Anne Will und Maybrit Illner in der Regel zwei Großkoalitionäre in Studio, einen von der Union, einen von der SPD, dazu einen Unternehmer, einen Ökonomen, einen Prominenten und - einen Vertreter der Linkspartei. Nur Gesichter der beiden seriösen Oppositionsparteien, FDP und Grüne - die sieht man nicht.

Oder besser: Die sieht man nur, wenn SPD-Parteichef Franz Müntefering zum Solo mit zwei jungen Streitern geladen wird (Sven Giegold/Grüne und Otto Fricke/FDP), wenn über ein Schußwaffenverbot nach dem Amoklauf von Winnenden nachgedacht wird (Renate Künast/Grüne) – oder wenn der der ein oder andere Zuschauer sich nicht sicher sein kann, ob ein Mann, der auf den Namen Tarek Al-Wazir (Grüne) hört, als Fallbeispiel in eine Sendung geladen wurde, die „Lernt erst mal richtig Deutsch!" heißt.

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Das alles ist nicht viel weniger als skandalös, denn ganz offensichtlich sprechen die gebührenfinanzierten Fernsehanstalten in der wichtigsten wirtschaftspolitischen Frage, die die Welt seit acht Jahrzehnten beschäftigt, ausgerechnet der Partei im Deutschen Bundestag die höchste Diskurskompetenz zu, die zehn Euro Mindestlohn, 500 Euro für Hartz-IV-Empfänger, die Rente mit 40 und Freibier für alle straffrei Parteiprogramm nennen darf.

Der Rentner-, Alten- und Arbeitslosenverführer Oskar Lafontaine konnte sein sozialistisches Wunschprogramm in den vergangenen zwölf Monaten gleich fünf Mal zure besten Talk-Show-Zeit unter die Leute bringen, während bei Maybrit Illner im gleichen Zeitraum keiner so oft zu Gast war wie Sahra Wagenknecht: Gleich dreimal durfte Möchtegern-Rosa die bevorstehende Revolution ausrufen.

Linke bevorzugt

Selbst wenn man die wirtschaftspolitisch irrelevanten Sendungen einrechnet, stärken ARD und ZDF der Linkspartei als vorgeblich stärkster Oppositionskraft in Deutschland den Rücken. Während Anne Will zwölf Mal Politiker der Linken einlud, waren es jeweils nur zehn von FDP und Grünen. Bei Maybrit Illner fällt das Missverhältnis sogar noch krasser aus: 13 Teilnahmen der Linken stehen zehn Grüne und nur fünf (!) Liberale entgegen – obwohl die FDP aus den Bundestagswahlen 2005 mit 9,8 Prozent als drittstärkste Partei hervorging.

Zugegeben: Dafür, dass die FDP die Finanzwelt vor wenigen Monaten am liebsten noch viel weniger reguliert und den Igitittigitt-Staat so gern Portfolio-Managern zur „freien Bewirtschaftung" überantwortet hätte, hatte sie eine Denkpause verdient. Aber müssen ARD und ZDF daraus gleich die Konsequenz ziehen, statt dessen dem größten Ressentiment die meiste Sendezeit einräumen? Die Zuschauer hatten damals weder das Eine, schon gar nicht aber haben sie heute das andere verdient. Auf hirnlos verbreitete Vorurteile und dumpfem Sozialneid jedenfalls lässt sich die Soziale Marktwirtschaft der Zukunft nicht aufbauen.

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