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kolumneTauchsieder: Der Vormarsch der kleinen Parteien

25. August 2013
Kolumne von Dieter Schnaas

FDP, Linke, AfD, Piraten - landen die kleinen Parteien am 22. September im Bundestag oder im Abseits? Wahlwette auf eine Berliner Villa Kunterbunt.

In acht Tagen schauen alle halbwegs Politikinteressierten in die Röhre, um zu sehen, wie Stefan Raab sich schlägt als Moderator des großen Fernsehduells zwischen Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD). Anschließend werden die Spin-Doktoren Maybrit Illner Kompetenz bescheinigen, noch bevor die Demoskopen aller Parteien in einer Blitzumfrage feststellen werden, dass Günther Jauch besonders sympathisch gewirkt hat. Wahlkampf 2013. 

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In 29 Tagen dann schauen Kanzlerin und Kandidat, Grünen-Trittin und FDP-Rösler konsterniert in die Kameras, um das Wahlvolk zu befragen: Wie konntet ihr bloß so unverfroren sein, uns ein Ergebnis zu bescheren, das - demoskopisch gesehen - gar nicht stimmen kann? Wieso müssen wir jetzt in einen Bundestag einziehen, der uns nicht erlaubt, euch komfortabel zu regieren? Warum zwingt ihr uns dazu, über eine Verfassungsänderung nachzudenken, die es uns künftig erlaubt, euch das Misstrauen auszusprechen und abzuwählen? 

Das politische Duell

Warum es ganz bestimmt so kommen wird? Das ist schnell erklärt: Angela Merkel und Peer Steinbrück schwimmen auf einer medial und demoskopisch grell ausgeleuchteten Oberfläche, umgeben von Politikern, Wahlforschern und Leitartiklern, die permanent "direkte Vergleiche" anstellen, laufend ihre Sympathiewerte messen und seine Fettnäpfchen zählen, die Politik zum Duell stilisieren, zum Kampf der Lager auch, weil die vorweggenommene Wahlsiegstournee von Angela Merkel die Warnung vor dem Lieblingspartner der SPD (Jürgen Trigittigitt!) zum Leitthema hat - und weil der Wahlkrampf von Peer Steinbrück vor allem zum Ziel hat, den Lieblingspartner der Union (die Schutzpartei der Privilegierten, auch FDP genannt) zu verhindern.

Von den realpolitisch wirksamen Unterströmungen des gesellschaftlichen Diskurses aber nehmen die leidenschaftlichen Teilnehmer und Beobachter der lustigen Politplantscherei nicht wirklich Notiz. Die neualten Griechenland-Hilfen und die "Ich-kann-keine-Summe-nennen"-Kanzlerin, der NSA-Skandal und der "Supergrundrecht-Sicherheit"-Friedrich - das mögen wohl Themen sein, die für die Mehrheit der Bevölkerung nicht wahlentscheidend sind. Aber das müssen sie ja auch gar nicht. Es reicht ja schon, wenn sie eine Minderheit gegen die selbstzufriedene, fast schon bräsig zu nennende Unpolitik der Kanzlerin mobilisierten und gegen einen ständig wetternden Herausforderer, dessen SPD es bis heute nicht verkraftet hat, das Land unter Gerhard Schröder nach vorne gebracht zu haben.  

Im Reichstag wird es bunt

Die Rechnung, die hier aufgemacht wird, ist denkbar einfach. Union, SPD und Grüne werden zur Bundestagswahl am 22. September zusammen etwas weniger als 75 Prozent der Wählerstimmen auf die Waage bringen. Bleiben 26, 27 Prozent für den Rest. Und das wird reichen für vier weiteren Parteien: Die FDP schafft es in den Bundestag, die Linke, aber auch die Piraten und die AfD werden künftig Abgeordnete stellen. Der Reichstag wird zur Villa Kunterbunt - und das geht so: 

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Kommentare | 9Alle Kommentare
  • 26.08.2013, 15:02 UhrGRS

    Ihr Artikel kehrt eine Partei unter den Teppich, die deutschlandweit über 280.000 Mitglieder hat, tausende Mandatsträger sowie Abgeordnete stellt , z.B. in Bayern drittgrößte politische Kraft nach CSU und SPD ist und in seriösen Prognosen mindestens mit Piraten und AfD gleichauf liegt. Das ZDF-Politbarometer bescheinigt ihr ein Potenzial von 22 % - höher als das von Piraten (11 %) und AfD (9 %)zusammen. Warum also ignorieren sie die FREIEN WÄHLER? Möglicherweise zu seriös um medial interessant zu sein?

  • 25.08.2013, 15:18 Uhrsteigenberger

    Eine Kombinationspgonose aus traditioneller Telefonumfrage unter Mit-
    berücksichtigung der Netzaktivitäten zugunsten der einzelnen Parteien
    kommt auf 47,6% zugunsten der Kombination cdu/csu/fdp.

    Im obigen Artikel käme die Kombination auf 44%, eine Fehlermarge von 5%
    ist bei jeder Umfrage zu berücksichtigen, bei einer reduzierten Fehlermarge käme die heutige Koalition auf ca. 46% !

    Was bei den veröffentlichten Prognosen auffällt ist, dass zwar die Piraten
    überall einzeln mit ausgewiesen werden (2-3%), aber die AfD-Stimmer ver-
    schwinden oft unter sonstige Parteien.

    Dies grenzt schon an Manipulation u. zeigt wie tendenziell viele Institute
    arbeiten, oft gebunden durch die Auftraggeber, die sich dies etwas kosten
    lassen.
    Die Ereignisse von Bremen u. Göttingen u. das Ignorieren dieser bedenk-
    lichen Auswückse durch die etablierten Parteien wird dem AfD sicher einige
    entscheidende Prozente mehr bringen, es könnte sein, dass der AfD vor fdp
    u. Linken als 4. stäkste Partei in den Bundestag einziehen wird.
    Spätestens bei der Europawahl 2014 wird er über 10% kommen u. dann bei
    den Landtagswahlen die einzelnen Bundesländer aufrollen, Merkel wird nach
    dem 22.9. nichts mehr zu Lachen haben u. ihr Rückhalt in der cdu wird
    schwinden, die Parteigenossen wittern den bald kommenden Machtverlust!

    Der Stern hat ja schon vorhergesagt, dass Merkel 2016 zurücktritt,besser
    sie macht es schon früher !

  • 25.08.2013, 13:06 UhrKHD

    Gut argumentierte Wahlprognose. Man sollte zusätzlich noch die Wahlbeteiligung und die Differenzen zwischen Erst- und Zweitstimmen berücksichtigen. Das Potenzial der CDU/CSU Stimmen liegt bei (16-17) Mio. bei den Erststimmen und 85% davon bei den Zweitstimmen, unabhängig von der Wahlbeteiligung. Die Stimmenanteile der CDU/CSU bei Erst- und Nichtwählern liegen relativ unter diesem Potenzial.
    Entscheidend ist die Wahlbeteiligung, die keiner einschätzen kann, die aber anscheinend von Demoskopen in ähnlicher Grössenordnung von 70% wie 2009 erwartet wird. Liegt diese nur 5% höher, wird sich das erheblich auf die relativen Anteile der Zweitstimmen, und nur auf diese, auswirken. In den letzten Bundestagswahlen hatten die "Sonstigen Parteien" ansteigende Prozentsätze, 2009 waren es exakt 6%, davon 2% Piraten. Das wird 2013 vermutlich ähnlich sein, also 4% statt 1,3% für den Rest.
    CSU und CDU haben unterschiedliche Wähler, die CSU wird daher eher ihre 6,5% ausbauen können als die CDU ihre 27,3%. Bei gleicher Wahlbeteiligung könnte CSU 7%, CDU 26% bekommen, liegt die Wahlbeteiligung 5% höher, könnten es 5% weniger sein (31,5%). SPD und Grüne könnten als Oppositionspartei profitieren und bei gleicher Wahlbeteiligung 25% bzw. 12% erreichen, bei 75% Wahlbeteiligung 25,5% und 12,5%.
    Die FDP hat schon immer Zweitstimmen von CDU/CSU erhalten. Die könnten nun teilweise zur AfD gehen. Nimmt man die Hälfte der Zweitstimmenverluste - gegenüber Erststimmen - von CDU/CSU für die AfD, ist die FDP für nicht mehr als 6% gut. Bei 75% Wahlbeteiligung könnte dieser Wert auf 5,5% fallen. Unterschätzen sollte man Die LINKE mit einem Potenzial von (3-3,5) Mio Stimmen nicht, die Partei ist auch ohne grosse Zweitstimmenzuwächse gut für 9% bei 70% Wahlbeteiligung, ansonsten 8,5%. Rechnerisch bleiben für Piraten und AfD bei gleich bleibender Wahlbeteiligung 11%. Die Prognose wegen CDU/CSU Zweitstimmen an die AfD : AfD >6%, Piraten >4%. Bei 75% Wahlbeteiligung : AfD >8%, Piraten > 5%.

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