Tauchsieder: Deutschland verlanzt - und alle schauen zu

kolumneTauchsieder: Deutschland verlanzt - und alle schauen zu

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Nichts, was in den vergangenen zwei Wochen die Titelseiten und Nachrichten dominierte, war auch nur annähernd von allgemeinem Interesse oder dauerhaftem Belang. Deutschland verlanzt - und alle schauen zu.

Kolumne von Dieter Schnaas

Neues Jahr, neues Unglück: Die Große Koalition simuliert Politik und die Medien überstürzen sich in die Krise. Zwei Sportler, zwei Unfälle, ein bisschen CSU-Gerumpel und SPD-Dudelei, nichts von Bedeutung - nirgends.

Stell dir vor, Deutschland verlanzt und alle schauen zu. Aber was heißt schon vorstellen? Die Verlanzung Deutschlands, sie hat längst stattgefunden, und zur Ehrenrettung des ZDF-Moderators sei gesagt, dass sie ausgerechnet während seiner Sendepause zu einem soziologisch fassbaren Phänomen reifte. Am 19. Dezember 2013 hat sich Markus Lanz von seinen Zuschauern in die Winterpause verabschiedet.

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Am 14. Januar geht es weiter mit seinem Di-Mi-Do-Talk, in dem ernste Politiker wie launige Comedians auftreten und launige Comedians wie ernste Politiker. Und exakt dazwischen liegen die Wochen, die Medienhistoriker dermaleinst als "Sattelzeit" zwischen einer Epoche der politischen Kultur in Deutschland und ihrer totalen Verlanzung beschreiben werden: als Übergang von einer Zeit, in der "die Politik" (und mit ihr der Politikteil von Tageszeitungen, Magazinen, Fernsehnachrichten und Netzmedien) für den wirtschaftenden, wissenschaftsbetrieblichen und kulturinteressierten Teil der Bevölkerung noch eine gewisse Relevanz besaß, zu einer Zeit, in der "die Politik" (und mit ihr der Politikteil der Medien) endgültig zum Anhängsel einer Unterhaltungsindustrie wurde, die an multimedialer Massenmenschhaltung interessiert ist und sich durch den flächendeckenden Einsatz von Erregungshormonen und die effiziente Verarbeitung von Informationsresten auszeichnet.

Tauchsieder Die Große Koalition - ein Fazit

Die Liaison von Union und SPD verliert viel von ihrem Schrecken, wenn man sie von ihrer angenehmsten Seite, sprich: von ihrem Ende her betrachtet.

SPD- und CDU-Parteifähnchen vor dem Reichstag in Berlin Quelle: dpa

Nichts, aber auch wirklich Rein! Gar! Nichts!, was in den vergangenen zwei Wochen die Titelseiten und Nachrichten dominierte, war auch nur annähernd von allgemeinem Interesse, auch nur einigermaßen von dauerhaftem Belang. Vizekanzler Sigmar Gabriel zum Beispiel unterrichtete uns via "Bild"-Zeitung davon, dass er seine zweijährige Tochter wie bisher so auch künftig manchmal mittwochs aus der Kita abzuholen gedenkt, wie schön - es ist übrigens dasselbe, bedauernswürdige "Mariechen", an dem der SPD-Chef meint, andauernd die Richtigkeit sozialdemokratischer Bildungspolitik exemplifizieren zu müssen.

"Man sieht richtig, wie gut ihr (die Kita) tut", meldete Gabriel vor Wochen der "BZ", weil Mariechen das Glück der Fremdbetreuung noch nicht in eigene Worte zu fassen versteht - kein Wunder, es ist ja kaum ein paar Monate her, da der heimwerkelnde Papa sein Mariechen noch "abfütterte", um sie der Twittergemeinde zum favorisierbaren Fraß vorzuwerfen.

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