Tauchsieder: Die Ausweglosigkeit des Liberalismus

kolumneTauchsieder: Die Ausweglosigkeit des Liberalismus

Kolumne von Dieter Schnaas

Freiheit wovon oder Freiheit wozu? Warum Liberale sich nicht einmal selbst verstehen, permanent aneinander vorbeireden - und sich von der Freiheit als Bezugspunkt ihres Denkens verabschieden sollten.

Nicht auszudenken, wenn Barack Obamas Geheimdienstler nicht nur das Handy der Kanzlerin abgehört hätten, sondern auch die Mobiltelefone des FDP-Spitzenpersonals. Es gäbe der transatlantischen Missverständnisse gar kein Ende mehr.

Man stelle sich bitte nur mal die Ratlosigkeit eines amerikanischen Spions vor, der den Gedanken und Ausführungen lauscht, die ein immer noch so genannter Wirtschaftsminister Philipp Rösler über den Liberalismus anstellt: „What the fuck is he talking about!?“ Kein Amerikaner kann die deutsche Version von Liberalismus wirklich verstehen – übrigens auch dann nicht, wenn er sich jenseits der fast schon sprichwörtlichen Liberatlosigkeit der FDP kundig machen würde. Wer von der „Krise des Liberalismus“ spricht, darf daher von der Unschärfe des Begriffs nicht schweigen. Von den beiden alternativen Politikangeboten - Konservativismus und Sozialismus - macht man sich dies- und jenseits des Atlantiks wenn nicht kongruente, so doch durchaus kompatible Vorstellungen. Vom Liberalismus ganz und gar nicht.

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Blog Chefsache Verlust der Freiheit

Steuern, Mindestlöhne, Krankenversicherung, Mieten: Dem neuen Bundestag fehlt der wirtschaftliche Kompass. Der Liberalismus ist politisch mundtot. Die WirtschaftsWoche bietet der Freiheit ein neues Forum.

Roland Tichy ab 33/2013 Quelle: Holger Stegmann für WirtschaftsWoche

In den Vereinigten Staaten ist „liberal“ erstens ein Synonym für das deutsche „links“ und zweitens noch ganz viel mehr. Liberalismus, das klingt dort nach 1968, Permissivität und Selbstverwirklichung (das sind die Molltöne), nach Toleranz auch, Bürgergesellschaft und Wohlfahrtsstaat (das sind die Durtöne). Vor allem aber klingt „liberal“ in den USA immer nach einer Hymne auf das eigene Land, nach einer liberalen, offenen Gesellschaft, die um ihre multireligiöse Herkunft weiß, die einen ausgeprägten Sinn für kulturelle Vielfalt besitzt und für den Schutz der Rechte von Minderheiten einsteht. In Deutschland dagegen liest man die Geschichte des Liberalismus defensiver, als Geschichte bürgerlicher Emanzipation und Selbstbestimmung, als Einspruch gegen fürstliche Bevormundung und königlichen Allmachtsanspruch – weshalb man seit der Einführung und Verbreitung demokratischer Ideen nicht mehr so recht was mit ihm anzufangen weiß. Wahrscheinlich deshalb machen die Deutschen im Alltag nur noch einen adjektivisch ausgedünnten Gebrauch vom Liberalismus: Liberal ist, wer andere so akzeptiert, wie sie sind.

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