Tauchsieder: Die Große Reformkoalition?

ThemaWahlen 2017

kolumneTauchsieder: Die Große Reformkoalition?

Kolumne von Dieter Schnaas

Klima und Energie, Finanzen und Steuern, Rente und Arbeitsmarkt - der Ball liegt auf dem Punkt, kein Gegner stört, das Tor steht hoch und weit. Jetzt müssen Union und SPD den Reform-Elfmeter nur noch versenken.

Machen wir es ruhig ein bisschen dramatisch: Die Große Koalition, die sich da anbahnt in Berlin, die kann sich als großer Segen oder Fluch erweisen, grandios gelingen oder grandios scheitern, die kann Gräben zuschütten oder aufreißen, das Land mächtig voranbringen oder geradewegs in den Ruin führen. Die Herausforderungen sind nach vier sehr reformstillen Jahren gewaltig. Schwarz-Gelb hat ein paar tagesaktuell anstehende Aufgaben abmoderiert und den Banken-, Euro- und Staatsschulden-Krisen gewissenhaft hinterher regiert, gewiss. Vor allem aber hat sich Schwarz-Gelb von der rot-grünen Reformsubstanz genährt und dem Land vier verlorene Jahre aufgebürdet. Klima und Energie, Finanzen und Steuern, Rente und Arbeitsmarkt, Pensionslasten und Gesundheitskosten, ganz zu schweigen von einer neuen Architektur für Europa und Deutschlands Rolle in der Welt - viele Baustellen sind in den vergangenen 48 Monaten groß und größer geworden, manche wurden erst gar nicht aufgemacht. Umso feiner fallen nun die Chancen für eine Große Koalition aus: Der Ball liegt auf dem Punkt, kein Gegner stört, das Tor steht hoch und weit - jetzt müssen Union und SPD den Reform-Elfmeter nur noch versenken. 

Zweite Sondierung Kleine Schritte zur Großen Koalition

Regierungsbildung ist wie Balztanz: Man sollte zeigen, dass man will, aber bitte nicht zu deutlich. Union und SPD laufen dabei gerade zur Hochform auf.

Sigmar Gabriel und Angela Merkel Quelle: dpa

Noch nie in der Geschichte des Bundesrepublik waren die Voraussetzungen für ein verantwortungsvolles Durchregieren besser. Im Unterschied zu den vier Nachkriegsjahrzehnten steht die politideologische Kernfrage "Kapitalismus oder Sozialismus" nicht mehr ins Haus. Und im Unterschied zu den vier Jahrzehnten vor den gegenwärtigen Geldkrisen hat auch die ökonomische Glaubensfrage "Hayek oder Keynes" endlich ihren sektiererischen Ausschließlichkeitscharakter verloren. Die Deutschen haben am 27. September Dogmatismus und Gesinnungseiferei abgewählt, auch wenn sich das noch nicht zu allen Feindbilddenkern herumgesprochen hat. Sowohl die antiliberale Big-Business-Orthodoxie von FDP als auch die doktrinäre Rechtgläubigkeit der ökocalvinistischen Grünen machen eine verdiente Regierungspause. Stattdessen schlägt die Stunde des Pragmatismus und des common sense. Die breite Mehrheit der fleißigen, braven, arbeitsamen Deutschen hat es so gewollt. Und die breite Mehrheit der fleißigen, braven, arbeitsamen Deutschen hat es sich auch verdient. 

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