Tauchsieder: Die Wahl ist gelaufen

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Tauchsieder: Dieter Schnaas hält seinen Kopf in den Nachrichtenstrom – und blubbert mit

Kolumne

Wirtschaftswoche-Chefreporter Dieter Schnaas hält den Kopf in den Nachrichtenstrom und blubbert mit. Heute: Vier Tage vor der Bundestagswahl schmilzt der Vorsprung von Schwarz-Gelb. Angeblich. Eine Kaffeesatzleserei.

Heute schon von der neuen Umfrage im "Handelsblatt" gehört? Die SPD legt vier Punkte zu! Schwarz-Gelb nur noch bei 46 Prozent! Alles wieder offen!

Es reicht wieder nicht für eine „bürgerliche" Mehrheit! Wenn da nicht die letzten vier Tage vor der Bundestagswahl wären - und wenn am Ende doch nicht alles ganz anders kommt.

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Was also wäre, wenn? Wenn alle hoch motivierten FDP-Wähler ihr Kreuz am Sonntag zwar besonders fest aufs Papier drücken, aber alle FDP-Wähler immer noch relativ wenige sind? Wenn die SPD ihre bitter enttäuschten Anhänger, motiviert durch die jüngste Umfrage, doch noch ermuntern kann, dem Wahllokal am Sonntag einen Besuch abzustatten?

Fünf Gründe für Schwarz-Gelb

Oder umgekehrt: Wenn die Union ihre siegesgewissen Anhänger, motiviert durch die jüngste Umfrage, doch noch davon abhalten kann, dem Wahllokal am Sonntag keinen Besuch abzustatten?

Was also wäre - wenn wir diese ganze Kaffeesatzleserei jetzt sofort beenden und erklären: Die Wahl ist gelaufen. Schwarz-Gelb hat es endlich geschafft oder ist – wahlweise – nicht mehr zu verhindern. Am Sonntag geht es allein um die Frage, ob die Union mit 39 oder 32 Prozent durchs Ziel geht und die FDP mit 10 oder 17. Beide Parteien haben dafür in den vergangenen Wochen ein erstaunlich gutes Gespür gehabt und sich aus gutem Grund mehr mit sich selbst als mit dem politischen Gegner beschäftigt.

Was sonst noch interessieren (und überraschen) könnte: Die SPD geht mit achtbaren 29, 30 Prozent durchs Ziel, während die Grünen auf sieben Prozent abstürzen.

Wieso es so kommt? Fünf Gründe:

Die FDP bringt diesmal 110 Prozent ihres Wählerpotentials an die Urne: die prinzipiellen, gesinnungsfesten, staatsfernen Wohlverdienenden – und ganz bestimmt auch die jungen, aufstiegsorientierten Business-School-Besucher, die ihre Gesinnungsfestigkeit gerade erlernen. Nicht zu vergessen die vielen Enttäuschten aus der (unteren) Mittelschicht, die bei der Sicherung ihres prekären Arbeitsplatzes nicht mehr der Regierungspolitik, sondern ihrem Arbeitgeber (und den FDP-Argumenten) vertrauen.Nicht die Union steht zur Wahl, sondern Bundeskanzlerin Angela Merkel: Sie hat als Kanzlerin der großen Koalition jeglichen politischen Gestaltungsanspruch aufgegeben - und sich eben dadurch bis zur Gesinnungslosigkeit in Deutschlands sozialdemokratischer Mitte breitgemacht. Ihre Politik moderiert die Wirklichkeit statt sie zu verändern, sorgt einer ständig sich verändernden Lage hinterher statt sie zu prägen. In einer zunehmend komplexen und ambivalenten Moderne geht das bei den meisten Wählern als „Klugheit" durch. Eben deshalb ist der Wahlkampf der Union („Klug aus der Krise") ein Volltreffer. Nur ein (kleines) Risiko verbleibt – aber eben (zum Teil) innerhalb des „bürgerlichen" Lagers: Die Gesinnungstreuen und Wert-Beständigen in der Union bleiben den Wahlen fern (Christlich-Konservative) oder wechseln zur FDP (Wirtschaftsliberale).Die Deutschen haben keine Angst mehr vor Schwarz-Gelb. Warum auch? Angela Merkel wird die Steuersenkungsfantasien der Westerwelle-FDP ausbremsen, den Kündigungsschutz nicht antasten, das Wort Gesundheitsprämie nicht mehr in den Mund nehmen. Man kann beklagen, dass noch kein Regierungschef vor Merkel so schnell und so radikal seine Meinung zu so vielen Themen geändert hat wie Angela Merkel; man kann ihr Prinzipienlosigkeit, bloßen Machterhaltungswillen, ja die totale programmatische Entleerung der Union vorwerfen. Ihre große politische Leistung besteht darin, dass sie den Deutschen die Angst vor Schwarz-Gelb genommen hat.Die SPD stellt keine Machtalternative dar. Nur eine Mitregierungsalternative. Das einzige, was sie anbieten kann: Juniorpartner in einer großen Koalition zu bleiben. Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot – das ist die einzige, was die SPD ihren potentiellen Wählern anbieten kann. Keine gute (weil destruktive) Motivationsgrundlage. Aber immerhin eine Motivationsgrundlage.Womit wir bei den Grünen wären. Ihr Wahlkampf ist im Kern identisch mit dem der SPD („Schwarz-Gelb verhindern") – und daher für die Katz. Die Grünen haben weder eine Machtalternative noch eine Mitregierungsalternative. Diejenigen, die am Sonntag doch noch „Schwarz-Gelb" misstrauen, die Steuerentlastungs-Versprechen für leeres Geschwätz halten und sich keinen Guido Westerwelle als Außenminister vorstellen wollen, bleibt als einzig konstruktive Lösung nur die Möglichkeit, bei der SPD ihr Kreuz zu machen.

Alles klar also? Alles klar. Es sei denn… Aber das ist ein anderes Thema.

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