Tauchsieder: Lass gut sein, Guido!

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Guido Westerwelle bei der Veranstaltung "Ein Herz fuer Kinder"

Kolumne von Dieter Schnaas

Wirtschaftswoche-Chefreporter Dieter Schnaas hält den Kopf in den Nachrichtenstrom und blubbert mit. Heute: Guido Westerwelle und die Meuterei der Parteifreunde.

Was ist der Unterschied zwischen einem Fisch an Land und Guido Westerwelle? Nun – der Fisch zappelt noch. Und was ist der Unterschied zwischen Horst Köhler und Guido Westerwelle? Nun - Köhler hatte keinen Grund, aus seinem Amt zu flüchten.

Kommende Woche, am 27. Dezember, feiert Guido Westerwelle seinen 49. Geburtstag. Ein neues Jahr steht bevor und ein neues Lebensjahr, zehn Tage später das Dreikönigstreffen der FDP. Für Guido Westerwelle war die Zeit zwischen den Jahren immer eine gute Gelegenheit, seine Gedanken zu ordnen, seine Kräfte zu sammeln und seinen Trivialliberalismus in beifallheischenden Populismus zu bündeln: Schluss mit dem anstrengungslosem Wohlstand! Das Steuersystem trägt enteignungsgleiche Züge! Der Mindestlohn ist DDR pur! Aber keine Sorge, so die frohe Botschaft: Ich, Guido Westerwelle, Kapitän aller Leichtmatrosen, verlasse die Brücke nicht, wenn draußen der Sozialismus stürmt, weil es auf jedem Schiff, das dampft und segelt, einen braucht, der Sachen regelt… - und das bin nun mal am besten ich, Guido Westerwelle, die "Freiheitsstatue der Bundesrepublik".

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Reformbesoffene Westerwelle-FDP

Mit jeder weiteren seiner gefühlten 34 Dreiselbstkrönungsreden wurde das inhaltliche Loch der Antistaatsliberalen größer, mit jedem Hoch, Hurra, Vivat auf den Steuersenkungs-Parteichef jubelten sich die Liberalen entschiedener ins Abseits einer Ein-Thema-Partei, mit jeder Bekräftigung Westerwelles, unter lauter Sozialdemokraten in Deutschland sei allein die FDP im Allgemeinen, vor allem aber Westerwelle im besonderen der Fackelträger der Vernunft, bombte sich die Dehler-Heuss-Genscher-Baum-Partei programmatisch ins Aus.

Westerwelle hat die FDP zum pseudoliberalen Gegenstück der Linken heruntergewirtschaftet, das ist die bittere Wahrheit, zu einer Partei der reinen Lehre und der sauberen Doktrin: Die einen pflegen ihren Marktglauben, die anderen ihre Staatsreligion, vorhersehbar, dogmatisch, borniert und regierungsunfähig. Was die FDP den Menschen (theoretisch) an Steuern erlassen möchte, wollen die Linken (theoretisch) einsammeln und verteilen. Und so unverschämt, wie eine reformbesoffen-globalisierungstragische Westerwelle-FDP jahrelang den Wendewillen und die Veränderungskompetenz der Deutschen in Abrede gestellt hat (Lohnzurückhaltung, Flexibilisierung der Arbeit), so wirklichkeitsfremd und ignorant behaupten die globalisierungsmelancholischen Betonlinken, dass die Deutschen nur mehr Geld drucken müssten, um das Land reicher zu machen.

Vom blaustrümpfigen Realschüler zum Chefdiplomaten

Guido Westerwelle hat restlos alles erreicht, was man als Liberaler in diesem Land erreichen kann. Er war mit 33 Generalsekretär der FDP, mit 39 Parteivorsitzender, mit 44 Fraktionschef, mit 47 Außenminister und Vizekanzler. Er hat eine kleinbürgerliche Bilderbuchkarriere hingelegt vom blaustrümpfigen Realschüler über den Fernuni-Studenten und promovierten Juristen bis hin zum Chefdiplomaten der Bundesrepublik, er hat sich seine Karriere buchstäblich hart erarbeitet und wirklich verdient, er hat sich auch persönlich durchgebissen in einer "liberalen" Partei, in der sie noch vor ein paar Jahren hinter seinem Rücken bedeutungsschwer das Problem seiner "Veranlagung" beraunten.

Nichts ist Westerwelle während dieses bewunderungswürdigen Aufstiegs wirklich zugeflogen, niemals ist ihm erkennbar etwas leicht gefallen, stets hat er verständnislos auf alle reagiert, die mit größeren Gaben gesegnet waren – und ihre Gaben ungenutzt, sozusagen "links" liegen gelassen haben (Westerwelle meint das durchaus politisch – es gibt nichts, was er mehr verachtet, als die "linke" Verachtung der Sekundärtugenden). 

Ihre Liberalen wollen Sie nicht mehr!

Kolumne Tauchsieder

Tauchsieder: Dieter Schnaas hält seinen Kopf in den Nachrichtenstrom – und blubbert mit

Nur gedankt hat man ihm seine preußische Dienstbereitschaft nie. Weil seine Beflissenheit ans Streberische grenzt, klar. Aber auch, weil sein patriotisch-ostentativer Jungbuben-Stolz sich so schlecht verträgt mit seinen pubertären Staatsbeschimpfungen. Und natürlich, weil er verlässlich peinlich ist, wenn er mal wieder meint, die Medien mit allerlei Leichtigkeiten und Lustigkeiten versorgen zu müssen… - man trifft keinen Politiker in Berlin, der ironiefreier, pathosschwerer und amtsdurchdrungener ist als Guido Westerwelle.

Lass’ es also gut sein, lieber Guido Westerwelle, Ihre Liberalen wollen Sie nicht mehr. Der Applaus für Ihre nächste Dreikönigsrede wird wieder mal nicht herzlich sein (das war er nie), aber auch nicht Mut machend und selbstermunternd (das war er meistens bei der FDP) und schon gar nicht erfolgstrunken (wie nach der 14,6-Prozent-Bundestagswahl vor einem Jahr). Der Beifall wird allenfalls demonstrativ und trotzig sein – von Seiten derer, die Ihnen viel verdanken und vorläufig an Ihrer Seite stehen.

Sie mögen noch immer glauben, lieber Guido Westerwelle, dass Sie der Kapitän auf Ihrem Parteischiff sind, und vielleicht bleiben sie es sogar noch eine Weile – aber der Erfolg einer Partei-Meuterei bemisst sich nicht daran, dass sie hier und heute die Absetzung ihres Kapitäns durchsetzt, sondern dass sie dessen Autorität nachhaltig zerstört. Die Partei, lieber Guido Westerwelle, gibt Ihnen dieser Tage mit all’ ihren freundlichen Rücktrittsanliegen die Gelegenheit, es rechtzeitig einzusehen – und selbst als FDP-Chef abzudanken. Und bitte: Stellen Sie sich nicht so an. Drei Jahre als Außenminister bleiben Ihnen noch. Und dann? Dann sind sie 52. So alt wie Roland Koch.

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