Tauchsieder: Maskuline Frauenpolitik

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kolumneTauchsieder: Maskuline Frauenpolitik

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Frauen verdienen in Deutschland 20,8 Prozent weniger als Männer.

Kolumne von Dieter Schnaas

Nirgends in OECD-Europa werden Frauen im Vergleich zu Männern schlechter bezahlt als in Deutschland. Wie lässt sich die gewaltige Lohnlücke schließen? 

Deutschland geht weiter auf Negativrekord-Jagd. Vor einer Woche hat uns eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) darüber belehrt, dass wir Euro-Meister der Vermögensungleichheit sind. Einige Leser haben daraufhin die Kriterien der Datenerhebung kritisiert, manche sogar rundheraus die Kompetenz des DIW angezweifelt, weil seine Forscher die Renten- und Pensionsansprüche nicht eingerechnet hätten. Und ja, natürlich, klar, es stimmt: Garantierte Alterseinkommen sind Vermögenswerte, die besonders nivellierend auf die Ungleichheit wirken: Lässt man die Ansprüche außen vor, hat ein Viertel der Deutschen gar kein Vermögen; zählt man sie hinzu, haben auch Habenichtse plötzlich was auf der hohen Kante liegen. Die Ungleichheit sinkt um bis zu 20 Prozent, wenn man Renten- und Pensionsansprüche einrechnet... 

Allein: Was ändert das am Grundproblem einer zunehmend starken Konzentration der Vermögen in Deutschland? Daran, dass die Arbeitseinkommen für viele Deutsche nicht ausreichen, um etwas sparen und für sich selbst vorsorgen zu können? Daran, dass sich das Selbstverständnis der ehemals "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" (Helmut Schelsky) in der "Sozialen Marktwirtschaft" (Ludwig Erhard) verschiebt, weil die reichsten (und damit auch einflussreichen und mächtigen) Deutschen nicht mehr für ihre Leistungen prämiert, sondern vor allem ihr Geld geschützt wissen wollen? Und daran, dass die Konzentration der Vermögen in der Hand weniger Deutscher zu allem Überfluss auch noch politisch gefördert wird, weil die Arbeitseinkommen von Normalverdienern höher besteuert werden als die Kapitaleinkommen der Superreichen?

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Noch einmal von vorn also: Deutschland geht weiter auf Negativrekord-Jagd. Diese Woche bescheinigt uns die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass in keinem anderen europäischen Land der OECD die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen so groß ist wie hierzulande. Frauen verdienen in Deutschland 20,8 Prozent weniger als Männer. In Österreich (19,2) und der Schweiz (18,5) ist die Lücke annähernd so hoch, in Frankreich (14,3 ) und Italien (10,6) liegt sie signifikant darunter, in Belgien (7,0) und Spanien (6,1) sind die Gehälter von Männer und Frauen annähernd gleich. Um die erwartbaren Einwände gegen die OECD-Ergebnisse gleich vorweg zu nehmen: Natürlich wissen auch die Forscher, dass es eine unbereinigte und eine bereinigte Lohnlücke gibt.

Von einer unbereinigten Lohnlücke ist die Rede, wenn die durchschnittliche Lohnsumme der Frauen von der durchschnittlichen Lohnsumme der Männer abgezogen wird, und zwar ganz unabhängig von bevorzugten Berufen und Karrierewegen. Will sagen: Frauen verdienen in Deutschland auch deshalb 20,8 Prozent weniger als Männer, weil sie erstens im Schnitt weniger Führungspositionen innehaben und zweitens in typischen, oft schlechter bezahlten "Frauenberufen" (Putzfrauen, Frieseurinnen) tätig sind. Im Unterschied dazu liegt die bereinigte Lohnlücke, also die Differenz von Arbeitseinkommen, die sich nicht auf strukturell unterschiedliche, arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen lässt, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes derzeit bei rund acht Prozent. Will sagen: Verdient eine Frau bei gleicher Ausbildung, Qualifikation und Tätigkeit 4000 Euro im Monat, erhält ein Mann für exakt dieselbe Leistung 4240 Euro. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) rechnet die Lohnlücke sogar noch weiter runter: Würden Frauen mehr Vollzeit arbeiten und ihre schwangerschaftsbedingten Job-Pausen so kurz wie möglich halten, betrüge die Lohnlücke nicht einmal mehr als zwei Prozent. 

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