Tauchsieder: Taktlose Gehälter?

kolumneTauchsieder: Taktlose Gehälter?

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Dirigent Kirill Petrenko tritt in Berlin die Nachfolge von Sir Simon Rattle an.

Kolumne von Dieter Schnaas

Berlin, München, Leipzig - wer bietet mehr? Deutschlands Kulturmetropolen befinden sich im Wettstreit um die besten Dirigenten der Welt. Was deren Engagement kostet (und wert ist), bleibt dem Steuerzahler allerdings immer noch verborgen. Eine Anklage.

Herbert von Karajan ist und bleibt der größte Noten-Banker aller Zeiten. Der extravagante Dirigent hat die vier größten Musik-Konzerne gleichzeitig bespielt, stand als Chef- und Gastdirigent in Berlin, Wien, London den besten Orchestern der Welt vor, ließ sich zum König der Salzburger Festspiele krönen, versammelte von der Schwarzkopf bis zur Callas die größten Primadonnen der Welt um sich - und handelte mit jedem weiteren Auftritt, für jede weitere Plattenaufnahme und CD-Produktion immer neue, schwindelerregendere Fantasiegagen für sich aus. Als Karajan am 16. Juli 1989 starb, hinterließ er Privatjets, Yachten, Sportwagen - und ein geschätztes Vermögen von mehr als einer halben Milliarde Mark.

So gesehen, hat Valery Gergiev noch reichlich Luft nach oben. Der neue Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, der am Donnerstag sein Debut mit Gustav Mahlers monströser Auferstehungssinfonie gab, hat russischen Presseberichten zufolge im Jahr 2014 rund 6,2 Millionen Euro eingenommen. Gergiev, Generaldirektor des St. Petersburger Mariinski-Theaters, ein erklärter Freund von Russlands Staatspräsident Vladimir Putin, soll zwei Luxusautos, sechs Wohnungen und 30.000 Quadratmeter Land sein eigen wissen.

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Man muss es ihm daher hoch anrechnen, dass er seinen zweiten Chefposten beim London Symphony Orchestra (LSO) aufgegeben, eine seiner sehr zahlreichen Nebentätigkeiten nach München verlegt und sich für ein Kleingeld „sehr viel Zeit für die Philharmoniker reserviert“ hat (Gergiev im Interview mit der SZ). Sehr viel Zeit bedeutet: Gergiev wird mit den Münchnern 45 Konzerte dirigieren. Kleingeld heißt: Gergiev wird für jeden Auftritt 40.000 Euro, vielleicht 50.000, möglicherweise auch mehr kassieren.

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Mag sein, dass sich die Pressestelle der Münchner Philharmoniker morgen meldet und meint, die Zahlen seien „aus der Luft gegriffen“. Das Problem ist: Sie sind es wirklich. Niemand weiß genau, wie viel Geld Gergiev für seine Dienste als Taktgeber eines Orchesters erhält, das von der Stadt mit 14 Millionen Euro jährlich bezuschusst wird und gerade mal ein Drittel seines Budgets aus eigenen Einnahmen bestreitet.

Nur so viel ist gewiss: Der Steuerzahler wird jede Eintrittskarte für Mahlers Zweite oder Schostakowitschs Vierte mit knapp 70 Euro bezuschussen. Ganz ähnlich sieht die Lage, jeder weiß es, bei den Berliner Philharmonikern (erwirtschaftet 64 Prozent seines Etats) und beim Gewandhausorchester in Leipzig (52 Prozent) aus, die in Kirill Petrenko und Andris Nelsons soeben zwei Ausnahmekönner verpflichtet haben. Politiker und Musikfreunde überbieten sich förmlich im Wissen darum, in welche ungeahnten Höhen Petrenko, Nelsons und Gergiev ihre Klangkörper führen werden, wie unermesslich viel sie künstlerisch wert sind. Nur was die drei kosten, das weiß niemand.

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