Terror in Berlin: Die Stille nach dem Anschlag

Terror in Berlin: Die Stille nach dem Anschlag

, aktualisiert 21. Dezember 2016, 14:44 Uhr
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Trauernde legen auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin Blumen nieder und zünden Kerzen an.

Quelle:Handelsblatt Online

Kerzen, Blumen, Fahnen auf Halbmast. Wie fühlt sich das Leben in der Hauptstadt an, zwei Tage nach dem verheerenden Anschlag am Breitscheidplatz? Eindrücke zwischen Gedächtniskirche und Gendarmenmarkt.

BerlinMamdouh Alakra legt eine weiße Rose an der Gedächtniskirche nieder und betet. In Berlin lernt der Syrer gerade Deutsch. Vor zwei Jahren ist der Ingenieur nach Deutschland geflohen, seine Heimat ist zerstört. „Ich bin hier glücklich, weil ich sicher bin“, sagt er. „Die Leute respektieren uns, weil sie menschlich sind.“

Alakra ist mit Mitschülern aus seinem Sprachkurs zum Breitscheidplatz gekommen. Zwei Tage ist der schwerste Anschlag her, den Nachkriegs-Berlin je erlebt hat – als ein Mann mit einem Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt an der berühmten Kirche ein Blutbad anrichtete.

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„Angst!“, titelt die „Bild“-Zeitung in großen Buchstaben am Mittwoch. Wie fühlt sich das Leben in der Stadt an? Es ist einer der eisigen Wintertage mit blauem Himmel, an denen Berlin nach Postkarte aussieht: Die Siegessäule funkelt besonders golden. Am Zoo haben sich die Übertragungswagen der Fernsehteams aufgebaut. Auf der gesperrten Straße nahe dem Tatort ist es still, als habe jemand den Lautstärkeregler runter gedreht.

Die Buden des Weihnachtsmarkts sind geschlossen. Bewaffnete Polizisten haben sich vor einer Currywurstbude aufgebaut. Eine Mitarbeiterin aus dem Kaufhaus KaDeWe, das um die Ecke liegt, bringt mit Tränen in den Augen eine Rose vorbei. Sie kann kaum sprechen. Es gibt Mahnmale aus Kerzen, Blumen und Transparenten, die immer weiter wachsen. Auf einer Karte steht: „Letztlich siegt die Liebe über alles“.

In der Stadt ist sonst viel davon die Rede, es sei eh nur eine Frage der Zeit gewesen, dass so ein Anschlag passiere. Der Alltag sei bei aller Trauer zurückgekehrt. An der Gedächtniskirche fühlt sich das nicht so an. Auf den Bauzaun vor der Neuen Nationalgalerie ein paar Kilometer weiter hat jemand das Wort „Zusammen“ geschrieben. Das klingt auf einmal ganz anders.

Am Park Tiergarten stehen Zäune bereit, wohl für die große Silvesterparty. Traditionell ist diese ein Riesenspektakel. Vor dem Brandenburger Tor wehen die deutsche und die Berliner Fahne auf halbmast. Es ist ähnlich viel los wie sonst. Touristen flanieren über den Pariser Platz und posieren für Fotos. „Wir fühlen uns sicher“, sagt Janis Ellis aus Südafrika. Große Menschenmengen meidet er bei seiner Europa-Reise. Aber das sei schon vor dem Anschlag in Berlin so gewesen.

Die Pariserin Sophie Annonay schaut sich wie viele Besucher die Reste der Berliner Mauer an. „In Frankreich gibt es viele Polizisten, hier nicht“, sagt sie. Ob das besser sei, wisse sie aber nicht. Auch dass anders als in Frankreich in Deutschland keine schwer bewaffneten Soldaten zu sehen sind, fällt ihr auf.

Am Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt, der als einer der schönsten Berlins gilt, kontrollieren Sicherheitsleute die Rucksäcke. „Ich habe keine Angst, ich hoffe, dass viele Leute kommen“, sagt eine Verkäuferin an einem Stand mit gebrannten Mandeln. Ein Verkäufer am Glühweinstand sagt, es sei schon komisch, aber nicht so, dass er sich unsicher fühle. Pressesprecherin Gabriele Liebe erwartet, dass Gäste wegbleiben, aber dafür andere erst recht kommen. Nach dem Motto: „Eigentlich gehe ich nicht auf Weihnachtsmärkte, aber jetzt werde ich das tun.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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