Thilo-Sarrazin-Rücktritt: Erstaunliche Volte

KommentarThilo-Sarrazin-Rücktritt: Erstaunliche Volte

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Nach großem Hin und Her verlässt Thilo Sarrazin die Bundesbank

von Elke Pickartz

Thilo Sarrazin kehrt der Bundesbank nun freiwillig den Rücken. Aber nicht, ohne ihr bittere Zugeständnisse abzuringen

Das kam überraschend. Schon hatten sich Politik und Bundesbank auf ein langes Tauziehen mit ihrem Enfant terrible Sarrazin eingestellt: Einen zähen Arbeitsgerichtsprozess und eine quälende Medienschlacht, die wohl bis weit ins nächste Jahr gedauert hätten. Nun hat der 65-Jährige freiwillig das Handtuch geworfen – nicht im Alleingang, sondern im Einvernehmen mit der Bundesbank.

Bei den Frankfurter Währungshütern ist die Erleichterung groß, die Kuh nun endlich vom Eis zu haben. Zu sehr hatte das Ansehen der Notenbank und ihres Präsidenten Axel Weber in den letzten Wochen gelitten, auch wenn sie selbst wenig Schuld traf. Wirklich zufrieden sein kann Weber mit dem Ausgang des Streits jedoch nicht. Die Bundesbank hat eine dicke Kröte schlucken müssen, um Sarrazin so weit zu bringen: Sie nimmt offiziell ihre Äußerung zurück, der 65-jährige habe sich diskriminierend gegenüber Ausländern geäußert.

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Auf Kuhhandel eingelassen

Also was denn nun? Waren Sarrazins Äußerungen ein Problem für die Bundesbank oder nicht? Und wenn nein, wie ist dann noch seinen Rauswurf rechtfertigen? Das ist ein Widerspruch, der nicht zur sonst so klaren Haltung der Institution passt.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Um ihren missliebigen Vorstand loszuwerden und die Bundesbank aus der Schusslinie zu nehmen, haben sich die Währungshüter auf einen Kuhhandel eingelassen: Sarrazin wird moralisch rehabilitiert und kann halbwegs sein Gesicht wahren. Im Gegenzug muss er gehen und sich verpflichten, auch künftig über die Bundesbank und die Affäre kein Wort mehr zu verlieren.

Diese erstaunliche Kompromissbereitschaft, die man von Bundesbankchef Axel Weber ja sonst eher selten kennt, zeigt, wie groß der Druck war, der zuletzt auf ihm und der Notenbank lag. Diese Last ist nun abgeworfen. Die Frage bleibt, ob der Preis hierfür angemessen war. Hätte die Bundesbank nicht besser konsequent bleiben sollen, statt solche Zugeständnisse zu machen und damit neue Fragen über ihre Glaubwürdigkeit aufzuwerfen?

Auch bleibt die Frage, ob die Kuh damit wirklich vom Eis ist. Laut einer stern-Umfrage, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde, waren 50 Prozent der Bundesbürger dagegen, dass die Bundesbank ihren renitenten Vorstand entlässt. Wenn Weber Glück hat, wird die Öffentlichkeit das Kapitel „Sarrazin und die Bundesbank" schnell vergessen, wenn er Pech hat, wird sie es immer wieder aufschlagen.

Zudem ist die Gefahr groß, dass die Politik sich nun zurücklehnt, statt das intransparente Ernennungs- und Entlassungsprozedere der Bundesbank zu refomieren. Ganz nach dem Motto: Es ist ja nochmal gut gegangen. Der Leidensdruck für Reformen ist mit dem Abgang Sarrazins nun erst einmal verflogen.

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