Thomas Bach im Interview: "Grenzen nicht überschritten"

Thomas Bach im Interview: "Grenzen nicht überschritten"

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Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Thomas Bach, Sportpräsident und Wirtschaftsanwalt, über Vorwürfe aus der Siemens-Affäre, die Rolle von Netzwerken und heikle Verhandlungen im IOC.

WirtschaftsWoche: Herr Bach, ist es sinnvoll, dass Sie so viele Aufgaben in Sport und Wirtschaft angenommen haben? Ärgern Sie sich über die Kritik, in der man Ihnen intransparente Vermengung von Funktionen vorhält?

Bach: Nein, das ist keine Frage des Ärgerns. Mir machen alle Aufgaben Spaß. Ich bin in der glücklichen Situation eines Menschen, dem all das, was er tut, Freude macht, sei es im Ehrenamt oder im Beruf – auch wenn mich die eine oder andere Randerscheinung aus den letzten Tagen sehr nachdenklich gestimmt hat.

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Die Diskussionen über Siemens und Ihre dortige Beratertätigkeit sind für Sie eine Randerscheinung?

Eigentlich ja, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen. Meine Tätigkeit für Siemens war immer öffentlich. So war ich Mitglied vieler offizieller Wirtschaftsdelegationen, bei denen alle, auch die begleitenden Medien, um meine wirtschaftlichen Aufgaben wussten. Sie sind schließlich mein Beruf. Nun allerdings bin ich offensichtlich in interne Auseinandersetzungen innerhalb des Unternehmens geraten.

Und Ihre Funktionen im Sport – beim Internationalen Olympischen Komitee oder Deutschen Olympischen Sportbund sind alle ehrenamtlich?

Ja.

Jetzt sind Ihre Ämter aber sicher nicht mit denen des Vorsitzenden eines Feuerwehr-Sportclubs zu vergleichen. Sie vertreten Institutionen, die doch immer politisch und hochwirtschaftlich sind.

Schön wäre es. Wenn der DOSB hoch-wirtschaftlich wäre, dann hätte ich eine ganze Fülle von Problemen weniger. Der Sport in seiner Breite wird in Deutschland eher zu wenig als zu stark gefördert. Man darf den DOSB nicht gleichsetzen mit kommerziellem Sport wie der Fußball-Bundesliga.

Aber unter Ihnen soll das anders werden...

Das ist einer der Gründe, warum man in Ehrenämter gewählt wird. Man wird gewählt, weil die Mitglieder sich davon versprechen, dass man Erfahrungen und Netzwerke aus anderen Bereichen und eben gerade auch aus der Wirtschaft mitbringt, um hier mit potenziellen Sponsoren, Wirtschaftspartnern, glaubwürdig verhandeln zu können. Genau das war auch eine Aussage der Findungskommission für den DOSB: Wir wollen den Bach, weil er in der Wirtschaft gut vernetzt ist und weil er dem DOSB in Wirtschaft und Politik Gehör verschaffen kann.

Sie haben also Ihre wirtschaftlichen Mandate und Beraterverhältnisse nicht verschwiegen?

Nein, wie könnte man das auch? Meine Tätigkeit als Wirtschaftsanwalt ist allgemein bekannt.

Gut, aber hinter verschlossenen Türen kommuniziert...

Auch das stimmt nicht. Meine Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsmandate stehen in jedem Geschäftsbericht. Darüber hinaus habe ich alle meine Mandate auf eigene Initiative hin der damaligen DOSB-Findungskommission offengelegt und nach meiner Wahl zum DOSB-Präsidenten erstmals für einen deutschen Sportverband die Position eines Governance-Beauftragten eingerichtet und auch diesen entsprechend informiert.

Mit welchen Aufgaben?

Unter anderem, möglichen Interessenkonflikten vorzubeugen. Wir waren sehr froh, dass BDI-Präsident Thumann diese Aufgabe übernommen hat. Auch er ist Geschäftsmann, der gleichzeitig BDI-Präsident ist und auch für einige Jahre als Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ehrenamtlich tätig war.

Sind Sie denn beim IOC, bei dem es um deutlich mehr Geld als beim Deutschen Sport geht, genauso vorgegangen?

Ja. Im IOC gibt es einen eigenen Ethikcode mit einer eigens dafür eingerichteten Ethikkommission, der jedes Mitglied Interessenkonflikte anzeigen muss. An diese Regeln habe ich mich in vollem Umfang gehalten. Das hat die Ehtikkommission aus aktuellem Anlass in diesen Tagen noch einmal bestätigt.

Gab es denn schon mal einen Interessenkonflikt?

Ich habe in einem Fall einen möglichen Interessenkonflikt angezeigt. Dabei ging es im Exekutiv-Komitee um eine Frage, die mit Siemens zu tun haben könnte. Auch dort bestand tatsächlich kein Interessenkonflikt. Da aber ein Dritter einen solchen Konflikt hätte konstruieren können, habe ich auf meine Tätigkeit für Siemens hingewiesen und dann den Raum verlassen. Es gab also größtmögliche Transparenz.

War es denn sinnvoll, ausgerechnet ein Verwaltungsratsmandat von Siemens in der Schweiz anzunehmen – also dort, wo auch das IOC seinen Sitz hat? Das lädt doch geradezu ein zu Spekulationen.

Diese Entscheidung hatte mit dem IOC überhaupt nichts zu tun. Im Übrigen bin ich kein operatives, sondern ein passives Mitglied des Verwaltungsrates. Schon deshalb habe ich mit Aufträgen für das Unternehmen nichts zu tun, Gleiches gilt für meine anwaltliche Beratertätigkeit für die Siemens AG.

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