Flüchtlinge: 280.000 Asylsuchende kamen 2016 nach Deutschland

Thomas de Maizière: Viel weniger Asylsuchende im Vorjahr

, aktualisiert 11. Januar 2017, 14:19 Uhr
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Nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière kamen 2016 weniger Asylsuchende nach Deutschland.

Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland hat 2016 stark nachgelassen. Dafür gab es mehr Asylanträge. Es sei gelungen, die Situation in den Griff zu bekommen, bilanziert de Maizière.

Die Zahl der Asylsuchenden ist in Deutschland 2016 drastisch zurückgegangen. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, suchten im vergangenen Jahr noch 280.000 Menschen hierzulande Schutz - damit lag diese Zahl um gut zwei Drittel niedriger als im Rekordjahr 2015 mit 890.000 Asylsuchenden. „Es ist gelungen, das Migrationsgeschehen zu ordnen, zu steuern“, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU).

Die Zahl der Asylanträge stieg 2016 auf 745.545 - das waren 268.869 mehr als im Vorjahr. Ein großer Teil der Antragsteller war bereits 2015 eingereist. Viele von ihnen konnten aber wegen der Überlastung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht sofort einen Antrag stellen. „Der Berg unerledigter Anträge wird abgetragen“, sagte de Maizière nun.

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Das BAMF habe im Vorjahr die Zahl seiner Asylentscheidungen erheblich gesteigert, hob der Minister hervor - auf zuletzt gut 695.000, etwa 146 Prozent mehr als 2015. Zudem konnte im vierten Quartal 2016 auch die Zahl der anhängigen Verfahren deutlich von etwa 579.000 (Ende September) auf 434.000 (Ende Dezember), also um 25 Prozent, abgebaut werden, hieß es aus dem Ministerium.

Unternehmen und Flüchtlinge

  • Daimler

    Rund 300 Flüchtlinge haben in diesem Jahr ein Brückenpraktikum bei dem Stuttgarter Autobauer gemacht. Ab September sollen nach Angaben Daimlers nochmals etwa 300 Praktikanten beginnen. Die Brückenpraktika beinhalten neben der Arbeit in der Firma auch Deutschkurse. Danach vermittelt Daimler die Absolventen an Unternehmen oder Zeitarbeitsfirmen. Der Autobauer hat außerdem 50 zusätzliche Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zugesagt.

  • Volkswagen

    Seit Februar dieses Jahres bietet Volkswagen an seinen Konzernstandorten direkt oder gemeinsam mit Bildungsträgern unter anderem Sprachqualifizierungen für über 1100 Flüchtlinge an. Bei Praktika können nach Angaben des Konzerns außerdem 240 Menschen bei Volkswagen arbeiten. Gesonderte Einstellungsprogramme für Flüchtlinge gebe es jedoch nicht.

  • Deutsche Bahn

    Rund 120 Menschen haben nach Angaben der DB in diesem Jahr an verschiedenen Qualifikationsprogrammen teilgenommen. Im September hätten 11 junge Flüchtlinge in Berlin eine Berufsausbildung begonnen, erklärt eine Sprecherin. Wie viel DB in die Flüchtlingshilfe investiere, könne man nicht genau beziffern, es bewege sich aber im einstelligen Millionenbereich. Der Konzern biete außerdem Umschulungen, zum Beispiel zum Elektroniker, an.

  • BASF

    Bei dem Chemiekonzern sind nach Unternehmensangaben im September 19 Flüchtlinge in ein Berufsvorbereitungsprogramm gestartet. Das Programm bereite die Menschen gezielt auf eine Ausbildung bei einem Partnerbetrieb von BASF vor, erklärt eine Sprecherin. Insgesamt bietet das Unternehmen rund 300 Plätze in verschiedenen Projekten, die unter anderem Sprachförderung, Berufsorientierung und Bewerbungstraining beinhalten.

  • Allianz

    Seit November 2015 veranstaltet der Versicherer in seiner Hauptverwaltung im bayerischen Unterföhring vierteljährlich „Practice Days“ für Flüchtlinge. Bisher haben nach Allianz-Angaben 29 Menschen an den Schnuppertagen teilgenommen, 25 erhielten danach ein Praktikum für ein bis drei Monate. Zwei Praktikanten haben nach Angaben der Allianz im September eine Ausbildung zum Koch begonnen.

  • Adidas

    Der Sportartikelhersteller bietet in diesem Jahr nach eigenen Angaben mindestens 30 Flüchtlingen ein Praktikum an. Im Rahmen einer Integrationsklasse hätten zehn junge Menschen für vier Wochen bei der Adidas Gruppe mit Sitz im bayerischen Herzogenaurach ein Praktikum absolviert. Außerdem werden nach Unternehmensangaben auch Sprachunterricht, Workshops zu interkultureller Kommunikation, Bewerbertrainings und Sportkurse angeboten.

  • Siemens

    Bis zu 100 Flüchtlinge sollen nach Angaben des Unternehmens 2016 als Praktikanten eingestellt werden. Bis August wurden 72 der Stellen vermittelt. Die Praktika werden von Siemens-Mitarbeitern begleitet. Seit März organisiert der Konzern Förderklassen für Flüchtlinge mit Sprachförderung und berufsvorbereitende Maßnahmen im Bereich Mechanik und Elektronik.

  • Henkel

    Im Düsseldorfer Ausbildungszentrum des Konzerns haben nach Unternehmensangaben bisher rund 100 Flüchtlinge an verschiedenen Programmen teilgenommen. Daraus seien auch schon erste Festanstellungen oder Ausbildungsverhältnisse entstanden, erklärt Henkel. Außerdem werden unter anderem Praktika, Hospitationen und Coachings angeboten.

  • Bosch

    2016 bietet der Autozulieferer nach eigenen Angaben rund 400 zusätzliche Praktika an etwa 30 Standorten für Flüchtlinge an. Sie sollen damit auf den Arbeitsmarkt oder eine Ausbildung vorbereitet werden. Da der Konzern aus Gerlingen (Baden-Württemberg) generell viele Bewerbungen bekomme, gebe es nicht viele offene Stellen für Flüchtlinge. Mit den passenden Qualifikationen und einer Arbeitserlaubnis hätten diese aber die gleichen Chancen wie alle anderen Bewerber, betont Bosch.

  • Opel

    Auch beim Rüsselsheimer Autobauer haben nach Konzernangaben junge Menschen mit Fluchthintergrund eine Ausbildung angefangen. Bei Opel-Händlern seien mehr als 100 Menschen für Praktika oder Ausbildungen übernommen worden. Gemeinsam mit anderen Partnern vermittelt Opel über die Initiative „In Charge“ Mentoren, die den Flüchtlingen im Alltag Hilfestellungen geben sollen. Beim Autobauer gibt es nach eigenen Angaben derzeit 150 Mentoren.

  • Viessmann

    Der Heiztechnikhersteller aus Allendorf (Hessen) führt seit 2015 Schulungsprogramme für Flüchtlinge durch. Rund 50 Menschen werden bis Herbst dieses Jahres daran teilgenommen haben, wie Viessmann mitteilt. Das Programm kombiniert Sprachunterricht und Hospitationen im Unternehmen. Erste Teilnehmer der Schulung sollen nach Unternehmensangaben bald eine feste Beschäftigung bekommen.

Der Minister betonte, „dass die Maßnahmen, die die Bundesregierung und die Europäische Union ergriffen haben, greifen“. Nach den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres seien das EU-Türkei-Abkommen gekommen und die Balkanroute geschlossen worden.

Der bisherige BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, für Asylbewerber in Deutschland seien die Bedingungen erheblich verbessert, die Wartezeiten wesentlich verkürzt und die Übergänge in den Arbeitsmarkt wesentlich beschleunigt worden. Früher habe es drei Monate und länger gedauert, bis ein Asylbewerber seinen Antrag gestellt hatte, jetzt dauere das in der Regel nur einen halben Monat.

Auch die Bearbeitungsdauer sei verringert worden, auf zwei Monate im Schnitt. Entsprechende Kritik an den Asylverfahren sei „erledigt“, so de Maizière. Alle Flüchtlinge seien inzwischen registriert, Doppelidentitäten gebe es nicht mehr, erklärte Weise. Der Schutz vor Asylbetrug sei „wesentlich verbessert“ worden.

Die Schutzquote lag im Vorjahr nach Angaben de Maizières bei 62 Prozent. Die größte Gruppe unter den Schutzsuchenden stellen derzeit die Syrer (36 Prozent), in deren Heimatland ein Krieg tobt, dessen Ende noch nicht absehbar ist. Zu den Hauptherkunftsländern zählten 2016 außerdem Afghanistan (17 Prozent) und der Irak (13 Prozent).

Das Thema der Integration dieser Menschen „wird uns über viele Jahre beschäftigen - alle staatlichen Ebenen“, fügte der Minister hinzu. Bei Integrationskursen gebe es aber schon einen „gewaltigen Aufwuchs“.

Nach dem offiziellen Verteilschlüssel stellten mit rund 197.000 Asylbewerbern die meisten ihren Antrag in Nordrhein-Westfalen, es folgten Baden-Württemberg mit etwa 85.000, Niedersachsen mit 83.000 und Bayern mit 82.000.

De Maizière verwies darauf, dass auch die Rückkehrerzahlen aus Deutschland in die Herkunftsländer 2016 gestiegen seien, es gab etwa 55.000 Freiwillige (2014: 13.000; 2015: 25.000) und 25.000 Abschiebungen. Das sei „sehr viel - viel mehr als je zuvor“, es müssten aber noch mehr werden.

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