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Thomas Reitz im Interview: „Lohndumping schadet“

von Reinhold Böhmer

Warum der Deutschland-Chef der Leiharbeitsfirma Manpower für seine Branche einen Mindestlohn fordert.

Thomas Reitz, Deutschland-Chef von Manpower
Thomas Reitz, Deutschland-Chef von Manpower

WirtschaftsWoche: Herr Reitz, warum fordern jetzt auch die beiden führenden Verbände der Zeitarbeitsbranche, BZA und iGZ, einen Mindestlohn?

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Reitz: Beim Mindestlohn für Zeitarbeit schlagen, das räume ich ein, zwei Herzen in meiner Brust. Persönlich wende ich mich eigentlich gegen Mindestlöhne. Am Ende des Tages jedoch fordere ich zusammen mit Manpower und namhaften Wettbewerbern einen Mindestlohn in der Zeitarbeit, um unsere Branche abzusichern gegen die Öffnung des Arbeitsmarktes im kommenden Jahr für unsere EU-Nachbarn im Osten. Die würden hier einen Wettbewerb mit Niedriglöhnen entfachen, die wir durch unsere Tarifbindung nicht bezahlen dürften und auch nicht wollen. Ein solcher Wettbewerb ginge zulasten aller Zeitarbeitnehmer in Deutschland, was wir verhindern müssen.

Fürchten Sie in Wirklichkeit nicht um das eigene Geschäft, das seit drei Jahren boomt wie noch nie?

Das ist zu vordergründig. Beim Mindestlohn geht es um die generelle Zukunft der Zeitarbeit in Deutschland. Die Gewerkschaften mobilisieren und sammeln wieder Punkte gegen uns. Ein Mindestlohn von rund 7,40 Euro pro Stunde, wie er bereits in unserem Tarifvertrag steht, würde die Kritiker besänftigen.

Der Branchenverband AMP, in dem mittelständische Zeitarbeitsunternehmen organisiert sind, wirft Ihnen vor, Sie forderten den Mindestlohn nur, um deutsche Konkurrenten auszuschalten.

Es gibt Zeitarbeitsfirmen, die in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit sehr niedrige Löhne zahlen. Ich gebe den Gewerkschaften im DGB, mit denen wir zu tun haben, nicht häufig recht. Aber ich unterschreibe deren Argument, dass eine Vollzeitkraft hierzulande so viel verdienen soll, dass sie damit ohne staatliche Zuschüsse auskommt. Wir reden hier von einem Mindestlohn, der in Westdeutschland knapp 1000 Euro netto im Monat entspricht. Diesen Mindeststandard sollten wir nicht unterlaufen.

Auch wenn Sie dadurch andere Zeitarbeitsunternehmen plattmachen?

Ja, auch wenn dadurch andere Zeitarbeitsfirmen ausscheiden. Wer Lohndumping praktiziert, der schadet dadurch der Zeitarbeit in Deutschland insgesamt.

Ist es vom Mindestlohn nicht nur noch ein kleiner Schritt zu dem, was zum Beispiel die IG Metall fordert: Leiharbeitskräfte sollen genau so viel verdienen wie die Beschäftigten in den Einsatzbetrieben?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Gleichbezahlung nach sechs Wochen, wie es zurzeit auf EU-Ebene diskutiert wird, ist völlig indiskutabel, weil dies administrativ kaum zu machen und den Zeitarbeiternehmern nicht zuzumuten ist. Zudem würden die Einsatzbetriebe die Zeitarbeitnehmer nach sechs Wochen einfach gegen neue austauschen. Ein solches Heuern und Feuern kann niemand wollen.

In Frankreich gehört derlei zum Alltag in der Zeitarbeit.

In Frankreich handeln die Zeitarbeitsfirmen wie Agenturen und vermitteln die Arbeitskräfte im Wesentlichen nur für kurze Zeit. Dabei können die Mitarbeiter sogar mehr verdienen im Einsatzbetrieb, allerdings ohne Kündigungsschutz oder soziale Sicherheiten wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. In Deutschland dagegen sind Zeitarbeitsfirmen echte Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter in der Regel unbefristet einstellen – und das wirtschaftliche Risiko tragen, sie eine gewisse Zeit nicht einsetzen zu können. Darauf haben sich der DGB und der Zeitarbeitsverband BZA geeinigt. Ein Mix des Agentur- und des Arbeitgebermodells geht nicht.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 01.03.2008, 21:03 UhrAnonymer Benutzer: Dr. Klaus Möckelmann

    Die Aussagen von Herrn Thomas Reitz sind schlüssig. Auch wenn ich im Prinzip gegen staatlich reglemenierte und gewrkschaftlich fixierte Löhne bin, halte ich eine Lohn-Untergrenze, die auf niedrigem Niveau deutlich unter dem Durchschnittslohn liegt, für sinnvoll. Das Argument, man solle von dem Lohn für eine volle Arbeitsleistung auch leben können, für eine Regel, die gut in eine soziale Marktwirtschaft paßt.

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