Thorsten Schäfer-Gümbel: "Ich will CDU und FDP ablösen"

ThemaWahlen 2017

InterviewThorsten Schäfer-Gümbel: "Ich will CDU und FDP ablösen"

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Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel will den Wählern keine Entlastungen versprechen. Länder und Kommunen sind massiv unterfinanziert

von Max Haerder

Am 22. September wird nicht nur über die Kanzlerschaft entschieden, auch Hessen wählt einen neuen Ministerpräsidenten. Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel spricht im Interview über seine Abneigung gegen die Linkspartei, notwendige Steuererhöhungen und das Klischee vom bösen Banker.

WirtschaftsWoche: Herr Schäfer-Gümbel, Sie hatten bereits mehrere SPD-Ministerpräsidenten im hessischen Wahlkampf zu Gast. Wen nehmen Sie sich zum Vorbild?

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Ich gehe meinen eigenen Weg. Die Situation der hessischen SPD ist ja ohnehin besonders. Es gibt aber Parteifreunde, die mich inspirieren, Malu Dreyer oder Hannelore Kraft zum Beispiel. Auch Olaf Scholz zählt dazu.

Haben Sie von einem der Kollegen einen Rat bekommen, den Sie beherzigen?

Der Rat ist immer der gleiche: Bleib Du selbst.

Vor einigen Monaten lag Rot-Grün in Hessen noch deutlich vor Schwarz-Gelb. Kurz vor der Wahl ist das Rennen wieder offen. Das sollte Sie nervös machen.

Das überrascht mich nicht. Hessen war fast immer ein enges Rennen. Die SPD liegt stabil um die 30 Prozent und andere schwanken eben stärker – nach unten und nach oben. Es wird knapp, ganz klar.

Vor wenigen Jahre lang die SPD nach dem Ypsilanti-Wortbruch darnieder. Ist die bessere Lage heute allein Ihr Verdienst?

Wir hatten damals eine existenzielle Krise der SPD und es haben viele mitgeholfen, da wieder rauszukommen. Das hätte auch anders ausgehen können.

Zahlen zur SPD

  • Viele Aufs und Abs

    150 Jahre Sozialdemokratie - das ist eine Geschichte vieler Auf und Abs. Die Zeiten mit über einer Million Mitglieder sind lange vorbei. Ein Überblick - die Zahlen beruhen auf SPD-Angaben.

  • Mitglieder

    Ende März waren es 474 481. Der Höchststand wurde in der Weimarer Republik erreicht: Mit 1,261 Millionen im Jahr 1923. Das Durchschnittsalter liegt heute bei 59 Jahren - das älteste Mitglied ist 107. Die längste Mitgliedschaft betrug 88 Jahre.

  • Ortsvereine

    Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 90er Jahren bis zu 10.000.

  • Finanzen

    2011 betrugen die Einnahmen 155 Millionen, die Ausgaben 141 Millionen - allein der aktuelle Bundestagswahlkampf kostet über 20 Millionen Euro. Solche Jahre werden in der Regel mit einem Minus abgeschlossen.

  • Spenden und Beiträge

    2011 erhielt die Partei 12 Millionen an Spenden, die Mitglieder zahlten zudem 70 Millionen an Beiträgen, 2010 waren es 68 Millionen. Die Spenden steigen im Wahljahr meist an. 2009 lagen sie zum Beispiel bei 18,7 Millionen Euro.

Hessen ist Bankenland. Wenn man manchem Spitzenmann der SPD zuhört, könnte man meinen, Banken und Banker seien per se böse.

Das halte ich für ein Vorurteil.

Und warum?

Wir alle brauchen für eine funktionierende Wirtschaft auch ein vielfältiges Bankensystem. Der Finanzplatz Frankfurt ist deshalb nichts Böses, sondern schlicht notwendig. Ich sage deshalb: Unser Ziel ist die Stärkung des ehrbaren Kaufmanns. Ich habe so viele Banker von Vorständen bis zu Filialangestellten kennen gelernt, die einfach nur ordentlich Ihre Arbeit machen wollen. Die sehen uns Politiker mittlerweile als Verbündete gegen Zocker. Ich finde, der Standort Frankfurt ist in bestimmten Bereichen stärker als London – nehmen Sie nur die EZB oder die kommende EU-Bankenaufsicht. In London kann man sicher schneller viel Geld machen, aber das hat eben auch Nachteile.

Aber dann muss es Sie doch gewaltig ärgern, wenn SPD-Chef Sigmar Gabriel pauschal über asoziale Banker herzieht.

Ich glaube nicht, dass er das so pauschal gemeint hat. Ein Teil der Banker hat Mist gebaut und sieht das bis heute nicht ein. Aber das ist die klare Minderheit.

Die Wirtschaftslage in Hessen ist gut. Was hat die amtierende Landesregierung denn überhaupt falsch gemacht?

Die Lage ist gut trotz dieser Landesregierung. CDU und FDP haben wenig Impulse gesetzt. Allein der Investitionsstau bei der Infrastruktur beträgt für Hessen rund 10 Milliarden Euro bis 2020.Die Straßen und Schienen verrotten, die Landesregierung zuckt nur mit den Achseln. Die Debatte um die Pkw-Maut ist doch das faktische Eingeständnis, dass wir mehr Geld brauchen. Auch wenn es um neue Industriecluster, also die Verbindung von Wirtschaft und Hochschule geht, passiert gar nichts. Die Regierung schreibt lieber ordnungspolitische Grundsatzpapiere als ganz praktisch für gute Rahmenbedingungen zu sorgen.

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