
Nach dem dritten tödlichen Anschlag auf die Bundeswehr in neun Tagen ist die Diskussion über Ausrüstung und Strategie der Truppe in Afghanistan neu entbrannt. Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus kritisierte, dass die Beschaffung von geschützten Fahrzeugen für das Räumen von Sprengfallen zu lange dauert. Der Bundeswehrverband und die Grünen forderten, die Afghanistan-Strategie auf den Prüfstand zu stellen.
In den vergangenen neun Tagen waren vier Bundeswehrsoldaten bei Anschlägen getötet und zwölf verletzt worden. In Hannover fand am Freitag die Trauerfeier für drei der Gefallenen statt, an der auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) teilnahm. Insgesamt versammelten sich 450 Angehörige, Kameraden und Freunde in der Epiphaniaskirche, um den Soldaten im Alter von 31, 33 und 43 Jahren die letzte Ehre zu erweisen.
Der Bundeswehrverband forderte unterdessen eine Überprüfung der politischen und strategischen Konzepte für den Einsatz am Hindukusch. „Die Taliban legen derzeit ein erschreckendes Tempo bei ihren Anschlägen vor. Es wird Zeit, dass Bundesregierung und Parlament reagieren“, erklärte Verbandschef Ulrich Kirsch.
Die Antworten der deutschen Politik auf die Situation in Afghanistan seien nicht ausreichend. Die Soldaten verdienten „mehr als das immer gleiche „weiter so““, sagte Kirsch. „Wer deutsche Soldaten in den Krieg schickt, schuldet ihnen eine regelmäßige Überprüfung der Grundlagen und Ziele des Einsatzes.“ Grünen-Chefin Claudia Roth verlangte „eine politische Debatte über die seit Monaten andauernde Offensivstrategie der Isaf in Afghanistan, die bislang auch von der Bundesregierung unterstützt wird“. Diese Strategie führe offenkundig nicht zu einer zunehmenden Stabilisierung Afghanistans. Die Linken forderten erneut, „die Bundeswehr unverzüglich aus Afghanistan abzuziehen“.
Außenminister Guido Westerwelle warnte davor, sich wegen der neuen Anschläge von der bisherigen Afghanistan-Strategie abzuwenden. „Wir müssen weiter alles tun, damit die Afghanen möglichst bald selbst die Verantwortung in ihrem Land übernehmen können“, sagte der FDP- Politiker während eines Besuchs in Neuseeland. „Der Weg der inneren Aussöhnung ist äußerst schwierig, aber ohne vernünftige Alternative.“ Bei dem jüngsten Anschlag am Donnerstag war ein Schützenpanzer vom Typ „Marder“ von einem Sprengsatz getroffen worden. Der Wehrbeauftragte Königshaus wies in der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“ darauf hin, dass die US-Streitkräfte bereits über besonders geschützte Fahrzeuge verfügten, aus denen heraus Sprengfallen per Roboterarm beseitigt werden könnten. Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan sollten 2012 zwar vergleichbares Gerät erhalten. „Jeder Tag Wartezeit ohne solche Spezialfahrzeuge ist aber ein Tag zu viel.“ Mit dem neuen Anschlag vom Donnerstag sind 34 Bundeswehr-Angehörige bei Gefechten oder Anschlägen in Afghanistan gefallen, insgesamt kamen dort 52 deutsche Soldaten ums Leben.















