Trump und die Wirtschaft: Der Honeymoon ist vorbei

Trump und die Wirtschaft: Der Honeymoon ist vorbei

, aktualisiert 04. Februar 2017, 10:58 Uhr
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Die US-Wirtschaft muss sich entscheiden, ob sie weiter mit Trump kooperiert.

von Moritz KochQuelle:Handelsblatt Online

Trump ist für die US-Wirtschaft Fluch und Segen zugleich. Der US-Präsident macht den Konzernen Geschenke, doch die Kunden drohen mit Ächtung der Produkte. Die Konzernchefs stehen vor der Wahl: Boykott oder Kooperation.

WashingtonAm Freitag war wieder Showtime im Weißen Haus, Donald Trump war in seiner Lieblingsrolle zu sehen: als zupackender Boss der America, Inc. Umgeben von der Wirtschaftselite des Landes im Weißen Haus sitzt er da, alle Augen und Objektive auf ihn gerichtet. Trump spricht von seinem Versprechen, die amerikanische Industrie zu altem Glanz zu führen: „Wir bringen Jobs zurück. Wir bringen die Steuersätze runter. Wir werden eure Regulierungslasten senken.“

Was die Kameras nicht einfangen, sind die Zweifel, die Zerrissenheit, die Skrupel, die viele der anwesenden Unternehmenschefs mit sich herumtragen. Trump ist Fluch und Segen für Amerikas Spitzenmanager, auch jene, die zu seinem Wirtschaftsrat zählen. Die Regierung verspricht weniger Steuern und weniger Vorschriften, sie treibt aber auch ihre geschäftsschädigende Vision einer Festung Amerika voran. Trump verhängt Einreisesperren gegen sieben muslimische Länder, droht mit Zollstrafen und treibt Pläne zum Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko voran.

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Erst zwei Wochen ist die Trump-Ära alt, doch schon gibt es Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen Banken, Ölkonzerne und Bergbau-Unternehmen. Sie beglückt der neue Präsident und seine republikanischen Parteifreunde im Kongress. Trump lockert die Finanzreform seines Vorgängers Barack Obama. Das Abgeordnetenhaus beschließt, Ölfirmen von der Last zu befreien, ihre (Schmier-)Geldzahlungen an ausländische Regierungen offenzulegen. Und der Senat verabschiedet ein Reformgesetz, das mit einer Vorschrift aufräumt, die Gebirgsbäche und Flüsse in Bergbaugebieten schützen soll.


Einreiseverbote stoßen auf harsche Kritik

Auch der Autoindustrie, die Trump in den vergangenen Wochen immer wieder für ihre Investitionen in Mexiko attackiert hatte, stellt die Regierung in Aussicht, die Umweltauflagen zu lockern. Sehr zur Freude von GM-Chefin Mary Barra, die am Freitag im Weißen Haus neben ihm sitzt. Konzerne wie GM und JP Morgan Chase tun alles dafür, der neuen Regierung zu gefallen. Kritik? Fehlanzeige. Trump kann mit einem bösen Tweet einen Kursrutsch an der Börse auflösen, da erscheint es ratsam, sich gut mit dem neuen Machthaber zu stellen.
Doch immer mehr Unternehmen brechen ihr Schweigen, für sie ist der Honeymoon mit der neuen Regierung vorbei. Vor allem die Einreisesperren stoßen bei vielen Konzernen auf scharfe Ablehnung. Trump ist in den USA so umstritten, dass schon der Dialog mit ihm ein Risiko bedeutet. Disney-Chef Bob Iger fehlt am Freitag, angeblich gab es Terminschwierigkeiten. Uber-Chef Travis Kalanick hat entschieden, Trump Wirtschaftsrat ganz zu verlassen, zu toxisch ist der Präsident geworden.

Boykottaufrufe gegen Firmen, die sich auf Trump einlassen, zeigen Wirkung. Uber hat in den Tagen zuvor 200.000 Kunden verloren. Gegenwind bekommt auch Elon Musk zu spüren. Der als Wunderkind der US-Wirtschaft gefeierte Gründer von Erfolgsfirmen wie Tesla und Solar City will den Kontakt zum Weißen Haus nicht abreißen lassen – um im direkten Gespräch „Einwände gegen die Einreisesperren zum Ausdruck zu bringen“, wie er behauptet. Die Quittung gibt es von wütenden Kunden. Die Website Buzzfeed berichtet, dass erste Bestellungen von teuren Tesla-Autos storniert werden.

Am Freitagabend entscheidet ein Gericht in Seattle, die Umsetzung der Einreisesperren landesweit zu stoppen, offenbar wegen schwerer verfassungsrechtlicher Bedenken. Die Regierung veröffentlicht ein wütendes Statement. „Schandhaft“, nennt sie das Urteil und kündigt an, „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“ in Revision zu gehen. Der Kampf um Trumps Abschottungspolitik hat gerade erst begonnen – und die amerikanischen Unternehmen müssen entscheiden, auf welcher Seite sie stehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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