TV-Duell in NRW: Die Qual der Wahl

TV-Duell in NRW: Die Qual der Wahl

, aktualisiert 02. Mai 2017, 23:57 Uhr
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Armin Laschet, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) debattieren im Fernsehstudio. Am 14. Mai findet in Nordrhein-Westfalen die Landtagswahl statt.

von Kathrin WitschQuelle:Handelsblatt Online

Knapp zwei Wochen vor den Wahlen in NRW machen die beiden Spitzenkandidaten von SPD und CDU im TV-Duell eines deutlich: Die großen Unterschiede sucht man zwischen Hannelore Kraft und Armin Laschet vergeblich.

DüsseldorfHannelore Kraft wirkt in ihrem SPD-roten Blazer selbstsicher und ruhig, während sie entspannt lächelnd in die Kamera schaut, die Hände auf dem Pult vor sich gefaltet. Armin Laschet (CDU) steht mit heruntergezogenen Mundwinkeln und zusammengekrümmten Augenbrauen neben der amtierenden Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen und versucht krampfhaft, nicht angestrengt auszusehen.

Auf den ersten Blick wirken die Spitzenkandidaten der zwei größten Parteien, als ob sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber nach 60 Minuten TV-Duell wird klar, dass das einzige, was SPD und CDU in NRW trennt, die Anzahl der Wählerstimmen ist.

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Eigentlich also alles wie gehabt in der „Wahlkampfarena“, in die der WDR am Dienstag, zwölf Tage vor den Landtagswahlen zwischen Rhein und Ruhr geladen hat. Die Themen sind vorgegeben: Innere Sicherheit, Bildung, Infrastruktur, Wirtschaft und Wunschpartner bei der Regierungsbildung.

Die Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland werden vor allem im politischen Berlin mit Spannung erwartet, sie gelten als Blaupause für den Bund. Obwohl die SPD seit der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten Mitte Januar verlässlich die Umfragen angeführt hatte, konnte die CDU ihren Abstand zur Regierungspartei in der vergangenen Woche zum ersten Mal verkleinern. Die SPD würde demnach auf 34 bis 37 Prozent, die CDU auf 27 bis 34 Prozent kommen.

Armin Laschet werden allgemein hin nicht viele Chancen auf den Wahlsieg ausgerechnet, weswegen der gebürtige Aachener gleich zu Beginn aufs Ganze geht, während die SPD-Vorsitzende sich noch in vornehmer Zurückhaltung versucht.

Ein Thema, bei dem Laschet verlässlich punkten kann, ist wie so oft in den letzten Wochen, die Innere Sicherheit. Hier hat er einen großen Vorteil: Er kann der Amtsinhaberin alles vorhalten, was in NRW nicht rundläuft. Weil die Sicherheitsbehörden in NRW den islamistischen Attentäter von Berlin, Anis Amri, nicht vorher gestoppt haben, obwohl es genug Anlässe für eine Inhaftierung gegeben hatte, steht Krafts Innenminister Ralf Jäger stark in der Kritik. Eigentlich ist er schon seit den Ereignissen an Silvester 2015 in Köln unter Dauerbeschuss. Das Thema Innere Sicherheit wird deswegen ein Selbstläufer für CDU, FDP und Linke, die keine Chance ungenutzt lassen, Kraft immer wieder aufzufordern ihren Innenminister „endlich“ zum Rücktritt zu zwingen.

Kraft, nunmehr seit sieben Jahren im Amt, muss sich verteidigen. Und stellt sich zunächst hinter Jäger: „Bisher gibt es für mich keinen Anlass, ihn nach Hause zu schicken.“


Beim Thema Integration einig

Anfangs eher defensiv, fährt sie ihrem Gegner im Verlauf des Duells entschiedener in die Parade: „Dadurch, dass man es wiederholt, wird Unwahres nicht wahr, Herr Laschet!“ Die ursprünglich vorgesehene Redezeit von 90 Sekunden pro Antwort existiert bereits nach der ersten Frage nur noch auf dem Papier. Und Hannelore Kraft, einmal aus der Reserve gelockt, übernimmt kurzerhand den Job der beiden Moderatorinnen, tut sich damit aber keinen Gefallen.

Immer wieder wird sie laut, herrscht ihren Herausforderer an und fällt ihm ins Wort. Dann, wie als ob sie sich daran erinnert, dass sie sich zusammenreißen muss, lässt sie Laschet ausreden, macht sich zwischendurch Notizen und antwortet in einem ruhigeren Ton. Laschet, der zunächst noch unsicher wirkt, gewinnt nach der ersten Runde immer mehr an Souveränität. Dann fällt er zwar den Moderatorinnen ab und zu ins Wort, bei der Ministerpräsidentin zeigt sich der CDU-Vorsitzende dann aber doch etwas zurückhaltender.

Über weite Strecken ist die einstündige Sendung allerdings ein Disput unter Fachleuten. Ob beim Thema Infrastruktur, oder Unterrichtsausfall, spätestens beim Begriff Kita-Träger-Gesetz kann der Zuschauer nicht mehr folgen. Die Kontrahenten verlieren sich in den kleinsten Details. Dabei liegen beide inhaltlich nicht weit auseinander, versuchen aber künstlich eine Kontroverse aufzubauen, die es gar nicht gibt.

Nur beim Thema Integration sind sich beide ganz ungekünstelt einig. „Jeder, der sich hier einbringt, Steuern bezahlt und integriert, der ist für mich NRW“, sagt Kraft. „Stimmt“, entgegnet Laschet lächelnd. Einig sind sich beide auch, dass man mehr Lehrer, mehr Polizisten und Wahlfreiheit bei G8 und G9 bräuchte. Das Streitthema Inklusion wurde sowohl von den Moderatorinnen, als auch von den Kandidaten ausgespart.

Zu möglichen Koalitionen wollten sich die Politiker nicht eindeutig äußern. Tabu ist für beide die AfD. Kraft hofft auf ein Bündnis mit dem „Lieblingspartner“, den Grünen. Doch den aktuellen Meinungsumfragen zufolge hätte die regierende rot-grüne Koalition keine Mehrheit mehr. Deutlich ist nach sechzig Minuten allerdings auch, dass eine große Koalition mit diesen zwei Spitzenkandidaten auch in Nordrhein-Westfalen eine realistische Option wäre.
Schaut man auf die Redezeit, sind beide am Ende fast gleichauf. Nur ein paar Sekunden Vorsprung bleiben Hannelore Kraft. Ob sich das auch in den Wahlergebnissen widerspiegelt, wird sich am 14. Mai zeigen, wenn 13 Millionen Wahlberechtigte in NRW ihr Kreuzchen machen dürfen. Denn wie sagt Armin Laschet nach dem überraschenden CDU-Sieg im Saarland immer wieder gerne: „Stimmungen sind noch lange keine Stimmen.“

Am Donnerstag treffen die beiden Kandidaten in einem nächsten TV-Duell erneut aufeinander. Dann allerdings zusammen mit den Spitzenkandidaten der anderen Parteien: Sylvia Löhrmann (Grüne), Christian Lindner (FDP), Michele Marsching (Piraten), Marcus Pretzell (AfD) und Özlem Alev Demirel (Linke).

Quelle:  Handelsblatt Online
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