TV-Duell: Was die Mimik über die Gefühle von Merkel und Steinbrück verrät

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TV-Duell: Was die Mimik über die Gefühle von Merkel und Steinbrück verrät

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Zuschauer sehen sich das TV-Duell von Merkel und Steinbrück an. In unserem Gastbeitrag zeigen wir, was viele übersehen haben

Mehr als 17 Millionen sahen am Sonntagabend das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück. Mimik-Coach Dirk Eilert hat für die WirtschaftsWoche Mimik der Kontrahenten untersucht.

Vorweg die wichtige Bemerkung: Mimik und Körpersprache können uns nur Hinweise auf den emotionalen Zustand einer Person geben, niemals handelt es sich um Beweise oder Wahrheiten. Die folgende Analyse beruht auf meiner Einschätzung der Situation, die auf meinen Beobachtungen und den neuesten wissenschaftlichen Forschungen im Bereich der nonverbalen Kommunikation basiert.

Wer war entspannter – Merkel oder Steinbrück?

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Die Bundeskanzlerin war während des TV-Duells insgesamt deutlich entspannter. Gemäß der Erwartung stand Peer Steinbrück als Herausforderer mehr unter Druck und dies war nicht nur während des Duells in Mimik und Körpersprache erkennbar, sondern auch schon im Vorbericht. Als er am Studio in Berlin-Adlershof ankam und aus dem Auto stieg, war seine Atemfrequenz sichtbar erhöht. Zum einen erkennbar am schnelleren Heben des Brustkorbs, zum anderen aber auch an dem für Peer Steinbrück typischen Gesichtsausdruck, den er in Stresssituationen zeigt: Sein Mund ist geöffnet. Der geöffnete Mund erleichtert eine bei Stress beschleunigte Atmung. Kein Wunder, bei seiner Ankunft wurde er schließlich überwiegend von Merkel-Fans begrüßt.

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Der Stresspegel war während des fast vollständigen TV-Duells deutlich erhöht. Erst gegen Ende – nach ca. 75 Minuten – wirkte Peer Steinbrück gelassener und der Stresspegel nahm ab.

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Aber eines scheint festzustehen: Zumindest von der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte er Rückendeckung. Ein Thema im Wahlkampf war und ist ja immer wieder die fehlende Unterstützung für Peer Steinbrück aus der eigenen Partei. In einem Interview mit Ulrich Deppendorf unmittelbar vor dem TV-Duell sagt Andrea Nahles: „Und ich glaube, er ist gut drauf.“ Dabei zeigt sie in ihrem Gesicht echt erlebte Freude: Die Mundwinkel sind angehoben und auch die Augen lachen mit (der äußere Augenringmuskel kontrahiert). Ein Zeichen dafür, dass sie an seinen Erfolg im Duell gegen Angela Merkel glaubt.

Was war an der Mimik von Peer Steinbrück prägend?

 

Es waren insbesondere zwei Emotionen, die bei Peer Steinbrück am häufigsten zu beobachten waren: Ärger und Betroffenheit.

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Spannenderweise insbesondere auch dann Ärger, wenn es um die gemeinsame Vergangenheit von Frau Merkel und Herrn Steinbrück in der großen Koalition ging. Dass hier eine emotionale Bombe tickt, wurde auch schon im ZDF-Sommerinterview mit Peer Steinbrück deutlich. Eine für den Ärger typische Szene zeigte sich im TV-Duell nach 25 Minuten. Der Herausforderer greift die Kanzlerin hier direkt an: „Und ich weiß von einem Interview, Frau Merkel, dass Sie gegeben haben, das erst noch gesendet wird, dass Sie der SPD eine europapolitische Unzuverlässigkeit vorwerfen. Das hat uns schon sehr getroffen. Denn wir waren es, die Ihnen auch mitgeholfen haben, eine notwendige 2/3 Mehrheit im deutschen Bundestag zu erreichen.“ Während Peer Steinbrück dies sagt, wird sein Gesicht deutlich röter, die Augenbrauen sind zusammen- und die Oberlider hochgezogen. Das sind sehr zuverlässige Signale für die Emotion Ärger. 

Die Häufigkeit von Ärger im nonverbalen Ausdruck Peer Steinbrücks zeigte sich anschließend in den ARD-Umfragewerten. Die meisten Zuschauer erlebten ihn im Vergleich mit der Kanzlerin als angriffslustiger.

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Und noch einen weiteren Aspekt hat die Umfrage der ARD ergeben: Steinbrück konnte auch in Sachen Glaubwürdigkeit punkten. Dies lag aus meiner Sicht an der zweiten Emotion, die er immer wieder zeigte: Betroffenheit. Nach ca. einer halben Stunde ging es um die Eurokrise: „In vielen Fällen ist doch diese Krise auch gar keine Verschuldenskrise. Sie ist eine Bankenkrise in vielen Ländern.“ Während Peer Steinbrück dies sagt, konnte man in Stimme und Mimik erkennen, dass ihn das wirklich betroffen macht. Er zieht die Augenbrauen-Innenseiten hoch. Ein sehr zuverlässiges Zeichen, weil es von nur zehn Prozent der Menschen bewusst ausgeführt werden kann. Und Betroffenheit unterstreicht hier wirksam seine Aussage.

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