Überforderte Soldaten: Bundeswehr startet Flüge ins Ebola-Gebiet

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Überforderte Soldaten: Bundeswehr startet Flüge ins Ebola-Gebiet

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Während sich Bundeswehrsoldaten auf den Weg ins Ebola-Gebiet machen, beklagt der Wehrbeauftragte eine dauernde Überlastung der Truppe.

Die Zahl der Ebola-Toten in Westafrika steigt. Eine Luftbrücke der Bundeswehr soll das Leid lindern. Der Wehrbeauftragte hält von häufigen Auslandeinsätzen und zu wenig Ruhepausen nichts: Die Soldaten seien überfordert.

Die Bundeswehr hat mit der Lieferung von Hilfsgütern in das westafrikanische Ebola-Gebiet begonnen. Eine Transall-Transportmaschine brachte nach Angaben des Verteidigungsministerium unter anderem medizinisches Material wie Schutzanzüge vom senegalesischen Dakar in die liberianische Hauptstadt Monrovia. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stieg die Zahl der an der in der Region ausgebrochenen Epidemie gestorbenen Menschen auf 3431. In Deutschland kam am Freitag ein zweiter Ebola-Patient an. Er wird in Frankfurt am Main auf der Isolierstation der Uniklinik behandelt. In den USA beunruhigt ein weiterer Ebola-Verdachtsfall die Menschen.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Wie eine Sprecherin der Verteidigungsministeriums der dpa sagte, wurden fünf Tonnen Hilfsgüter nach Monrovia transportiert. Zwei Transall-Maschinen sind seit wenigen Tagen in Dakar für die Luftbrücke stationiert, an der auch die USA und Frankreich beteiligt sind. Die Bundeswehr will auch freiwillige Helfer in das Ebola-Gebiet schicken. Die Ausbildung dafür soll Mitte Oktober beginnen.

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Liberia ist laut WHO am stärksten von der Epidemie betroffen. Dort starben allein 2069 Menschen an Ebola. Die Zahl der registrierten Infizierten in Guinea, Liberia und Sierra Leone stieg unterdessen auf 7470. Um die Epidemie wirkungsvoll bekämpfen zu können, veranschlagen die Vereinten Nationen 988 Millionen Dollar. Wie die UN-Nothilfekoordination mitteilte, gingen davon jedoch erst 256 Millionen Dollar (etwa 200 Millionen Euro) ein.

Chronologie der aktuellen Ebola-Epidemie

  • Dezember 2013

    Experten nehmen rückblickend an, dass es in der Region Guéckédou in Guinea den ersten Fall dieser Epidemie gibt.

  • 23.-25. März 2014

    In Guinea sind laut einem Radiobericht etwa 60 Menschen an Ebola gestorben, es gibt fast 100 Infizierte. Zwei Tage später wird Ebola auch in Liberia nachgewiesen, mindestens fünf Menschen sind bereits gestorben.

  • 23. Juni

    Am 23. Juni warnen die ersten Experten, dass die Epidemie außer Kontrolle sei.

  • 20. Juli

    In Nigeria bricht ein Regierungsberater Liberias am Flughafen zusammen. Tage später stirbt er, der Test ergibt: er hatte sich mit Ebola infiziert.

  • 7. bis 8. August

    Erstmals wird ein Ebola-Infizierter nach Europa gebracht: Spanien fliegt den Geistlichen Miguel Pajares ein. Er stirbt kurz darauf. Am 8. August stuft die WHO die Epidemie als Internationalen Gesundheitsnotfall ein.

  • 27. bis 29. August

    Erstmals kommt ein Ebola-Patient aus Westafrika nach Deutschland. Er wird in der Uniklinik Hamburg-Eppendorf behandelt. Zwei Tage später erreicht die Seuche mit einem erkrankten Studenten aus Guinea den Senegal. Der Patient gilt inzwischen als geheilt.

  • 30. September

    Eine UN-Sondermission (UNMEER) eröffnet ihr Hauptquartier in Ghana. Im US-Staat Texas wird bei einem Mann aus Liberia Ebola diagnostiziert.

  • 6. Oktober

    In Spanien hat sich eine Krankenschwester mit Ebola infiziert. Damit hat sich erstmals ein Mensch in Europa angesteckt. Die Krankenschwester hatte einen an Ebola erkrankten spanischen Priester betreut, der zur Behandlung aus Sierra Leone nach Madrid gebracht worden war und dort wenige Tage später verstarb.

  • 8. und 9. Oktober

    Der Ebola-Patient Thomas Eric Duncan in Texas stirbt. Der 42-Jährige hatte sich in Liberia infiziert, war aber erst in den USA erkrankt. Einen Tag später trifft ein dritter Ebola-Patient in Deutschland ein. Die Ärzte im Leipziger Klinikum bezeichnen den Zustand des aus dem Sudan stammenden UN-Mitarbeiters als „hochgradig kritisch“.

  • 13. und 14. Oktober

    In Liberia droht ein Streik im Gesundheitswesen die Krise zu verschärfen. Pflegekräfte fordern mehr Geld und Schutz. Am Tag darauf wird bekannt, dass der Leipziger Patient tot ist.

Währenddessen beklagte der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus die Überlastung der Bundeswehrsoldaten durch zu häufige Einsätze und schlechte Ausrüstung. Dass die Karenzzeit von 20 Monaten zwischen zwei Einsätzen nicht eingehalten werde, sei in vielen Bereichen inzwischen zur Regel geworden, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Es sind vor allem die Fähigkeiten, die wir immer als erstes anbieten, weil es in der Öffentlichkeit leichter zu vermitteln ist - zum Beispiel Lufttransport, Logistik und Sanität.“

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Solche Beiträge zu internationalen Einsätzen seien der deutschen Öffentlichkeit leichter zu vermitteln als etwa die Entsendung von Kampftruppen. „Wenn man das weiterhin so handhaben will, dann muss man eben dort die Truppe anders aufstellen und verstärken“, sagte Königshaus.

In dieser Woche war bekanntgeworden, dass bei 28 Prozent der deutschen Raketenabwehrsoldaten in der Türkei die Karenzzeiten nicht eingehalten werden. Ein Auslandseinsatz dauert in der Regel vier bis sechs Monate. Dann soll den Soldaten eine 20-monatige Pause gewährt werden. Der Wehrbeauftragte des Bundestags beklagte auch, dass die Soldaten den schlechten Zustand der Ausrüstung ausbaden müssten: „Ich habe das Gefühl, dass das Problem mehr oder weniger auf dem Rücken derjenigen ausgetragen wird, die damit arbeiten. Die müssen Mehrbelastungen hinnehmen, die teilweise wirklich nur noch schwer vertretbar sind.“

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