Übergriffe in Köln: Am Bahnhof tobt der Mob und nebenan stehen Gefängniszellen leer

Übergriffe in Köln: Am Bahnhof tobt der Mob und nebenan stehen Gefängniszellen leer

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In der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof

von Konrad Fischer

Die Anhörung des NRW-Innenministers Ralf Jäger offenbart, dass in der Kölner Silvesternacht zu einem umfassenden Organisationsversagen der Polizeispitze kam.

Ob NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) die unglaublichen Geschehnisse in der Kölner Silvesternacht politisch übersteht, werden erst die nächsten Wochen zeigen. Nach seinen umfassenden Äußerungen vor dem Düsseldorfer Innenausschuss ist nun aber zumindest klar, was die Kölner Polizei tatsächlich tat, während auf dem Bahnhofsvorplatz dutzende Täter über Stunden mehr oder weniger ungestört Frauen sexuell belästigten. So ungeheuerlich klingen die Fehler, die hier begangen wurden, dass zwischendurch sogar die Opposition gebannt zuhört, anstatt sich für den nächsten Zwischenruf bereit zu halten. Schon Jägers erster Satz gibt dabei den Ton vor. „Das Bild, das die Kölner Polizei in der Silvesternacht abgegeben hat, ist nicht akzeptabel.“ Es folgt ein Protokoll der Fehleinschätzungen. Fehleinschätzungen, die nach Jägers Einschätzung allesamt auf das Konto der Einsatzleitung gehen, während die Polizisten vor Ort „selbst darunter litten, dass sie die vielen Straftaten nicht verhindern konnten.“

Aus Jägers Sicht beginnt das Versagen schon bei der Koordination des Einsatzes. So übernimmt die Einsatzleitung ein Beamter des gehobenen Dienstes, das Ereignis wird in der Organisation damit verhältnismäßig niedrig aufgehängt. „Das war die Ursache dafür, dass im späteren Verlauf immer wieder verschiedene Beamte von einzelnen Straftaten Kenntnis erhielten, aber nie einer die gesamte Lage im Blick hatte.“ Konkret hieß das: Den Einsatz vor dem Hauptbahnhof koordinierte die lokale Polizeiinspektion, die Kölner Leitstelle, bei der im Laufe der Nacht diverse Notrufe eingingen, war immer nur mittelbar darüber informiert, was zwischen Bahnhof und Dom vor sich ging. Damit war eigentlich klar: Sollte es den Beamten vor Ort nicht möglich sein, die Lage zu beherrschen, konnte die gesamte Situation schnell aus dem Ruder laufen. Und genauso kam es, heute lässt sich dabei ziemlich genau sagen, was das Unglück seinen Lauf nahm. Denn bereits gegen 20.30 Uhr bemerkten die Beamten vor dem Bahnhof erstmals die große Gruppe junger Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft. 400 bis 500 von ihnen befanden sich vor dem Bahnhof, zündeten Böller und waren bereits heftig alkoholisiert.

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„Da hier bereits zu einem so frühen Zeitraum verhältnismäßig viele potenzielle Störer anwesend waren, hätte die Einsatzleitung die Dynamik des Abends vorausahnen müssen“, fasst es Bernd Heinen, Inspekteur der NRW-Polizei, zusammen. Schließlich bestanden zu diesem Zeitraum durchaus noch Handlungsmöglichkeiten, wie Jäger ausführt. „Der Kölner Polizei hätten vier verschiedene Wege zur Verfügung, an zusätzliches Personal zu gelangen.“ Der Spätdienst hätte im Dienst behalten werden können, stattdessen schickte man diese Beamten nach Hause, während am Dom die Böller flogen. Zudem hätte eine weitere Hundertschaft bereit gestanden, wurde aber nicht angefordert. Auch hätten in Aachen, Wuppertal und Gelsenkirchen noch Beamte bereitgestanden, die aber nicht angefordert wurden. Noch nicht einmal die verfügbaren Beamten aus den anderen Kölner Revieren wurden zusammengezogen. So füllte sich der Vorplatz immer mehr, die Stimmung wurde immer aggressiver.

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