Umbenennung: Von Hartz zum Basisgeld

Umbenennung: Von Hartz zum Basisgeld

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Peter Hartz, Namensgeber der Arbeitslosenunterstützung

von Hans Jakob Ginsburg

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will Hartz IV umbenennen – in Basisgeld. Der Hauptbetroffene ist natürlich weder Hartz-IV-Empfänger noch Politiker oder Bürokrat in einer der den Missstand verwaltenden Arbeitsagenturen. Keiner denkt an ihn – bis auf uns. Einer unserer Redakteure hat ihm folgenden Brief geschrieben.

Sehr geehrter Herr Hartz,

was werden Sie sich ärgern! Wenige Jahre nach dem Sturz vom arbeitsmarktpolitischen Chef-Guru der Republik zum vorbestraften Ex-Manager, vom Volkswagen-Vorstand zum peinlichen Erinnerungsposten in den Biographien ihrer Freunde Gerd Schröder und Ferdinand Piëch sehen Sie jetzt auch noch den Traum flöten gehen, dass wenigstens Ihr Name auf ewig bleibt. Unsterblich wie beispielsweise die unerfreulichen Adjektive harsch und hasenfüßig: eingemeißelt auf derselben Seite im Duden, welcher ja schon mit seinem Namen einem gewissen Konrad Duden zu ewigem Nachleben verhilft.

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Arbeitsministerin von der Leyen will ihren Namen aus der Welt der Arbeitslosenunterstützung verbannen und Hartz IV künftig „Basisgeld“ nennen. Der Terminus war bisher nur als Synonym für „Geldbasis“ oder im Volkswirte-Jargon „Geldmenge null“ bekannt. Also die Geldmenge, die in Form von Scheinen und Münzen kursiert, nicht in den Banktresoren, sondern in den Ladenkassen und im Privatbesitz von uns allen, zu einem winzigeren Teil in Ihrem Portemonnaie, zu einem noch winzigeren in meinem und in zumeist noch kleinerer Stückelung bei den bisherigen Hartzern (die nennen sich demnächst wahrscheinlich Basis mit langem i oder so). Engländer nennen die Geldmenge null übrigens „narrow money“, und das wird dem Feeling der meisten Empfänger wahrscheinlich ganz gut entsprechen. Für Sie, Herr Hartz, noch kein Trost.

Erinnerung bleibt

Aber verzagen Sie nicht! Wenn irgendwann eine vom Familiennamen abgeleitete Bezeichnung für eine Sache eingeführt wird, die irgendwann wieder abgeschafft wird, bleibt der Name doch noch in unseren Köpfen: versprochen! Litfaßsäulen zum Beispiel habe ich seit langem keine mehr gesehen, trotzdem gehört der Berliner Drucker Ernst Litfaß zum Standardrepertoire deutscher Trivialbildung über anderthalb Jahrhunderte nach seiner zylindrischen Erfindung. Näher an Politik und Gegenwart kennt fast jeder noch den Wuermeling, eine längst abgeschaffte Fahrpreisreduzierung für Kinder mit vielen Geschwistern, die auf den verstorbenen ersten Familienminister der Bundesrepublik Deutschland zurückgeht. (Hallo, Frau von der Leyen, wenn Sie mitlesen: Führen Sie im eigenen Interesse den Wuermeling wieder ein und lassen den armen Hartz in Ruhe, dann brauche ich nicht weiterschreiben!). Und wir in Nordrhein-Westfalen, die wir in den Sechzigerjahren zur Schule gingen, werden uns ein Leben lang an die Mikätzchen erinnern, Aushilfslehrerinnen ohne richtige Berufsqualifikation, die ein sonst vergessener Kultusminister namens Mikat einstellte.

Unsterblichkeit

Litfaß I? Wuermeling II? Mikat III? Hartz IV? „Was davon bekamen Arbeitslose vor zwei Jahrzehnten in Deutschland?“, wird der Jauch 2030 im Fernsehen einen Quizteilnehmer fragen, für höchstens eine Million (Inflation schon berücksichtigt), keine besonders schwere Frage. „Der Jauch“ ist dann wahrscheinlich – sicher bin ich nicht – keineswegs der Günther von heute, sondern die Berufsbezeichnung solcher Menschen. Manche Leute können eben doch mit der eigenen Unsterblichkeit rechnen. Sie gehören dazu. Nicht dagegen Ihr ergebener

Hans Jakob Ginsburg

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