Umfrage: Die Freiheit, die wir wollen

Umfrage: Die Freiheit, die wir wollen

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Die Deutschen haben ein paradoxes Verhältnis zur Freiheit. Sie schätzen die Selbstbestimmung - und fordern gleichzeitig Einschränkungen durch den Staat.

von Max Haerder

Der neue „Freiheitsindex Deutschland“ misst, wie wir es halten mit Selbstbestimmung und dem Verhältnis zum Staat. Das Ergebnis ist so paradox wie menschlich: Die Deutschen schätzen ihre Unabhängigkeit – und mehr Bevormundung.

Krisenzeiten schärfen den Blick für Grundsätzliches. Sie verschaffen den Freiheitsverächtern Raum ebenso wie den Freiheitsverfechtern. In ihnen stehen Markt und Staat gleichzeitig auf dem Prüfstand, Kapitalismus und Demokratie, Deregulierung ebenso wie Gängelei. Kurzum: Gute Zeiten, um dem Selbstverständnis der Deutschen den Puls zu fühlen.  

Der „Freiheitsindex Deutschland“, den das John Stuart Mill Institut in Heidelberg gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie in Allensbach in diesem Jahr erstmals ermittelt hat, mag etwas großspurig im Auftritt daherkommen.  Auch das vermeintlich eindeutige Ergebnis ( -3 auf einer Skala von -50 bis +50) birgt für sich genommen noch wenig Erhellendes. Und doch finden sich in den Umfragen ein paar interessante Erkenntnisse.

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Da wäre etwa der Begriff, den die Deutschen sich von der Freiheit machen. Den definieren mehr als die Hälfte der Befragten als Freiheit zu etwas: zur persönlichen und beruflichen Selbstbestimmung nämlich. Als Abwesenheit von Not, Armut oder Joblosigkeit versteht ihn nur rund ein Viertel.

"Jeder ist seines Glückes Schmied"

Die Allensbacher Forscher können ihre repräsentative Umfrage 2011 mit älteren Studien zum Thema  vergleichen. Immerhin  54 Prozent der Deutschen können sich gegenwärtig mit der Aussage „Jeder ist seines Glückes Schmied“ identifizieren, so viele wie seit den 1970er Jahren nicht. Das darf in der Perspektive durchaus als kleines Kompliment an die Chancenrepublik durchgehen.

Und so unterschiedlich die Ergebnisse im Ost-West-Vergleich im Detail bisweilen sind: 21 Jahre nach der Wiedervereinigung  empfinden sich die Deutschen heute insgesamt überall gleich frei. Auf einer Skala von 0 bis 10 sortieren sich Ost- wie Westdeutsche im Jahr 2011 einstimmig bei 6,8 ein. 2003 hatte der Westen noch mit 7,0 zu 6,2 im Osten freiheitlicher gefühlt.

Doch der Freiheitsindex führt noch ein paar Paradoxien zu Tage. Mit der Wertschätzung freiheitlicher Werte steigen gleichzeitig die Bereitschaft und das Bedürfnis der Bürger nach staatlichen Verboten. Egal ob es sich um harte Drogen oder private Verschuldung handelt, um rechtsradikale Parteien (die Befragung fand wohlgemerkt im Sommer statt) oder um Glücksspiel: Die Zahl der Verbotssympathisanten stieg fast überall.

Interessanterweise, auch das hat Allensbach überprüft, billigen die Befragten dem Staat diese Wächterrolle vollkommen unabhängig davon zu, ob sie eher einem freiheitlichen oder einem egalitären Gesellschaftsbild anhängen. Offenbar hat die Finanzkrise, die längst eine Staatsschuldenkrise geworden ist, die Legitimität einer grundsätzlich steuernden öffentlichen Hand noch nicht in Frage gestellt.

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