Umfrage: Politischer Handlungsbedarf: Soziales und Zuwanderung

Umfrage: So tickt die "Generation Mitte"

Politischer Handlungsbedarf: Soziales und Zuwanderung

Kritik an politischen Defiziten betrifft vor allem soziale Ungleichheit, Zuwanderung und die Lage des Pflegesystems und der Alterssicherung. 77 Prozent der 30- bis 59-Jährigen sehen die ungleichmäßige Verteilung von Einkommen und Vermögen als Problem. Ein wachsender Unterschied zwischen Armen und Reichen wird am häufigsten als Risiko für die weitere Entwicklung des Landes angesehen (72 Prozent). 65 Prozent der Generation Mitte sehen die hohe Zahl der Flüchtlinge als Risiko für die weitere Entwicklung Deutschlands. 62 Prozent erkennen bei der Integration von Zuwanderern eine Schwäche.

Denkfabrik Was die Bürger von der Jamaika-Koalition erwarten

Die Deutschen haben einen klaren Arbeitsauftrag an Union, FDP und Grüne: Der Soli soll fallen – und der Budgetüberschuss in die Infrastruktur investiert werden.

Investitionen in Infrastruktur: Was dir Bürger von Jamaika erwarten. Quelle: imago

Ebenfalls als Schwächen wahrgenommen werden Mängel beim sozialen Ausgleich (54 Prozent), bei der Chancengleichheit (53 Prozent) und bei der Absicherung gegen Armut (52 Prozent). Im Gegensatz zum als Stärke wahrgenommenen Gesundheitssystem sehen 66 Prozent bzw. 59 Prozent der Befragten das Pflege- sowie das Rentensystem als Schwächen in Deutschland. Eine stärkere staatliche Unterstützung fordern viele Befragte daher insbesondere für Pflegebedürftige und deren Angehörige (80 bzw. 87 Prozent) für Alleinerziehende (77 Prozent), für Kinder in Familien mit geringem Einkommen (68 Prozent) und Bewohner strukturschwacher Regionen (66 Prozent).

Als wichtigste Aufgaben für die neue Bundesregierung nennen die 30- bis 59-Jährigen die Sicherung des Gesundheits- und des Rentensystems (84 Prozent bzw. 76 Prozent), die Verringerung sozialer Unterschiede (79 Prozent) und die Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität (78 Prozent). Persönliche Vorteile erhoffen sich die Befragten zudem von sinkenden Steuern und Abgaben (66 Prozent) und stabilen Preisen (62 Prozent).

 

Rentenreform, ja, aber bitte keine Änderungen

Die Generation Mitte sieht das deutsche Rentensystem als Schwäche (59 Prozent), befürwortet aber nur wenige Reformmaßnahmen, die sie selbst belasten würden. Hier wird eine Diskrepanz zwischen grundsätzlicher Erkenntnis und der Realisierung der persönlichen Konsequenzen deutlich. Nur eine Minderheit befürwortet ein staatlich vorgegebenes Produkt für die private Altersversorgung (39 Prozent), die Gründung eines staatlichen Rentenfonds (28 Prozent), die Pflicht zur privaten Vorsorge (16 Prozent), die Erhöhung der Rentenbeiträge (13 Prozent) oder des Renteneintrittsalters (7 Prozent).

Obwohl die meisten der Befragten ihre wirtschaftliche Lage als gut bezeichnen, ist der meistgenannte Grund für die unzureichende private Altersvorsorge fehlender finanzieller Spielraum (62 Prozent).

Überstunden, Unterforderung, wenig Flexibilität: So arbeitet Deutschland 2017

  • Flexibilität

    34 Prozent können sich die Arbeit frei einteilen.

    Quelle: Deutschland-Umfrage der Personalberatung SThree.

  • Home-Office

    12 Prozent der Arbeit wird im Home-Office erledigt.

  • Übertriebenes Pflichtbewusstsein

    71 Prozent arbeiten trotz Krankheit (42 Prozent, weil sie sagen, dass ihre Arbeit sonst nicht machbar wäre, 31 Prozent aus Eigenmotivation).

  • Überstunden

    53 Prozent arbeiten häufig länger, um alle Aufgaben erledigen zu können.

  • Boreout

    33 Prozent sehen bei sich oder Kollegen das Risiko dauerhafter Unterforderung.

40 Prozent der Befragten können noch nicht sagen, wann sie in Rente gehen wollen oder machen den Renteneintritt von den Umständen abhängig. 24 Prozent wollen bis zum gesetzlichen Eintrittsalter arbeiten, 29 Prozent früher aufhören und nur 7 Prozent wollen länger arbeiten.

Allerdings schließt nur eine Minderheit der Befragten einen späteren persönlichen Renteneintritt kategorisch aus. Von den Befragten, die nicht länger arbeiten wollen, könnten 47 Prozent mit höheren Rentenansprüchen, 37 Prozent mit weniger Wochenstunden und 24 Prozent mit einem höheren Stundenlohn zu einer längeren Lebensarbeitszeit bewegt werden. 23 Prozent würden nur noch bestimmte Aufgabengebiete übernehmen, 23 bzw. 21 Prozent knüpfen die Bereitschaft zu einer längeren Lebensarbeitszeit an zusätzliche Urlaubstage oder Zusatzprämien. 

GDV-Präsident Wolfgang Weiler forderte bei der Vorstellung der Umfrage die Einsetzung einer Rentenkommission und eine Debatte über längeres Arbeiten. „Die Deutschen beziehen heute im Schnitt 20 Jahre lang Rente - doppelt so lange wie in den 70er Jahren. Ein wichtiger Schritt wäre bereits gemacht, wenn wir die gesetzlich vorgeschriebene ‚Rente mit 67‘ auch tatsächlich schaffen. Derzeit beginnen die Deutschen ihren Ruhestand noch anderthalb Jahre vor dem aktuellen gesetzlichen Renteneintrittsalter“

Die Ansprüche an die Arbeitgeber wachsen

 Mit der guten Beschäftigungslage wachsen offensichtlich die Ansprüche. Im Vergleich zu 2015 sind fast sämtliche Anforderungen an den Arbeitsplatz gewachsen. Arbeitsplatzsicherheit ist nicht mehr der allein ausschlaggebende Faktor. Vom Beruf erwarten die Menschen mittleren Alters neben dem sicheren Arbeitsplatz (91 Prozent) nette Kollegen (89 Prozent) und gute Vorgesetzte (79 Prozent), eine gute Altersversorgung (76 Prozent) und die Vereinbarkeit der beruflichen Anforderungen mit der Familie (74 Prozent). Ein hohes Einkommen nennen nur 57 Prozent.

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Die größte Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht bei der betrieblichen Altersversorgung. Sie wird von 76 Prozent als wichtiger Aspekt genannt, aber nur 26 Prozent sehen dies als erfüllt an. „Im Wettbewerb um knapper werdende Fachkräfte wird die betriebliche Altersversorgung ein relevanter Faktor", sagte GDV-Präsident Wolfgang Weiler bei der Präsentation der Umfrage. Ähnlich große Abstände zwischen Anspruch und Zufriedenheit existieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (74 zu 37 Prozent), guten Aufstiegschancen (51 zu 14 Prozent) und dem beruflichen Stress (49 zu 14 Prozent). Unter den 30- bis 59-Jährigen leiden 28 Prozent häufig, 51 Prozent gelegentlich unter Stress.

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