Umfragen: Fahrende Züge

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Am 14.März schätzten Meinungsforscher die FDP in NRW auf zwei Prozent. Nach dem Besuch von Christian Lindner bekam die Partei wieder Aufschwung und konnte die Fünfprozentmarke erreichen.

von Hans Jakob Ginsburg

FDP im Aufwind: Trotzdem wittern viele NRW-Liberale Manipulation.

Eigentlich können sich die FDP-Wahlkämpfer in Nordrhein-Westfalen über die neueren Umfrageergebnisse freuen: Bei kläglichen zwei Prozent sahen Meinungsforscher die NRW-Liberalen am 14. März, als der bisherige Landtag aufgelöst wurde. Dann kam Christian Lindner nach Düsseldorf, und dann begann den vielen Umfragen zufolge ein stetiger Aufschwung, der jetzt die entscheidende Fünfprozentmarke erreichte (siehe Grafik). Trotzdem werden rheinische Liberale den Verdacht nicht los, von manchen Wahlforschern und bestimmten Medien systematisch kleingeredet zu werden: Warum sonst hinkte ihre Partei wochenlang in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern hinter den Messwerten her, die von der FDP eher wohlgesinnten Medien wie „Focus“ oder dem Fernsehsender „Sat.1“ publiziert wurden?

Umfragen zur Wahlabsicht in Nordrhein-Westfalen vor der Landtagswahl Quelle: wahlrecht.de

Umfragen zur Wahlabsicht in Nordrhein-Westfalen vor der Landtagswahl (in Prozent; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: wahlrecht.de

Dabei schwankten zwischen dem 17. März und dem 23. April die FDP-Werte in den Umfragen sämtlicher Forschungsinstitute nur zwischen drei und vier Prozent: eine Abweichung, die sich schon aus den Grundregeln der Statistik leicht erklären lässt. Greift man aus einer Gesamtheit von Millionen Einzelfällen ungefähr 1000 heraus – genau das tun die Institute mit ihren Interviews –, dann beträgt nach der Wahrscheinlichkeitstheorie die Abweichung des Messwerts von der Wirklichkeit mehrere Prozentpunkte.

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In die Gegenrichtung

Darum sind bei den derzeit gemessenen fünf Prozent für die FDP reale Werte von sieben Prozent oder auch von drei Prozent immer noch im Bereich des Möglichen. Und dazu kommt, dass viele Bürger ihre Präferenz bis zum Wahlsonntag noch ändern werden. In welche Richtung – das hängt durchaus auch von den Umfragen ab. Fragt sich nur, in welchem Ausmaß.

Einerseits wissen Konsumforscher seit Langem, dass die meisten Menschen am liebsten mit dem Strom schwimmen wollen. Wäre es anders, gäbe es keine wechselnde Mode und kein angesagt und out in der Popmusik. Und wahlkämpfende Politiker wollen niemals out sein. Wer sich auskennt, zitiert den „Bandwagon Effect“, den der große Sozialforscher Paul Lazarsfeld schon 1940 in seiner Untersuchung über den US-Präsidentschaftswahlkampf nachwies: Wähler, die erfahren, dass viele andere Bürger sich politisch neu orientieren, machen sehr oft diese Umorientierung mit, springen also gleichsam auf den anfahrenden Zug auf und verlassen den Zug, der an Fahrt verliert. Linke und Piraten sind derzeit wahrscheinlich Musterbeispiele für solche in Gegenrichtung verkehrende Züge.

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Falsche Sicherheit

Aber die FDP? Da mögen vier Prozent bei Umfragen segensreich sein, weil sie Wechselwähler mobilisieren, die der Partei nicht viel Gutes, aber doch das Überleben wünschen. Schon sechs Prozent könnten dagegen falsche Sicherheit vorgaukeln. Das haben ältere Freidemokraten schon erlebt: Vor der NRW-Landtagswahl von 1980 rangierte die FDP bei Umfragen zwischen sechs und neun Prozent. Am Ende standen exakt 4,98 Prozent und das parlamentarische Aus. Christian Lindner war damals 16 Monate alt.

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