Umstrittene Fördermethode: Im Umweltbundesamt bröckelt der Widerstand gegen Fracking

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Trotz Protesten bröckelt im Umweltbundesamt der Widerstand gegen Fracking.

von Benjamin Reuter und Konrad Fischer

Der Widerstand gegen die umstrittene Schiefergas-Fördertechnik Fracking wird geringer. Zudem könnten die Fracking-Moratorien der Bundesländer einer juristischen Prüfung nicht standhalten.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche hält die Behörde ein generelles Verbot von Schiefergasfracking in Deutschland nicht mehr für nötig, wenn dafür keine toxischen Substanzen eingesetzt werden.

Ein solches Fracking-Gemisch hat zum Beispiel der US-Ölkonzern ExxonMobil in Deutschland entwickeln lassen. Das Unternehmen setzte bisher bis zu 25 teils giftige Substanzen für das Verfahren ein. Das neue Gemisch hat nur noch die beiden Zusätze Cholinchlorid und Butyldiglycol. Diese sind laut EU-Klassifizierung weder giftig noch gesundheitsgefährdend. Ihre Konzentration in der Frackflüssigkeit wäre zudem so niedrig, dass sie nicht als grundwassergefährdend gelten.

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Was hinter „Fracking“ steckt

  • „Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

    Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

  • Künstliche Fließwege

    Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

  • Gefahr für das Grundwasser

    Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

  • Beherrschbarkeit des Verfahrens

    Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

  • Lagerstätten in Deutschland

    In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

  • ... und in der Welt

    Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Laut WirtschaftsWoche fordert das Umweltbundesamt, Öl- und Gasunternehmen müssten auch die Rückläufe aus dem Boden aufbereiten, die beim Fracking entstehen. Dabei handelt es sich um eine salzige Brühe, die neben Frackmitteln krebserregende Benzole, Schwermetalle und radioaktive Substanzen enthalten kann. Machbar wäre das nach Ansicht von Experten, die das Umweltbundesamt beauftragt hat. Des Weiteren müssten Wasserschutzgebiete für die Schiefergasförderung tabu sein und Umweltauflagen erfüllt werden.

Fracking: Moratorien der Länder rechtswidrig

Zudem könnten die Fracking-Moratorien der Bundesländer einer juristischen Überprüfung nicht standhalten. „Die Moratorien der Bundesländer gegen Fracking sind eindeutig rechtswidrig“, sagte Walter Frenz, Professor für Bergrecht an der RWTH Aachen, der Wirtschaftswoche. Zurzeit gilt in Nordrhein-Westfalen ein absolutes und in Niedersachsen ein beschränktes Moratorium für den Einsatz der Technologie zur Gewinnung von Erdgas, deren Anwendung vor allem in Schieferlagerstätten umstritten ist.

Frenz begründet seine Einschätzung mit dem rechtlichen Zirkelschluss, den die Moratorien enthalten: Darin wird den Bergbehörden aufgetragen, Anträge auf Erkundungsbohrungen vorerst nicht zu erteilen, da die Umweltrisiken nicht ausreichend erforscht seien. Zugleich aber sei die Klärung dieser Risiken ohne Erkundungsbohrungen wohl gar nicht möglich. Mit den Moratorien werde den Unternehmen so faktisch eine Entscheidung über ihre Anträge verweigert, so der Rechtsexperte. Hinzu komme, dass die Länder beim Bergrecht nur Bundesbestimmungen ausführen und selbst keine Gesetzgebungskompetenz hätten.

Sollte der Bundestag wie geplant im Sommer oder Herbst ein Gesetz beschließen, das die Bedingungen für Fracking detaillierter regelt, wären die Moratorien nach Ansicht des Aachener Juristen endgültig hinfällig: „So ein Gesetz müssten Gerichte als eindeutige Indizien werten, dass der Bund den Abbau grundsätzlich befürwortet“, sagte Bergrechtler Frenz.

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