Umweltminister abgesägt: Einzelkämpfer Röttgen bekommt die Quittung

KommentarUmweltminister abgesägt: Einzelkämpfer Röttgen bekommt die Quittung

von Cordula Tutt

Mit seinem unbedingten Willen zur Karriere hat sich der Umweltminister keine Freunde gemacht. Für Merkel war es ein Leichtes, ihn kalt abzuservieren.

So war Angela Merkel lange nicht mehr zu erleben. Sie kann eiskalt sein. Ihren Bundesumweltminister hat sie drei Tage nach seiner krachenden Niederlage als CDU-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen entlassen. Der 46jährige bekam nicht einmal mehr die Chance selbst zurückzutreten, wie sie der gestolperte Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Anfang voriges Jahr noch als Bundesverteidigungsminister hatte. Statt Norbert Röttgen die Pistole hinzulegen, hat sie selbst abgedrückt. Das zeigt, wie wenig Unterstützung und Loyalität Röttgen noch hat. Mit seinem unbedingten Willen zur Karriere hat er sich keine Freunde gemacht.

Merkel hat dem Bundespräsidenten am Morgen selbst vorgeschlagen, „Norbert Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden“, wie sie im Kanzleramt sagte. Die Kanzlerin muss schon vor dem verkorksten Wahlkampf Röttgens unzufrieden mit seiner Arbeit gewesen sein.

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Den Rauswurf begründete sie damit, dass bei der Energiewende ein Neuanfang notwendig sei. Dieses zentrale Vorhaben der Regierung verlange noch „große Anstrengungen“. Der Umweltminister habe hier eine wichtige Rolle. Deutlicher kann man Unzufriedenheit mit der Arbeit eines Kabinettskollegen kaum ausdrücken.

Die nicht mit ihm konnten, stellte sich nun offen gegen ihn

Deshalb darf nun Merkel-Intimus Peter Altmaier Umweltminister werden. Bisher hat er als Parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag die Abläufe und die Mehrheiten organisiert. Sie kenne Altmaier sehr lange und schätze ihn, sagte die Kanzlerin, er könne nun mit voller Kraft voran gehen.

Norbert Röttgen ist nicht zu beneiden. Alle, die vorher nicht mit ihm konnten, positionieren sich nun offen gegen ihn. In Berlin gilt er als Politiker, der geschliffen reden kann, dabei aber schwer zu verorten ist. Zudem wurde man den Eindruck nie los, dass er sich vor allem fürs eigene Fortkommen einsetzte. So wollte er Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) werden, zugleich aber Bundestagsabgeordneter bleiben.

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Er sägte am Stuhl von Unionsfraktionschef Volker Kauder, dessen Posten er offenbar attraktiv fand. Später gewann er den Landesvorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen mit dem Versprechen, im Ernstfall nach Düsseldorf zu kommen. Dieses Bekenntnis galt ihm im Wahlkampf dann aber nichts mehr, weil er lieber Bundesminister als Landesoppositionsführer sein wollte.

Merkel hat dem Modell Röttgen nicht mehr getraut. Mit einem guten Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen wollte er sich unabhängiger von seiner Chefin Angela Merkel machen. Das Gegenteil war der Fall. Er galt als geschlagen und von ihr umso mehr abhängig. Die Kanzlerin hat sich dieser Abhängigkeit entledigt.

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