Umweltprämie: Weiter so, große Abwrack-Koalition!

KommentarUmweltprämie: Weiter so, große Abwrack-Koalition!

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Geldscheine im Wert von 2500 Euro vor Schrottautos: Warum nicht gleich energiefressende Küchen, schimmelige Fertighäuser und langsame Computer mit staatlichen Hilfe abwracken?

Die Abwrackprämie für Autos kann nur der Anfang sein. Auch das vorzeitige Ende von energiefressenden Küchen, schimmligen Fertighäuser und langsamen Computern muss staatlich beschleunigt werden. Die postkapitalistische Abwrackgesellschaft hat gute Chancen, die angeschlagene Marktwirtschaft zu ersetzen. Eine Glosse von WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert.

Gehören Sie zu den fröhlichen Schnäppchenjägern, die sich für praktisch nix sich einen Kleinwagen einverleibt haben? Also 8999 Euro Grundpreis minus 2500 Euro Abwrackprämie minus 2500 Euro Sonderrabatt vom Hersteller, oder so ähnlich?

Glückwunsch und fröhliche Osterausfahrt in die blühenden Landschaften! Als messerscharf kalkulierender „Homo oeconomicus“  haben Sie alles richtig gemacht. Denn mehr Auto gab’s nie fürs Geld. Wenn Sie jetzt noch bei der nächsten Bundestagswahl CDU oder SPD wählen, dann hat sich der ökonomische Kreislauf harmonisch geschlossen. Denn dann steht den sechs Milliarden Euro, die der Bund inklusive Zinsen in die Abwrackprämie investiert, auch ein echter Nutzen gegenüber. Wählerstimmen gibt’s schließlich nicht umsonst, schon gar nicht in diesen ungewöhnlichen Zeiten. Gerade mal 100 Euro Neuverschuldung pro Wähler kostet uns die Abwrackprämie. Das muss uns eine SPD- oder CDU-Stimme wert sein.

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Abwracken für den Fortschritt

Man überlege nur mal, die großen Volksparteien würden nicht auf diese Art und Weise das Wahlvolk von ihren Fähigkeiten überzeugen. Dann bekämen am Ende die ganz Linken oder die ganz Rechten die Stimmen – und wo das endet, will man sich gar nicht vorstellen. Die einen würden die hiesigen Autobauer verstaatlichen, die anderen würden versuchen, die Autofabriken ausschließlich mit Menschen deutscher Rasse am Laufen zu halten. Dann doch lieber mit Augenmaß in die Abwrackprämie investieren.

Und es wird noch besser kommen. Es sind noch ein paar Monate bis zu Wahl, genug Zeit also, weitere Steuerzahlermilliarden fürs Abwracken zu verplanen. Die WirtschaftsWoche schlägt der Bundesregierung deshalb folgende Abwrackziele vor, und zwar in der angegebenen Reihenfolge: Energiefressende Küchen, schimmlige Fertighäuser, langsame Computer. Weg mit dem Schrott, das dient der Umwelt, dem Fortschritt, der Wirtschaft und auch ein bisschen der großen Abwrackkoalition.

Abwrackprämie ins Grundgesetz!

Wenn auch hier das Abwracken so viel ein Spaß macht wie bei den Autos, dann muss die Politik den nächsten Schritt gehen. Dann muss ernsthaft über die postkapitalistische Abwrackgesellschaft nachgedacht werden. Die Zeiten dafür sind optimal, denn die Marktwirtschaft kommt wahrscheinlich eh nicht mehr auf die Beine.

In Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundeswrackrepublik Deutschland muss es dann heißen: „Jede Form von Konsum führt zum Ersatz von alten Konsumgütern, ist somit als Abwrackhandlung zu betrachten und wird vom Staat gefördert.“. Und Artikel 2: „Der Reichtum der Bundeswrackrepublik Deutschland ist unendlich, denn ihr Geldfluss versiegt nicht. Je mehr abgewrackt wird, umso mehr wird konsumiert, desto höher sind wiederum die Mehrwertsteuereinnahmen des Staates und umso mehr kann der Staat in Form von Abwrackprämien ausschütten.“

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