Universitäten: Zurück auf null

Universitäten: Zurück auf null

Bild vergrößern

Die Studiengebühren, sollten der Modernisierung des Hochschulsystems dienen. Doch sie sind zum Auslaufmodell verkommen.

von Konrad Fischer und Max Haerder

Studiengebühren werden zum Auslaufmodell. Aus Angst um die Wählergunst verspielen die Länder eine der größten bildungspolitischen Errungenschaften der vergangenen Jahre.

An die Momente, wenn ihr Telefon klingelt, erinnert sich Anneke Hackenbroich noch Tage später. Nicht, dass sie ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis, Angst vor Drohanrufen oder ein schrulliges Hobby hätte. Es passiert bloß so selten. "In letzter Zeit ruft aber fast jede Woche jemand an", sagt Hackenbroich, sie klingt ein bisschen stolz, denn das soll heißen: richtig oft.

Hackenbroich ist Mitarbeiterin an der pädagogischen Hochschule Schwäbisch-Gmünd, gut 500 junge Erwachsene beginnen hier pro Jahr ein Studium. Seit zwei Jahren bietet die Universität ihnen in Person von Hackenbroich einen neuen Service an: Die Beratungsstelle für Studierende mit Kind, finanziert aus Studiengebühren. Dass die einmal wöchentlich stattfindende Sprechstunde kaum jemand besucht, wundert niemand. Gibt es doch an der Uni höchstens "ein paar Dutzend" Studierende mit Kind, schätzt Hackenbroich. Und eine Frauenbeauftragte in Vollzeit.

Anzeige

Zwei Länder lassen Studenten weiter zahlen

Angesichts solcher Beispiele verwundert es nicht, dass die neue grün-rote Landesregierung Schluss machen will mit den Studiengebühren in Baden-Württemberg. Ab 2012 sollen die nicht mehr erhoben werden, so hat man es im Koalitionsvertrag vereinbart. Selbst der Protest der jetzt oppositionellen CDU gegen die Abschaffung bleibt überschaubar, man konzentriert sich lieber auf den ökologischen Aufbruch und beschwört die drohende Deindustrialisierung.

Tabellen Die besten Unis und Fachhochschulen

Übersicht: Welche Universitäten und Fachhochschulen bei Personalberatern vorne liegen.

Quelle: dpa

Nur vier Jahre nach der Einführung der Studiengebühren ist Erstaunliches passiert: Als entscheidender Schub für die Modernisierung des Hochschulsystems gestartet, sind die Beiträge zum Auslaufmodell verkommen. In Hessen und dem Saarland wird die zwischenzeitlich eingeführte Gebühr bereits nicht mehr erhoben, in diesem Jahr folgt NRW, nächstes Jahr sind Hamburg und Baden-Württemberg dran. Dann werden nur noch zwei Länder Studenten für ihr Studium bezahlen lassen: Niedersachsen und Bayern.

Kein zweiter Frühling in Aussicht

Auf den ersten Blick ist dieser Wandel schlicht mit den Regierungswechseln vom konservativen ins linke Lager zu erklären. Doch auch die neuen Oppositionsparteien wehren sich kaum gegen die Abschaffung. Zu laut waren die Proteste, zu negativ ist das Image der Gebühren. Einen zweiten Frühling werden die Beiträge wohl nicht mehr erleben.

Dabei ließe sich jetzt, vier Jahre nach der ersten Einführung in Hessen, erstmals wirklich beurteilen, welche Auswirkungen die Campus-Maut tatsächlich gehabt hat. Doch eine objektive Bewertung findet kaum statt. Zur Rechtfertigung der Abschaffung werden Sorgen bemüht, die schon bei der Einführung die Studenten auf die Straße brachten: Gebühren seien ungerecht, sie würden Menschen vom Studium abhalten und so die soziale Schere in Deutschland weiter öffnen. "Es ist eine Tatsache, dass Studiengebühren Jugendliche vom Studium abschrecken", sagt Jens Böhrnsen, SPD-Bürgermeister im gebührenfreien Bremen. Auf der anderen Seite tun sich auch die Befürworter schwer, aus den ersten Erfahrungen neue Argumente für die Gebühren abzuleiten. Nach wie vor werben sie mit der Verbesserung der Lehrbedingungen und verweisen auf die enge Zweckbindung, die gar nichts anderes zulasse, als die Gelder direkt in die Lehre zu investieren.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%