Unter Strom: Genosse Strahlenschutz verspekuliert sich

kolumneUnter Strom: Genosse Strahlenschutz verspekuliert sich

Kolumne

Umweltminister Sigmar Gabriel setzt im Wahlkampf auf das gesellschaftliche Spaltpotenzial der Kernkraft. Doch das Thema spielt offenbar für zwei Drittel der Bürger beim Urnengang keine Rolle. Genosse Strahlenschutz muss sich schleunigst eine neue Strategie überlegen.

Atomkraft – nein Danke? Das sagt nur noch jeder zweite Bundesbürger. In einer Forsa-Umfrage für das Magazin "Stern" spricht sich exakt die Hälfte der 1000 Befragten dafür aus, wie im Atomkonsens vorgesehen, bis zum Jahr 2021 aus der Kernenergie auszusteigen. 44 Prozent wollen, dass die Atomkraftwerke länger als geplant laufen.

Die Kernkraft hat großes gesellschaftliches Spaltpotenzial, dachte sich Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Da ist die Angst vor dem Super-Gau, vor Terroranschlägen und dem Dauerproblem der Endlagerung. Kurz: Mit Uran und Co lassen sich Emotionen schüren – damit ist das Thema ganz oben auf seiner Wahlkampf-Agenda.

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Nach dem Kurzschluss im Kernkraftwerk Krümmel und der kommunikativen Pannenserie beim Betreiber Vattenfall hatte der Minister einen willkommenen Anlass, seine Anti-AKW-Parolen vom Stapel zu lassen. Abschalten müsse man den Schrottreaktor – und am besten gleich die ältesten acht Meiler. Ein Ausstieg aus dem Ausstieg sei mit ihm nicht drin.

Genosse für die Grünen

Doch da hat der Wahlkämpfer wohl den Wähler außer Acht gelassen. Trotz der Probleme in Krümmel hat das Thema nämlich für zwei Drittel der Bundesbürger keine große Bedeutung für ihre Entscheidung bei der Bundestagswahl. In der Umfrage erklärten 67 Prozent, die Kernkraft spiele eine nicht so große oder geringe Rolle für ihre Wahlentscheidung.

Tja, da muss sich Genosse Gabriel wohl eine neue Strategie ausdenken, um seine Partei aus dem Umfragetief rauszubringen. Die Kernfrage jedenfalls hilft ihm dabei nicht.

Im Gegenteil: Das Thema könnte ihm sogar schaden. Schließlich sagten laut Umfrage nur die Anhänger der Grünen, dass die Kernkraft für sie tatsächlich wahlentscheidend ist.

Die Kernkompetenz bei der Kernkraft liegt eindeutig bei den Grünen. Da stellt sich die Frage: Macht Gabriel neuerdings für die Grünen Wahlkampf? 

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