Unter Strom: Viel Lärm um nichts

kolumneUnter Strom: Viel Lärm um nichts

Kolumne

Die Aufregung um das "Geheim-Gutachten" von Forschungsministerin Schavan ist groß, größer noch die Unkenntnis über dessen Inhalt. Der Wahlkampf lässt sich so befeuern – nur mit der Wahrheit hat das alles wenig zu tun.

Jetzt also auch noch ein Geheim-Gutachten. Als hätten die Atomkraft-Gegner es bestellt. „Wählertäuschung“, schimpft die Linke, die Grünen sehen eine „schwarz-gelbe Atom-Lüge“. Genosse Gabriel munkelt, dass die „Atomkraft offenbar in den Planungen der Union insgeheim eine größere Rolle spielt als bisher immer behauptet“. Die Kritik sitzt.

Tatsächlich? Oder wird im Eifer des Wahlkampf-Gefechts einiges durcheinander geworfen? Das „Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland“ jedenfalls gibt wenig Anlass zur Aufregung. Da erklären Wissenschaftler von drei Akademien, dass eine Forschungsoffensive gegen den Klimawandel nötig ist – und wie diese aussehen könnte.

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Dabei geht es um das ganze Spektrum der Energieforschung, auch die Kernkraft kommt vor. Die Wissenschaftler plädieren dafür, die Erforschung der Kernenergie nicht aufzugeben, um die bestehenden Kraftwerke hierzulande bestmöglich betreiben und die Sicherheit auch außerhalb Deutschlands bewerten und voranbringen zu können. Nicht mehr, nicht weniger.

Perfekte Steilvorlage

Eine direkte Forderung nach neuen Atomkraftwerken, wie nun behauptet wird, geht aus der Studie nicht hervor. Ein Ausbau wird lediglich als Möglichkeit diskutiert. Doch diese Frage sei „abhängig von politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen“, schreiben die Wissenschaftler neutral. Ihre Botschaft: Forschung ja, den Rest entscheidet die Gesellschaft.

Eine Atomstudie ist das nicht, wie Schavan völlig zu Recht betont. Was die Forschungsministerin allerdings verschweigt: Sie wollte das Werk tatsächlich bis nach der Bundestagswahl unter Verschluss halten. In einem Brief an die Forscher heißt es, sonst bestünde die Gefahr, dass das Konzept sonst „im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird“.

Doch genau das passiert jetzt. Die Studie ist eine perfekte Steilvorlage für SPD und Grüne – zu gut, um sie nicht zu nutzen. Allerdings sollten sich diejenigen, die jetzt laut aufschreien, die 61 Seiten mal in Ruhe durchlesen. Dort steht einiges über die Erforschung Erneuerbarer Energien, CO2-Minderung und Effizienztechnik. So genannte „No regret Maßnahmen“.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: http://www.acatech.de/energieforschungskonzept

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