Unternehmensführung: Commerzbank-Chefaufseher: Managern mangelt es an politischer Kompetenz

Unternehmensführung: Commerzbank-Chefaufseher: Managern mangelt es an politischer Kompetenz

Deutschen Top-Managern mangelt es laut Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller an politischer Kompetenz.

„Die Wirtschaft weiß zu wenig darüber, wie parlamentarische Prozesse funktionieren. Kaum ein Manager verfügt hier über eigene Kenntnisse“, sagte Müller, der auch Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission ist, im Interview mit der WirtschaftsWoche. Nur „ein kleinerer Teil“ der Vorstände könne etwa erklären, wie ein Gesetz zustande käme. Allerdings dürfte diese Quote in der gesamten Bevölkerung auch nicht höher liegen, sagte Müller. Den Politikern stellte Müller dagegen ein besseres Zeugnis aus: „Jeder Politiker muss sich bei seinen Entscheidungen auch mit wirtschaftlichen Fragen befassen. Schon von daher werden Parlamentarier mit Wirtschaft konfrontiert.“

Als „parlamentarische Glanzleistung“ lobte Müller, dass Bundestag und Bundesrat in „der unglaublich kurzen Zeit von nur einer Woche ein Finanzstabilisierungsgesetz von beachtlicher Qualität“ durchgesetzt hätten - eine Leistung, „die viele der Politik nicht zugetraut haben“. Müller: „Die Verantwortlichen in der Politik bemühen sich ernsthaft, die Wirtschaft in Gang zu bringen.“

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Müller warnte die Politik allerdings davor, die „Finanzkrise“ zu emotionalisieren. Viele längst überwunden geglaubte Vorurteile seien wieder hochgekommen: „Niemand ist über Nacht vom ethisch-honorigen Menschen zum skrupellosen Kapitalisten geworden“, sagte Müller. „Eine Rezession mitten im Wahljahr, enttäuschte Anleger und besorgte Arbeitnehmer bedrängen die Abgeordneten, etwas gegen die Krise zu unternehmen. Da ist mancher froh, den Banken alle Vorwürfe auf die Ladefläche kippen zu können.“ Dass man in einem Land, dass sich zur sozialen Marktwirtschaft bekenne, eine „grundsätzliche Kapitalismusdiskussion“ beginne, nennt Müller „bedenklich“.

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