Unternehmensführung: Die Familienministerin will plötzlich eine Flexi-Frauenquote

KommentarUnternehmensführung: Die Familienministerin will plötzlich eine Flexi-Frauenquote

von Claudia Tödtmann

Weil eine starre Frauenquote - wie Ursula von der Leyen sie androht - die Industrie aufgeschreckt hat, relativiert Familienministerin Kristina Schröder sie wieder.

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Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU)

Kristina Schröder sorgt für Überraschung - und Rätselraten: Sie fordert eine "flexible Quote" - das ist schon ein Widerspruch in sich selbst - und "Quotenvielfalt". Wie bitte? Hatte sie doch erst vor wenigen Tagen die Frauenquote nicht nur gefordert, sondern auch gleich dazu gesagt, dass ihr Ministerium schon an einem entsprechenden Gesetz arbeitet. Damit überholte sie ihre Kollegin Ursula von der Leyen: die war vorausgeprescht und hatte den Unternehmen die Frauenquote angesagt  -  und  zwar gleich mit ein Ultimatum gestellt: In weniger als fünf Jahren sollte sie umgesetzt sein.

Doch plötzlich rudert Kristina Schröder unverhofft wieder zurück - und das in einem Gastbeitrag im "Handelsblatt": Sie orakelt von einer "flexiblen Quote" oder von "Quotenvielfalt" und schliesst eine "Einheitsquote" aus. Kurz, sie stiftet erst mal etwas Begriffverwirrung und gibt uns - hausaufgabengleich - auf, mal rasch neue Begriffe zu erlernen. Das lenkt ab vom Wesentlichen und ob es in der Sache weiter hilft, werden wir sehen.    Doch im Detail: Es werde keine "starre Frauenquote geben, die alle über einen Kamm schert" und begründet das mit verfassungsrechtlichen Bedenken. Aber dass sie dennoch einen Zwei-Stufen-Plan vorlegen wird noch in diesem Frühjahr.  Und der sieht so aus: Eine Pflicht zur Selbstverpflichtung. Danach sollen die Unternehmen - ab einer gewissen Größe - gesetzlich gezwungen werden, für Vorstand und Aufsichtsrat eine Frauenquote festzulegen, die sie aber selbst bestimmen dürfen. Die müssen sie dann aber auch veröffentlichen - und sich daran messen lassen. Bis dahin will Schröder aber den Unternehmen bis 2013 erst nochmal Zeit geben, von selbst genug Frauen auf der Top-Ebene zu installieren. So, als hätten sie nicht schon zehn Jahre lang reichlich Gelegenheit dazu gehabt. So lange gibt es nämlich den Corporate Governance Codex, nach dem sich  die Unternehmen zu  Gleichbehandlung  ohnehin selbst verpflichtet hatten . Aber eben auf freiwilliger Basis. Der Erfolg ist bekannt: Deutschland liegt mit der Zahl seiner weiblichen Vorstände ganz weit hinten und teilt sich laut DIW mit Indien den letzten Platz. Konkret: Vier weiblichen Vorständen stehen 182 männliche Vorstände im Dax30 gegenüber. Im Mai sind es dann fünf, wenn Margret Suckale bei BASF in den Vorstand einrückt.   

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Nur ein Ablenkungsmanöver?

Zudem soll die  Schrödersche Flexi-Quote, selbst  als selbstgewählte Quote, auch nur so lange gelten, bis das Unternehmen einen 30-Prozent-Führungsfrauenanteil aufbietet, schreibt  die Ministerin weiter.  Sie setzt darauf, dass die veröffentlichten Quoten in Rankings verglichen würden und die "Flexiquote" den Wettbewerb zwischen den Unternehmen befeuert". Doch dass ein Maschinenbauunternehmen "vorsichtige" Zielsetzungen vornehmen werden, weil es weniger Maschinenbaustudentinnen gibt als ein Automobilbauer, dem es nicht mangele an hervorragend qualifizierten Mitarbeiterinnen. Der Vergleich verwundert. Haben doch auch die Frauen, die schon jetzt im Vorstand eines Dax30-Konzerns sind, entweder das Personalressort inne oder - wie bei Siemens, den Einkauf. Oder Anke Schäferkordt im Aufsichtsrat bei BASF: Sie ist Kontrollerin und auch keine Chemikerin. ganz zu schweigen von Doris Schröder-Köpf, die jetzt in den Karstadt-Aufsichtsrat einzieht und gelernte Journalistin ist. Den Einzelhandel kennt sie auch nicht gerade aus dessen Bilanzen, sondern als Konsumentin. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Die Intention ist offensichtlich: Via "Handelsblatt" als Wirtschaftszeitung versucht sie, die richtige Zielgruppe zu beruhigen. Doch warum?

Denn: Dass eine Frauenquote alle Unternehmen treffen würde, wäre ohnehin ein Novum. In Norwegen wurde die Frauenquote für die Führungsetage nur einer bestimmten Rechtsform vorgeschrieben. Wer die partout nicht wollte, hat eben die Rechtsform gewechselt und fiel damit nicht mehr unter die Regelung. Nur ein einziges Unternehmen stand kurz davor, nicht mehr weiterarbeiten zu dürfen, weil es die Frauenquote nicht pünktlich erfüllt hatte - aber auch das hat im letzten Moment die Kurve noch gekriegt. Letztlich konnten alle Unternehmen weiterarbeiten, eins wechselte deshalb die Rechtsform - und keins ist abgewandert.   Ganz abgesehen davon, dass die Unternehmen dort - wie auch in Frankreich - eine Übergangszeit von mehreren Jahren bekommen, in der sie ihre Frauen in der zweiten oder dritten Reihe hochqualifizieren können. Die Franzosen nämlich beschlossen erst Mitte Januar 2011 überraschend eine gesetzliche Frauenquote für Führungspositionen - ebenfalls nur für manche Unternehmen und in einer besonderen Größenordnung, beileibe nicht alle.

Oder sind die neuen Begriffe wie die Flexi-Quote nur ein Ablenkungsmanöver? Doch wofür? Handelt die Bundesregierung jetzt immer noch nicht, kommt die Quote eben aus Brüssel. EU-Kommissarin Vivian Reding steht schon in der Starlöchern und hat ebenfalls - wie Ursula von der Leyen - bereits mit einem Ultimatum gedroht. Und die EU stört sich nicht die Bohne an einem Old-Boys-Netzwerk.

Monika Schulz-Strelow, Präsidentin von FidAR, der Initiative der weiblichen Führungskräfte fragt: "Wollen wir wirklich warten, bis die EU mit einer Richtlinie kommt? Frau Reding wird wenig Rücksicht auf deutsche Old-Boys-Netzwerke nehmen."

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